Master of None – Generation Y wird erwachsen

Man kann über den Begriff der Generation Y streiten oder ihn für kompletten Blödsinn halten, ein Musterexemplar dieser Gattung erkennt man sofort. Der indischstämmige New Yorker Dev in der erfrischend entspannten Comedy-Serie Master of None ist so ein Musterexemplar. Ein Großstädter um die 30, mit einem Smartphone als erweitertes Körperteil und überdurchschnittlich viel Freizeit, die er mit seinen Freunden in Restaurants oder Bars verbringt – auf der Suche nach der großen Liebe und/oder einem anderen Lebenssinn.

Bereits in der allerersten Szene wird diese Digital Natives Spaßkultur auf die Spitze getrieben: Dev ist mit einer Frau im Bett und das Kondom platzt. Sofort holen beide ihre Smartphones raus, um zu googeln, ob eine Pille danach nötig ist. Anschließend bestellt Dev ein Uber, das sie drei Minuten später zur Apotheke bringt. Eine komfortable Situation und eine peinliche noch dazu, wenn man bedenkt, dass die beiden sich erst wenige Stunden vorher in einer Bar kennengelernt haben.

Und so zweischneidig ist es hier oft, das hippe Leben im digitalen Zeitalter. Dating-Apps machen das Daten noch komplizierter, Restaurant-Bewertungen im Internet führen dazu, dass so lange nach dem richtigen Laden gesucht wird, bis dieser geschlossen hat und Skype-Castings in Cafés können schon mal in Erregung öffentlichen Ärgernisses ausarten. Ganz abgesehen davon, dass es angesichts der vielen Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten, unmöglich erscheint, sich auf einen Weg und einen Lebenspartner festzulegen, wie die Eltern oder Großeltern es noch getan haben.

„Ich habe das Gefühl in unserem Alter schließt sich langsam das Fenster für solche Aktionen. Und es schließt sich gar nicht nach und nach. Du guckst nach oben und es ist zu. Ich möchte gern irgendwann noch mal was Verrücktes tun, den Job kündigen, Haarfarbe ändern, nach Tokio ziehen. Aber wahrscheinlich mache ich brav weiter, wache mit einem Kind auf dem Arm auf und werd sagen: Scheiße, das wars.“ (Rachel, Master of None)

Master of None thematisiert die kleinen und großen Fragen einer erwachsen werdenden Generation auf eine herrlich entspannte, sehr witzige Art und Weise.

Von Eltern, Indern und Beziehungen – in New York

Natürlich könnte man jetzt sagen, das Leben von jungen Erwachsenen in New York sei in Serien schon zu genüge behandelt worden: Friends, How I Met Your Mother, Sex and the City, Girls, nicht zu vergessen, all die anderen Serien mit ähnlichen Figurenkonstellationen, die in anderen Städten spielen. Doch Master of None hat voll und ganz seine Berechtigung. Hier gibt es keine komplizierten Handlungstränge, keine allzu konstruierten Gags, die unbedingt einen Lacher brauchen, keine zur Schau gestellten Provokationen oder übertrieben neurotische Charaktere. Stattdessen ein entspanntes Erzähltempo, viel Ironie und leichtfüßigen Humor, der selbst unangenehme Wahrheiten unterhaltsam präsentiert.

Im Mittelpunkt der Serie steht Dev, ein Schauspieler mit indischen Wurzeln, der von Casting zu Casting tingelt und nach einer Rolle sucht, in der er keinen Taxifahrer, IT-Nerd oder Wissenschaftler spielen muss, nur weil er Inder ist. In der Zwischenzeit verdient er sein Geld mit Werbung. Und dieses Geld braucht er dringend, wenn man seine Kleidung, seine Wohnung und seinen Lebensstil betrachtet. Und so folgen wir Dev (herrlich gespielt von Stand-Up-Comedian Aziz Ansari, der gleichzeitig auch Autor und Regisseur ist) durch sein Leben in New York, zu seinen skurrilen Castings und Dates, zu den Bar-Abenden mit seinen Freunden: der schwarzen Lesbe Denise, dem asiatischen Frauenheld Brian und dem leicht durchgeknallten Arnold, dem Quoten-Weißen in der Clique, der für die verrückten Gags zuständig ist.

Es ist interessant zu beobachten, wie Master of None mit den gängigen Konventionen einer solchen „Friends-Serie“ spielt, sie ironisiert und verkehrt.In dieser Serie gibt es keine Minderheiten, weil es keine weiße Mehrheit gibt. Das Thema „Minderheiten“ zieht sich ohnehin wie ein roter Faden durch die Serie und wird in der Folge „Inder im Fernsehen“ auf die Spitze getrieben. Warum müssen Inder im amerikanischen Fernsehen immer einen albernen Akzent haben? Warum können nicht mehrere Inder eine Hauptrolle in einer Serie spielen? Dev kommt nach gründlicher Recherche zu folgendem Schluss:

,,Inder spielen einfach noch nicht in dieser Liga. Wir gehören eher zur Deko, wir sind nicht die, die Hauptrollen spielen, wir vögeln auch nicht die Mädchen und machen sonst nichts Großes. So weit sind wir nicht. Einen kann es geben, aber nicht zwei. Gut, die Schwarzen sind jetzt so weit, da gehen inzwischen auch zwei, aber schon drei wären einer zu viel. Dann hieße es, es wäre eine Schwarzen-Serie oder ein Schwarzen-Film. Inder, Asiaten, Schwule – da kann es nur einen geben, aber nicht zwei.“ (Dev, Master of None)

Eine herrliche Pseudologik und ein gutes Beispiel dafür, warum diese Serie einfach Spaß macht. Jede Episode dreht sich um ein ganz bestimmtes, alltagsnahes Thema: es geht um Kinder und Eltern, Senioren und heiße Ladys, Rassismus und Feminismus, um Zusammenziehen und Zusammenbleiben. Alles witzig und klug verpackt.

Mein persönliches Highlight ist die Folge „Eltern“, in der Dev und Brian sich damit auseinandersetzen, Kinder von Migranteneltern zu sein, die zumindest im Fall von Ansari tatsächlich auch von seinen echten Eltern gespielt werden. Der Vater Shoukath Ansari ist in den USA mit seiner schrulligen Rolle mittlerweile sogar in die Riege der Prominenz aufgestiegen.

ansari_twitter
Quelle: https://twitter.com/azizansari

Master of None gibt es auf Netflix. Die zweite Staffel ist zum Glück schon in Arbeit.

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4 Kommentare zu „Master of None – Generation Y wird erwachsen“

  1. Hi Lena, die Serie werd ich später gleich mal ausprobieren, das hört sich gut an. Ich find das Thema Generation Y so spannend und mich nervt das ständige Bashing ziemlich. Ich hab kürzlich auch einen Artikel über den ganzen Druck „endlich was eigenes zu machen“ geschrieben, den unsere Generation ja schon irgendwo plagt, und wuerde mich über deine Meinung dazu freuen.
    https://annapepperspray.wordpress.com/2016/10/05/einfach-machen/

    Liebe Grüße
    Anna

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