Weltreisen im Kopf

Wenn die besten Freunde auf Weltreise gehen, lässt sich ein leichter Anflug von Fernweh nicht vermeiden. Was werden sie alles sehen und erleben, während man selbst im Alltag zurückbleibt? Um diese Frage zu beantworten, muss man aber nicht unbedingt selbst zum Backpacker werden. Es gibt haufenweise Reiseliteratur, in denen Weltreisende von ihren Erfahrungen berichten.

Also lehne ich mich zurück und begleite meine Freunde auf meine Weise; mit einem Buch in der Hand von der Couch aus. Dabei bin ich heimlich ganz froh, dass mir so die Strapazen des Reisens erspart bleiben. Keine versifften Unterkünfte, keine aufdringlichen Touristenfänger und auch nicht die obligatorische Magen-Darm-Verstimmung. Nur der Reiz des Neuen und Unbekannten.

Die ersten Weltreise-Bücher, die ich inzwischen gelesen habe, geben meiner Skepsis dann auch ein bisschen Recht: der Traum von der Weltreise mag noch so verheißungsvoll klingen, er ist auch nicht unbedingt erfüllender als andere Dinge, die wir tun. Auch auf Reisen schleicht sich der Alltag ein, gibt es Stress und schlechte Laune. Sehenswürdigkeiten, auf die man sich lange gefreut hat, entpuppen sich nicht selten als unschöne Touristenfallen und vermeintlich paradiesische Inseln als vermüllte Partyorte mit David Guetta und Bucket-Saufen bis tief in die Nacht. Wir leben nun mal in einer durch und durch globalisierten Welt.

Vielleicht spricht hier bloß der Neid aus mir, vielleicht habe ich mich aber auch von Karl Pilkington anstecken lassen, dem notorisch skeptischen Reisemuffel, der mit viel britischem Humor von seinen Reisen um die Welt berichtet.

Karl Pilkington: Ein Idiot unterwegs und Ein Idiot reist weiter

Ein Idiot unterwegs von Karl Pilkington
Ein Idiot unterwegs von Karl Pilkington (copyright by random house)

Karl Pilkingtons Reisen um die Welt sind die ideale Reiselektüre für Daheimgebliebene. Denn der Brite, der von seinen Kumpels Ricky Gervais und Stephen Merchant navigiert wird, fühlt sich bei seinen Abenteuern oft so unwohl und fehl am Platz, dass man selbst ganz froh ist, nicht in seiner Haut zu stecken, während man sich gleichzeitig köstlich amüsiert.

Andere Länder, andere Toiletten – ein durchgeknallter Engländer auf Reisen

Sieben Weltwunder der Moderne – und ein Reisemuffel, wie er im Buche steht. Karl Pilkington wäre lieber daheim geblieben, als seinen Kumpels als Versuchskaninchen und Anschauungsobjekt zu dienen: als beklopptester, verpeiltester, unentspanntester Reisender zu Urlaubszielen, über die jeder Normalsterbliche jauchzen würde. Karl indes macht sich zum Vollidioten, wo er auch geht und steht – und schildert seine nicht immer schönen aber immer lustigen Reiseerlebnisse. Britischer Humor von seiner besten Seite! (random house)

Ein Idiot reist weiter von Karl Pilkington
Ein Idiot unterwegs von Karl Pilkington (copyright by random house)

Während Karl im ersten Teil allerlei Unappetitliches beim Bereisen der sieben Weltwunder erlebt, bekommt er im zweiten Teil von Gervais und Merchant die Aufgabe, eine Bucket-List abzuarbeiten. Eine Liste, die in diesem Fall 100 Dinge enthält, die man getan haben sollte, bevor man stirbt. Dabei sind Bungee-Jumping und mit Haien schwimmen noch die harmlosen Punkte auf der Liste. So muss Karl zum Beispiel auf einer einsamen Insel in der Südsee übernachten, geht mit Stammesangehörigen auf die Jagd, kämpft gegen einen Sumoringer in Japan oder lässt sich von Hundeschlitten in der Antarktis ziehen. Das alles tut er so widerwillig und kommentiert es mit so trockenem Humor, dass der Sinn derartiger Bucket-Lists schnell entlarvt wird – oft geht es nur darum, damit anzugeben, etwas gemacht zu haben, als es tatsächlich zu erleben.

