Über die Besinnlichkeit: Gesehen im Dezember

sleepless-in-seattle-sleepless-in-seattle-2974740
Quelle: fanpop.com

Weihnachten ist vorbei und damit auch die Zeit im Jahr, die explizit für Familie und „Besinnlichkeit“ reserviert ist. 3 Tage, in die all das passen soll, wofür im restlichen Jahr kaum Zeit bleibt. Warum eigentlich, fragte ich mich, nachdem wir in einem Besuchermarathon all unsere Verwandtschaft abgeklappert hatten, verteilen wir solche Familientreffen nicht besser auf das ganze Jahr? Und warum eigentlich können wir nicht das ganze Jahr über einfach mal besinnlich sein?

Besinnlichkeit ist eine stimmungsvolle Zeit, in der Menschen zum Nachdenken und Innehalten kommen.

So sagt es das Lexikon und schlägt Synonyme wie Gelassenheit, Ausgeglichenheit, Bedachtsamkeit, Muße und sogar Coolness vor. Leitlinien, an denen man sich durchaus mal orientieren kann, wie ich finde. Und so habe ich den ganzen Monat lang versucht, Besinnlichkeit zu üben, was mal mehr und mal weniger gut geklappt hat (klammerndes Kleinkind und wiederkehrende grippale Infekte können der Besinnlichkeit schon mal einen Abbruch tun).

Hauptsächlich ging es mir dabei darum, mal eine Pause vom ständigen Müssen zu machen, das sich mittlerweile auch in den Freizeitbereich eingeschlichen hat. Das Bloggen hier macht mir großen Spaß und ich wundere mich, dass ich nicht schon viel früher damit angefangen habe, aber auch das ist mit einem gewissen Ehrgeiz verbunden. Hat man ein gutes Buch gelesen oder einen guten Film gesehen, glaubt man der Vollständigkeit halber darüber schreiben zu müssen. Ähnlich verhält es sich mit Netflix und anderen Streamingdiensten – eine Bereicherung ohne Frage – aber auch ein großer Zeitfresser (wie oft klickt man sich durch das riesige Angebot, ohne am Ende tatsächlich etwas zu gucken?). Von Facebook & Co. ganz zu schweigen. Ich habe mir letzen Monat also vorgenommen, mich von den Technologien in meinem Leben nicht mehr unter Druck setzen zu lassen. Back to the roots – in meinem Fall zu den Büchern oder wenn zu Film und Serien, dann doch erstmal zu heißgeliebten Wiederholungen. Mehr Wertschätzung und weniger Masse. Schließlich sind es die Filme und Serien, die wir immer wieder gerne sehen, die uns am meisten geben. Weiterlesen „Über die Besinnlichkeit: Gesehen im Dezember“

Julia Franck: Rücken an Rücken

julia-franck-ruecken-an-rueckenEs muss schwer sein, die Autorin eines internationalen Bestsellers und Trägerin des Deutschen Buchpreises zu sein. Wie soll man einem solchen Erfolg in zukünftigen Arbeiten gerecht werden? Ich jedenfalls konnte nicht umhin, große Erwartungen an Julia Francks Rücken an Rücken (2011) zu haben, dem Nachfolger von Die Mittagsfrau (2007), einem Buch, das wohl nicht nur mich begeistert hat.

Natürlich sind solch hohe Erwartungen oder gar Vergleiche der beiden Romane miteinander unfair, aber Julia Franck scheint es förmlich darauf anzulegen. Auch Rücken an Rücken ist ein Roman, der das Leben eines inniges Geschwisterpaares zum Thema hat und sich dabei mit deutscher Geschichte auseinandersetzt – nach der NS-Zeit nun die DDR kurz vor dem Mauerbau. Auch in Rücken an Rücken machen wir die Bekanntschaft mit einer Mutter, die Gefühle nicht gelten lässt und ihre Kinder mit eisiger Strenge erzieht. Im Vergleich zur Mittagsfrau ist das Erzähltempo hier jedoch deutlich langsamer. Mehr als die äußere Handlung steht hier die innere Entwicklung der Protagonisten im Fokus, ihre Anpassung an die vorherrschenden Verhältnisse in Ost-Deutschland, die sich Anfang der 60er Jahre wie eine Schlinge um den Hals eines jeden freiheitsliebenden Menschen legen.

Wer ständig Freiheit will, wird nur unglücklich; sie wird nie dort sein, wo du bist. (Julia Franck: Rücken an Rücken)

Weiterlesen „Julia Franck: Rücken an Rücken“

Thomas Hettche: Nox – der etwas andere Wenderoman

thomas_hettche_noxWas für ein kranker Scheiß?! So oder so ähnlich könnte die erste Reaktion auf Thomas Hettches Roman Nox (1995) ausfallen. Da ist eine junge Frau, die in der Nacht des Mauerfalls einen Mord begeht und anschließend namenlos und desorientiert durch Berlin irrt und von einer obszönen Situation in die nächste stolpert. Da ist das Mordopfer, ein Schriftsteller und wohl nicht ganz zufällig der Erzähler des Romans, der, während er seine eigene Verwesung kommentiert, seiner Mörderin fasziniert durch die Stadt folgt und sie bei obskuren Orgien beobachtet. Da ist ein Professor mit einer perversen Obsession für das Pathologische und ein bemitleidenswerter Mauerhund, der am Ende als sprechender Erlöser auftritt. Auf den ersten Blick alles irgendwie schräg. Auf den zweiten aber durchaus interessant, denn alles Verstörende was hier geschieht, geschieht parallel zur Maueröffnung, so dass Berlin hier sehr plastisch als geschundene, vergewaltigte Frau auftritt. Weiterlesen „Thomas Hettche: Nox – der etwas andere Wenderoman“

Gesehen und gelesen im November

black-mirror-season-3-poster

Es scheint kein Zufall zu sein, dass ich ausgerechnet im November auf die Serie Black Mirror gestoßen bin, fühlt es sich seit dem 8. November doch so an, als könnte die Realität genauso gut eine Folge daraus sein. Donald Trump als Präsident und mächtigster Mann der Welt?! Da erscheint es mir doch weniger absurd, dass der englische Premierminister mit einem Schwein kopulieren muss. Es gibt mit Sicherheit viel, was wir von dieser originellen Anthologie-Serie, die die Technologisierung der Gesellschaft auf die Spitze treibt, lernen können, aber da ich noch mittendrin bin, möchte ich im Moment auch nicht mehr darüber sagen. Außer, dass sie bisher sehr sehenswert ist. Außerdem habe ich letzen Monat reingeguckt in: Weiterlesen „Gesehen und gelesen im November“

Die 5 BESTEN am DONNERSTAG #22: Filme zu Weihnachten

Mit einer dicken Erkältung im Bett, kommt mir dieses kuschelige Thema wie gerufen. In Goranas Die 5 BESTEN am DONNERSTAG geht es diese Woche um die Filme, die wir immer wieder gern in der Weihnachtszeit sehen. Ich habe da sehr viele in petto, weil Filme und Weihnachten für mich untrennbar miteinander verbunden sind. Wie soll man diese düstere Jahreszeit sonst überstehen, wenn nicht mit ein bisschen Kitsch und vielen schönen Filmen (und Büchern)? Deswegen halte ich es da ganz einfach: Weiterlesen „Die 5 BESTEN am DONNERSTAG #22: Filme zu Weihnachten“