Stranger Things – eine Hommage an die Filme unserer Kindheit

Schon der Schriftzug des Serientitels weckt Nostalgie-Gefühle. Kein Wunder, scheinen die Buchstaben direkt einem Stephen King Buchcover entsprungen zu sein. Hört man dann die düsteren Synthesizer-Klänge der Titelmelodie, weiß man, man hat sich nicht getäuscht, hier legt es jemand bewusst drauf an, uns in die 80er Jahre zurückzubefördern. In die Zeit als Horrorfilme wie Poltergeist und Nightmare on Elm Street  noch schockten und es gleichzeitig diese wunderbaren Coming-of-Age Filme wie Stand by me – Das Geheimnis eines Sommers, Die Goonies oder E.T. – Der Außerirdische gab, in denen Freundschaft und der Zauber der kindlichen Phantasie über alles gingen. Die Science-Fiction-Mystery Serie Stranger Things, ein Netflix Original, das derzeit in aller Munde ist, ist ein Konglomerat all dieser Filme.

Die Serienschöpfer (Matt und Ross Duffer, Jahrgang 84) scheinen ganz bewusst das Beste aus diesem Mystery-Genre der 80er Jahre herausgepickt zu haben, um es mit viel Liebe neu zusammenzusetzen. Stranger Things ist wie eine Mischung aus einem Stephen King Roman und einem Steven Spielberg Film, im Retro-Look der 80er, mit viel Grusel, Magie und kindlichem Charme – und Winona Ryder, einem längst verglühten Hollywood-Stern, der hier passenderweise sein Comeback feiert.

 Worum es geht

1983, eine Kleinstadt in Indiana: Auf dem nächtlichen Nachhauseweg wird der 12-jährige Will Byers von einer mysteriösen Kreatur angegriffen und verschwindet daraufhin spurlos. Seine alleinerziehende Mutter (Winona Ryder) glaubt nicht an seinen Tod und sucht verzweifelt Hilfe beim Chief der Stadt, der nach und nach eine grauenhafte Regierungsverschwörung aufdeckt.

Auch Wills Freunde Mike, Lucas und Dustin wollen sich nicht mit seinem Verschwinden abfinden. Bewaffnet mit einer Zwille und ihren Walkie Talkies, schwingen sie sich auf ihre Bikes und durchsuchen den mysteriösen Ort seines Verschwindens, den „Düsterwald“, der an das abgesperrte Gelände des Energieministeriums grenzt. Dort finden sie zwar nicht Will, dafür aber ein seltsames Mädchen mit kurz geschorenen Haaren und übernatürlichen Fähigkeiten. Weil sie die Zahl „011“ auf dem Arm tätowiert hat, nennen sie sie Elf, Spitzname Elfi. Wie einst Elliot E.T., so nimmt sich auch Mike dem Mädchen an. Er versteckt sie bei sich im Keller, verkleidet sie, um unerkannt zu bleiben und versucht ihr seine Welt zu vermitteln. Bald stellen die Jungs fest, dass Elfi ihnen dabei helfen kann, Will zu finden.

Die Handlung richtet sich nach den klassischen Schablonen des Genres: die amerikanische Kleinstadt, der heldenhafte, aber psychisch vorbelastete Chief, eine Regierungsverschwörung, ein missglücktes menschliches Experiment und nicht zuletzt die stereotypen Figuren, die man so oder so ähnlich bereits woanders gesehen hat. Die nerdige Jungs-Clique ist dabei wohl das beste Beispiel für die schablonenhafte Figurenkonstellation: der kluge Anführer, das schüchterne Sensibelchen, der vorlaute Streitsüchtige und das trottelige Moppelchen, das für die Lacher sorgt. In einer Nebenhandlung wird außerdem noch eine High-School-Romanze verfolgt, in die Mikes Schwester und Wills älterer Bruder verstrickt sind. Das alles ist nicht neu und auf den ersten Blick auch nicht besonders originell. Es ist die Art und Weise, wie es gemacht ist, die Stranger Things so erfrischend und sehenswert macht.

 Warum die Serie sehenswert ist

Stranger Things ist keine Serie vom Fließband, sie ist ganz offensichtlich eine Herzensangelegenheit, von Fans für Fans. Die Duffer Brothers zitieren diese Kultfilme aus den 80er Jahren, weil sie sie lieben und diese Liebe, diese gemeinsame Erinnerung an eine magische Zeit, mit ihren Zuschauern teilen wollen. Die Serie ist eine Verbeugung vor diesem Zeitalter und ihren Filmemachern, deshalb ist sie mit viel Herz und Liebe zum Detail gemacht. Sie lohnt sich wegen:

    • …der grandiosen Besetzung. Auch wenn die Figuren Stereotype sind, wirken sie keine Sekunde platt oder unoriginell. Die Schauspieler, Kinder wie Erwachsene, wirken so authentisch, als seien sie wirklich den 80ern entsprungen. Dabei ist es erfrischend, Figuren im Fernsehen zu sehen, die so gar nicht dem heutigen Schönheitsideal entsprechen (die Figur Barb würde man so heute wohl nicht mehr im Fernsehen sehen). Besonders bemerkenswert fand ich das Mädchen, das „Elf“ spielt, Millie Bobby Brown.
    • …dem großartigen Soundtrack. The Clash, The Smiths, David Bowie, Jefferson Airplain, New Order, Foreigner – von Punkrock bis Pop sind die 80er hier perfekt vertreten. Wie großartig der Score ist, habe ich bereits erwähnt.
  • …der vielen popkulturellen Referenzen und Zitate, die man hier findet und die von der Netzwelt akribisch gesammelt werden, zum Beispiel hier.
  • …der 80er, die hier so viel Spaß machen. Die Frisuren, die Klamotten, die Autos, Fahrräder und Walkie Talkies bescheren einen herrlichen Flashback.
  • …der spannenden und gruseligen Geschichte, die bei aller Nostalgie erzählt wird. Stranger Things verbindet das nostalgische Design und die Figuren von damals mit  dem Qualitätsanspruch an heutige Serien.

Ein Highlight diesen Serien-Sommer.

Advertisements

6 Kommentare zu „Stranger Things – eine Hommage an die Filme unserer Kindheit“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s