Meiner Meinung nach ist die beste Form, die Antarktis zu sehen, sich die entsprechende Folge von Davit Attenborough im Fernsehen anzusehen. Soll er doch diese ganzen Erkundungstouren machen. Es gibt dort ja doch nichts weiter als meilenweit nur Schnee, die Landschaft verändert sich nicht, und wenn man Filmaufnahmen von Pinguinen sieht, die dort querfeldein laufen, dann sehen sogar die verärgert aus, weil sie dort leben müssen – und immerhin stammen die von dort!
Und was den Nord- und Südpol betrifft: Ich bin fest davon überzeugt, dass das genau so eine Sache ist, die man nur deshalb macht, um hinterher allen erzählen zu können, dass man sie gemacht hat. Es ist nicht besonders aufregend, und an jedem beliebigen anderen Punkt auf der Erde fühlt es sich ganz genauso an. Als ich in Afrika war, um Gorillas zu beobachten, stand ich kurz auf dem Äquator, aber ich erinnere mich nur noch an den guten Kaffee und den Muffin aus einem Café um die Ecke. (Pilkington: Ein Idiot reist weiter)

Das Ganze ist natürlich  etwas auf die Spitze getrieben, aber es macht Spaß. Und darauf kommt es beim Reisen schließlich an. Auch wenn manche Weltreisende das bestimmt anders sehen.

Auf der Suche nach sich selbst: andere Reiseliteratur

In 50 Wochen um die Welt von Lars Lilienthal
In 50 Wochen um die Welt  (copyright by random house)

Die meisten nehmen das Thema Weltreise natürlich deutlich ernster. So wie die Familie Lilienthal aus Leverkusen, die für ein Jahr eine Auszeit vom Alltagstrott nahm und über diese Entscheidung in ihrem Buch In 50 Tagen um die Welt sinniert.

Die Weltreise, die Vater, Mutter und zwei Kinder, zusammen bestreiten, erscheint hier als „Lösung“, um dem öden, eingefahrenen Alltag zu entkommen, dient sogar dem Zweck „zu den idealen und Erfahrungen unserer Jugend“ zurückzufinden. Was für meinen Geschmack, etwas zu hoch gegriffen ist. So wie das ganze Buch insgesamt, mit seiner aufgebauschten, blumigen Sprache und dem spirituellen Anspruch. Aber das hätte mir bei dem Untertitel Eine Familie unterwegs zu sich selbst wohl von vornherein klar sein müssen. Interessant sind hier eher die praktischen Tipps zum Projekt Familienweltreise, so zum Beispiel wie man ein Kind für ein Jahr von der Schulpflicht befreit. Und auch die Fotos machen definitiv Lust auf Reisen.

Interessant fand ich auch folgende Passage, weil es doch so einfach ist, diese Erkenntnis in den Alltag zu integrieren, statt Projekt um Projekt zu verfolgen.

Wer sich am Morgen keine Sorgen macht und über den Nachmittag und am Nachmittag den Plan für den Abend noch ändert, der wird sich vermutlich sehr frei fühlen. Spontanität ist ein Aspekt von Freiheit, das haben wir auf unserer Reise erfahren. (Lilienthal: In 50 Wochen um die Welt)

So viel zu den Büchern, die ich bisher (eher zufällig) gelesen habe. Auf meiner Liste stehen noch:

Vielleicht hat jemand noch einen Tipp in Sachen guter Reiseliteratur?

Meinen beiden Weltreisenden wünsche ich ein aufregendes Jahr voller spontaner Abenteuer und großer Wow- und Aha-Momente.

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4 Kommentare zu „Weltreisen im Kopf“

  1. Hey Sweety, im Herzen bist du dabei und die Fotos von underen versifftesten Unterkünften werden ab jetzt nur für dich geschossen! Das erste Buch kommt auf meine Liste, wenn ich Murakami durch habe☺️ Her mit weiteren Empfehlungen, ich freu mich drauf! Lg von Bali🙏🏽

    Gefällt 1 Person

  2. Lena … Ich glaube die pinguine lieben die arktis 🙂
    Mein horrorgeschichte so far: Uberall diese eier…beim fruhstuck, mittag und abendessen.jeden tag immer eier essen. Ich kann keine eier mehr sehen. Wahrscheinlich mischen sie heimlich auch mal das ein oder andere ei in meine cocktails. Jemand sollte ein buch daruber schreiben was man alternativ auf reisen fruhstucken kann….ich esse auch gräser wenns sein muss. Morgen steige ich auf pancakes um. Aus erfahrung weiss ich das auch das keine langfristige lösung sein wird. Whatever miss you un monton!

    Gefällt 2 Personen

  3. Hallo Lena!
    Ich muss zugeben, dass ich beides liebe: Reisen und über Reisen lesen (und auch über Reisen schreiben). Ein Buch kann ich dir nur empfehlen, gerade wenn du den Reisen eher skeptisch gegenüber stehst: Als Schisser um die Welt. Schau mal hier wenn du magst, da habe ich einen kleinen Beitrag über das Buch geschrieben: https://weltenbummlereck.wordpress.com/2016/09/20/buchtipp-die-geschichte-von-einem-der-mitmusste/
    Vielleicht gefällt es dir ja!
    LG

    Gefällt 1 Person

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