Eine Oktober Retrospektive

Während die Tage im Oktober kürzer und dunkler wurden, fochten wir zu Hause einen permanenten Kampf gegen hartnäckige Kita-Viren aus. Am Ende des Tages brauchte ich zum Ausgleich etwas Leichtes und Aufmunterndes.

Serien

Das fand ich diesen Monat vor allem in Freaks and Geeks (dt. Voll daneben, voll im Leben). Eine herrliche High-School-Serie, produziert von Judd Apatow, die 2000 nach nur einer Staffel eingestellt wurde und aus heutiger Sicht vor allem wegen ihres erfolgreichen Casts (u. a. James Franco, Seth Rogen, Jason Segel) interessant ist. Aber auch darüber hinaus bietet sie jede Menge Sehenswertes: liebenswerte Charaktere, Stereotype, die aufs Korn genommen werden und jede Menge Apatow typischen Humor, auch wenn die Serie recht konventionell daherkommt und ihr Niveau leider nicht über die gesamte Staffel halten kann.

Die zweite Serie, die mich munter durch den Oktober gebracht hat, war Easy. Die von Netflix produzierte Anthalogie-Serie von Joe Swanberg erzählt in acht Episoden acht verschiedene Geschichten von Menschen in Chicago. Es dreht sich um Sex, alte und neue Beziehungen und die generelle Wahl eines Lebenswegs im digitalisierten, individualisierten Zeitalter. Die Serie hat ein bisschen was von Girls, ein bisschen was von Master of None und anderen Serien dieses Typs, die Barbara Schweizerhof in einem Zeit-Artikel als Gegenentwurf zur untergegangenen romantischen Komödie bezeichnet. Nicht alle Folgen sind durchweg spannend. Die eine oder andere Geschichte hätte sicherlich mehr Potenzial. Aber die Serie ist top besetzt und weiß zu überraschen. So zum Beispiel in der Folge, in der Orlando Bloom und Malin Akerman sich auf einen Dreier mit dem Babysitter einlassen.

Bücher

Nachdem ich zu Beginn des Monats Galkinas Das kalte Licht der fernen Sterne und Hermanns Aller Liebe Anfang regelrecht aufgesogen habe, habe ich mir mit den nächsten Büchern Zeit gelassen. Und so lese ich immer noch Maxim Billers Bernsteintage und merke dabei, dass Kurzgeschichten einfach nicht meins sind. Immer wenn ich mich gerade in eine Geschichte vertieft habe, ist sie auch schon zu Ende.

taschens_100_filmklassikerBei Gelegenheit blättere ich im zweiten Band von TASCHENs 100 Filmklassiker, einer netten, reich bebilderten Zusammenstellung von filmischen Meisterwerken von 1960 bis 2000, in der ich mir ein paar Inspirationen für noch nicht gesehene Klassiker hole.

Und ich begab mich getreu dem Motto Weltreisen im Kopf wieder auf eine imaginäre Reise. Diesmal in einem mehr oder weniger selbst gebautem Bus mit einer vier- bis fünfköpfigen Familie mit Hund quer durch den Iran, durch Turkmenistan, Kirgistan, Russland, die Mongolei, Kanada, USA und Mexiko.

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copyright by piper

In Weltenbummler (2014) erzählt Heike Preschel in amüsanten Episoden davon, wie sie mit Mann, Hund und zwei Kleinkindern dreißig Monate lang in einem Bus die Welt bereist hat. Es ist keine große Literatur, aber doch faszinierend und bewundernswert, was Menschen für ein Abenteuer zu wagen bereit sind, vor allem in Gegenden, die nicht zu den 08/15 Reisezielen gehören. Und die schönen Fotos sorgen einmal mehr für Fernweh. Aktuell sind die Praschels wieder auf Tour, diesmal in einem Schulbus durch Alaska.

 Filme

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Bild-Quelle

Inspiriert von dem Filmklassiker-Schmöker habe ich es letzten Monat dann tatsächlich geschafft, mir einen einzigen Klassiker anzusehen: Manhattan (1979) von Woody Allen. Ich fand diesen Film einfach zauberhaft und Woody Allen in seiner Rolle überraschend charismatisch und komisch. Ich kannte bisher nur seine neueren Filme und habe mich angesichts der privaten Geschichten, die man über ihn hört, immer gefragt, wie dieser Mann einen solchen Kultstatus erlangen konnte. Jetzt verstehe ich es. Obwohl mich seine Selbstherrlichkeit, die zu einem recht absurden Ende dieses Films geführt hat, einmal mehr gestört hat.

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copyright by central film

Mit Wish I was here (2014) von und mit Zach Braff wollte ich mir an einem Freitagabend mal etwas Herzerwärmendes gönnen. Als Fan von Garden State wurden meine Erwartungen allerdings enttäuscht. Der Film um einen arbeitslosen Schauspieler, der seine Kinder zu Hause unterrichten will, meint es gut, gleitet aber leider sehr schnell in Kitsch ab. Was man Zach Braff aber immer wieder lassen muss, sind die hervorragende Musikauswahl und die beeindruckenden, epischen Standbilder.

Der beste Film, den ich im Oktober gesehen habe, war The Big Short – am Halloween-Wochenende nebenbei bemerkt, weil ich mich an Horrorfilme einfach nicht mehr herantraue (obwohl auch The Big Short durchaus erschreckend ist).

Bridget Jones‘ Baby, meine einzige Kino-Erfahrung diesen Monat, war dagegen ein Flop, was mich allerdings nicht völlig überraschend getroffen hat.

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9 Kommentare zu „Eine Oktober Retrospektive“

  1. Irgendwie bin ich mir nicht sicher, ob ich mir Easy ansehen soll…Die Kritiken waren zwar nicht so berauschend, aber irgendwie reizt sie mich schon
    Und wenn dich weitere Bücher über Filme interessieren sollten, kann ich auch „Kompakt & Visuell Film“ und das gerade erschiene „Das Film Buch“ empfehlen 🙂

    Gefällt 1 Person

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