Julia Franck: Rücken an Rücken

buchcover zu julia francks ruecken an ruecken
(c) S. Fischer

Es muss schwer sein, die Autorin eines internationalen Bestsellers und Trägerin des Deutschen Buchpreises zu sein. Wie soll man einem solchen Erfolg in zukünftigen Arbeiten gerecht werden? Ich jedenfalls konnte nicht umhin, große Erwartungen an Julia Francks Rücken an Rücken (2011) zu haben, dem Nachfolger von Die Mittagsfrau (2007), einem Buch, das wohl nicht nur mich begeistert hat.

Natürlich sind solch hohe Erwartungen oder gar Vergleiche der beiden Romane miteinander unfair, aber Julia Franck scheint es förmlich darauf anzulegen. Auch Rücken an Rücken ist ein Roman, der das Leben eines inniges Geschwisterpaares zum Thema hat und sich dabei mit deutscher Geschichte auseinandersetzt – nach der NS-Zeit nun die DDR kurz vor dem Mauerbau. Auch in Rücken an Rücken machen wir die Bekanntschaft mit einer Mutter, die Gefühle nicht gelten lässt und ihre Kinder mit eisiger Strenge erzieht. Im Vergleich zur Mittagsfrau ist das Erzähltempo hier jedoch deutlich langsamer. Mehr als die äußere Handlung steht hier die innere Entwicklung der Protagonisten im Fokus, ihre Anpassung an die vorherrschenden Verhältnisse in Ost-Deutschland, die sich Anfang der 60er Jahre wie eine Schlinge um den Hals eines jeden freiheitsliebenden Menschen legen.

Wer ständig Freiheit will, wird nur unglücklich; sie wird nie dort sein, wo du bist. (Julia Franck: Rücken an Rücken)

Weiterlesen „Julia Franck: Rücken an Rücken“

Thomas Hettche: Nox – der etwas andere Wenderoman

buchcover zu thomas hettches nox
(c) List

Was für ein kranker Scheiß?! So oder so ähnlich könnte die erste Reaktion auf Thomas Hettches Roman Nox (1995) ausfallen. Da ist eine junge Frau, die in der Nacht des Mauerfalls einen Mord begeht und anschließend namenlos und desorientiert durch Berlin irrt und von einer obszönen Situation in die nächste stolpert. Da ist das Mordopfer, ein Schriftsteller und wohl nicht ganz zufällig der Erzähler des Romans, der, während er seine eigene Verwesung kommentiert, seiner Mörderin fasziniert durch die Stadt folgt und sie bei obskuren Orgien beobachtet. Da ist ein Professor mit einer perversen Obsession für das Pathologische und ein bemitleidenswerter Mauerhund, der am Ende als sprechender Erlöser auftritt. Auf den ersten Blick alles irgendwie schräg. Auf den zweiten aber durchaus interessant, denn alles Verstörende was hier geschieht, geschieht parallel zur Maueröffnung, so dass Berlin hier sehr plastisch als geschundene, vergewaltigte Frau auftritt.

Weiterlesen „Thomas Hettche: Nox – der etwas andere Wenderoman“

Die 5 BESTEN am DONNERSTAG #22: Filme zu Weihnachten

Mit einer dicken Erkältung im Bett, kommt mir dieses kuschelige Thema wie gerufen. In Goranas Die 5 BESTEN am DONNERSTAG geht es diese Woche um die Filme, die wir immer wieder gern in der Weihnachtszeit sehen. Ich habe da sehr viele in petto, weil Filme und Weihnachten für mich untrennbar miteinander verbunden sind. Wie soll man diese düstere Jahreszeit sonst überstehen, wenn nicht mit ein bisschen Kitsch und vielen schönen Filmen (und Büchern)? Deswegen halte ich es da ganz einfach: Weiterlesen „Die 5 BESTEN am DONNERSTAG #22: Filme zu Weihnachten“