Gesehen und gelesen im November

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Es scheint kein Zufall zu sein, dass ich ausgerechnet im November auf die Serie Black Mirror gestoßen bin, fühlt es sich seit dem 8. November doch so an, als könnte die Realität genauso gut eine Folge daraus sein. Donald Trump als Präsident und mächtigster Mann der Welt?! Da erscheint es mir doch weniger absurd, dass der englische Premierminister mit einem Schwein kopulieren muss. Es gibt mit Sicherheit viel, was wir von dieser originellen Anthologie-Serie, die die Technologisierung der Gesellschaft auf die Spitze treibt, lernen können, aber da ich noch mittendrin bin, möchte ich im Moment auch nicht mehr darüber sagen. Außer, dass sie bisher sehr sehenswert ist. Außerdem habe ich letzen Monat reingeguckt in:

Serien

The Crown (2016): Der pompöse Trailer auf Netflix hatte mich, zumal ich zugegebenermaßen eine kleine Schwäche für die britischen Royals habe. Doch die ersten zwei Folgen konnten mich nicht fesseln. Eine Hochglanz-Serie, die ohne Frage schön inszeniert ist, doch auf mich etwas blutleer wirkt. Die Schauspieler, die Elisabeth und Philip spielen, sind nicht gerade überzeugend. Es ist schwer vorstellbar, dass eine junge Frau, die ihr Leben lang darauf vorbereitet wurde, die zukünftige Königin zu werden, so treudoof aus der Wäsche guckt, wenn es dann tatsächlich eintritt. Auch Philip wirkt wie ein Bauerntölpel, der überrascht ist, dass er nicht einfach so weiterleben kann wie bisher. Mit der Queen, wie wir sie kennen, hat das wenig zu tun. Vielleicht war ich aber auch einfach gerade nicht in der Stimmung für Affären und politische Mauscheleien am Königshaus. Winston Churchill wirkt immerhin sehr überzeugend.

Gilmore Girls: A Year in the Life (2016): Ende November war es endlich soweit. Die langersehnte Fortsetzung der Gilmore Girls war auf Netflix verfügbar und brachte einen freien Tag voller Cocktails und gemischter Gefühle mit sich.

Filme

Ein Highlight diesen Monat war für mich der Klassiker Die Reifeprüfung, den ich zum ersten Mal gesehen habe. Außerdem Interstellar (2014), den ich beim zweiten Mal noch interessanter fand, obwohl ich das Ende immer noch nicht so richtig begriffen habe (wo befinden sich die Menschen am Ende des Films noch genau?). Außerdem noch, ähnlich kompliziert:

Predestination (2014): Ein Sci-Fiction-Thriller über einen Agenten (Ethan Hawke), der durch die Zeit reist und versucht den sogenannten Fizzle-Bomber ausfindig zu machen, bevor dieser seinen Anschlag verüben kann. So simpel wie die Story auf den ersten Blick klingt, ist sie aber keineswegs. Tatsächlich habe ich selten einen Film mit einer solch absurden Handlung bzw. Auflösung gesehen. Aber wie das bei Zeitreisefilmen meistens der Fall ist: am Ende liefern sie sehr viel Gesprächsstoff und Klärungsbedarf, nicht zuletzt wegen der vielen Logiklöcher (Wo liegt der Beginn?). Deswegen sollte man diesen Film wohl auf keinen Fall alleine sehen.

 Bücher

Der November war geprägt von Besuchern und Besuchen und der Tatsache, dass man gegen hartnäckige Kita-Viren einfach nicht gewinnen kann. Wenn man die vielen Bilderbücher nicht mitzählt, die meine Tochter sich am liebsten in Dauerschleife vorlesen lässt, habe ich im November leider nur wenig Zeit zum Lesen gefunden. Was ich gelesen habe, war aber sehr gut.

Lionel Shrivers  Wir müssen über Kevin reden hat mich sehr mitgenommen. Die Verfilmung We need to talk about Kevin (2011) fand ich ich leider weniger überzeugend.

maxim-biller-bernsteintageMit Maxim Billers Bernsteintage (2004) habe ich sechs meisterlich geschriebene Kurzgeschichten gelesen. Wobei ich zugeben muss, dass ich sie handwerklich zwar großartig fand, sie mir aber einfach nicht nahe gegangen sind. Im Klappentext heißt es:

„In einer ungewöhnlich fesselnden Sprache, in Bildern von filmischer Intensität zeigt Maxim Biller, wie das Spiel von Vergessen und Hoffen funktioniert – und warum Kindheit und Jugend das Schönste ist, was ein Mensch erleben kann.“

Bilder von filmischer Intensität sind es tatsächlich und ich bewundere Autoren, die es innerhalb weniger Seiten schaffen, komplexe Charaktere lebendig werden zu lassen. Aber warum Kindheit und Jugend das Schönste ist, was ein Mensch erleben kann? Das finde ich in den Geschichten nicht wieder. Ja, eine Melancholie, eine Sehnsucht nach einem vergangenen Zustand ist spürbar, aber diese Sehnsucht hat im Grunde immer etwas mit einem politisch verursachtem Zustand zu tun. In allen Geschichten arbeiten die Protagonisten in direkter oder indirekter Form ihre politisch geprägte Vergangenheit auf; vom kleinen David, der mit seinen Eltern zwangsweise emigrieren muss bis zum depressiven Familienvater, der wegen einem Anschlag seine erste Familie verlor und seine zweite nun kaum erträgt. Als Leser wird man mitten hineingeworfen in diese unbekannte Vergangenheit, die außerdem noch viele Referenzen zum Judentum aufweist. Das macht es schwierig, die Geschichten wirklich zu durchdringen und sie bleiben vage.

Ich kannte Maxim Biller bisher nur aus dem Feuilleton und dort war er mir nicht unbedingt sympathisch. Seine Erzählungen, zumindest Bernsteintage sprechen aber eine ganz andere, zurückgenommene, viel ruhigere Sprache.

Ich war so traurig wie lange nicht mehr, und diese Traurigkeit hatte nichts mit Henry zu tun. Ich fand das Leben plötzlich so schrecklich sinnlos, aber auch schön. (Maxim Biller: Bernsteintage)

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