Bridget Jones‘ Baby – Musste das sein?

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Manche Filme sind wie gute Freunde. Wenn man sie braucht, geben sie einem ein warmes, heimeliges Gefühl und machen die Welt damit ein bisschen schöner. So ein Film ist für mich Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück. Der Moment, in dem Bridget zum ersten Mal auf Mark Darcy im Rentier-Pulli trifft, ist für mich so feierlich, dass ich ihn mir jedes Jahr aufs Neue zu den Feiertagen ansehen kann. Umso mehr ärgert es mich, wenn der gute, alte Freund zur Cashcow gemacht wird. Anders kann ich mir die Fortsetzung von Bridget Jones leider nicht erklären, so uninspiriert kommt dieser Film daher.

Worum es geht

Bridget Jones (Renée Zellweger) wird 43 und befindet sich noch immer in derselben Situation wie vor über einem Jahrzehnt: Single und unglücklich. Zwar hat sie einen tollen Job, aber was nützt der, wenn alle um sie herum Kinder bekommen und Ex Mark Darcy inzwischen verheiratet ist. Um ihrem vermeintlichem Alte-Jungfer-Status zumindest vorübergehend ein Ende zu setzen, lässt sie es an ihrem Geburtstag auf einem Festival krachen. Das Ergebnis: ein One-Night-Stand mit Folgen. Bridget ist schwanger. Aber ist wirklich der attraktive Jack (Patrick Dempsey) der Vater oder ist es doch Mark Darcy (Colin Firth), mit dem es zwischendurch dann doch nochmal zu einem Rückfall kommt? Als geübter Zuschauer von 08/15 Romanzen kann man die Antwort schnell erahnen, hofft aber doch noch überrascht zu werden. Die Männer jedenfalls lassen sich zunächst darauf ein, im Ungewissen zu tappen und Bridget gemeinsam durch die Schwangerschaft zu begleiten.

Worum es hätte gehen sollen

Die Überraschung bleibt aus. Am Ende gibt es das große Happy End, so unrealistisch und vorhersehbar, dass man nicht einmal mehr darüber schmunzeln kann, obwohl es eigentlich ein schöner Moment hätte sein können. Und das ist das Problem an diesem Film. Er bietet absolut nichts Neues. Was sollte das also?

Darüber, dass die Hauptdarsteller mittlerweile in die Jahre gekommen sind und wie fehlbesetzt wirken, darüber könnte ich noch hinwegsehen. Auch dass Zellweger die Mimik abhanden gekommen ist, nehme ich noch hin. Aber dass hier dieselbe Geschichte nun zum dritten Mal erzählt wird, das ärgert mich: Bridget Jones plus zwei Männer, gleich Happy End. Eine Entwicklung ihres Charakters findet nicht statt. Und das obwohl die Buchvorlage das durchaus hergibt.

Bridget Jones - Verrueckt nach ihm von Helen Fielding
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Romanautorin Helen Fielding legte 2014 mit Bridget Jones: Verrückt nach ihm den dritten Bridget Jones Roman nach und schockte damit die Fans: In diesem Roman (Achtung Spoiler) ist Mark Darcy verstorben. Bridget Jones ist (mit über 50 Jahren) Witwe und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Das hört sich zunächst so gar nicht amüsant an, vor allem nicht für die Mr. Darcy Fans. Das Erstaunliche ist aber: das ist es doch. Ich fühlte mich von dem Roman jedenfalls genauso gut unterhalten wie von seinen Vorgängern. Denn obwohl das Schicksal es mit Bridget Jones nicht gut gemeint hat, ist sie doch immer noch diese komische, liebenswerte Person, die kein Fettnäpfchen auslässt und dabei so herrlich zu ihren Fehlern steht. Es macht einfach Spaß, sie dabei zu begleiten, wie sie sich wieder aufrappelt, wie sie das Leben mit zwei Kindern meistert, sich mit überengagierten Eltern herumplagt und dabei Twitter und die Dating-Welt neu für sich entdeckt. Der Roman spielt nach dem Happy End und hätte für den Film ein Vorbild sein sollen. Doch außer ein paar lahm umgesetzten Witzen findet sich nichts von dem Buch im Film wieder, und das obwohl Helen Fielding am Drehbuch beteiligt war.

Vielleicht hielten die Filmemacher den Stoff für zu schwer für eine leichte, romantische Komödie. Wahrscheinlich fehlte ihnen aber auch einfach der Mut, die Geschichte außerhalb der vorgerfertigten Schablone zu erzählen. Denn was wäre Bridget Jones schließlich ohne ihren Mr. Darcy. Und so wird nicht nur akribisch nach bekanntem Schema verfahren, es wird auch immer noch eine Schippe draufgelegt. Alles erscheint schriller und slapstickhafter – Bridget, ihre Eltern, die Dreiecksbeziehung, die bei jeder noch so unbedeutenden Szene mit pompöser Popmusik hinterlegt wird. Ganz zu schweigen davon, dass das Ende nicht nur unspannend, sondern auch unter emanzipatorischen Gesichtspunkten eine Katastrophe ist. Eine bequeme, mutlose Fassung nach Schema F.

Einzig die erste Szene, wenn All by myself in Jump around umschlägt, fand ich sehr gelungen. Mit zunhemendem Alter steigt eben die Fähigkeit, die Dinge einfach so zu nehmen, wie sie kommen und das beste daraus zu machen. So ging es mir auch mit diesem Film, der im Rahmen eines Mädelsabends dann doch ganz erträglich war und auch ein paar Lacher bereit hielt. Er ist nur leider überhaupt keine würdige Fortsetzung.

 

 

 

 

 

 

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