Goodbye, Barry!

barry-netflixDie Tage von Obamas Präsidentschaft sind gezählt und angesichts seines Nachfolgers stellt sich bei mir schon jetzt eine große Wehmut ein. Dieses Gefühl hat mich wohl dazu bewogen, mir Barry (2016) anzusehen. Ein von Netflix produziertes Biopic, das Obamas Studienzeit in New York zum Thema hat.

Obama als Dichter und Denker

New York City, 1981. Barack Obama (Devon Terrell), von allen nur Barry genannt, ist ein verträumter Student, der seine Zeit mit Schreiben, Lesen und Basketballspielen zubringt und auch gerne mal einen Joint durchzieht. Noch weit entfernt von einer politischen Karriere, philosophiert er schon jetzt leidenschaftlich über demokratische Werte und die soziale Verantwortung des Staates.

Privat hadert der zukünftige Präsident damit, seinen Vater nie richtig kennengelernt zu haben. Als Sohn eines Kenianers und einer Weißen kommt zudem die Identitätsproblematik hinzu. Weder zu den Schwarzen noch zu den Weißen fühlt der junge Obama sich wirklich zugehörig. Der Film spielt diesen Identitätskonflikt sehr eindringlich an Obamas Beziehung mit einer weißen Mitstudentin durch. Barrys Suche „nach dem richtigen Weg“ ist am Ende des Films noch lange nicht abgeschlossen, aber sie endet versöhnlich. Er erkennt, dass es ein amerikanisches Privileg ist, sich nicht für eine Seite seiner Identität entscheiden zu müssen.

Hoch lebe der Demokrat

Barry ist ein netter, leiser Film über einen besonderen jungen Mann, der seinen Platz in dieser Welt sucht. Dabei besteht kein Zweifel, für welche Werte der Film auf nicht allzu subtile Weise Partei ergreift: für Multikulturalität, Toleranz, soziale Gerechtigkeit, die Freiheit des Geistes und der Kunst, gegen Rassismus, Geldgier, Vorurteile und trichtersaufende, beschränkte Republikaner.

Gerade weil hier so deutlich Partei ergriffen wird und weil die Besonderheit des Menschen Obama, der wie der geborene Demokrat daher kommt, herausgestellt wird, stimmte mich dieser Film noch wehmütiger als ohnehin schon. Ja, Obama ist – gemessen an seiner Biografie – eine bemerkenswerte Persönlichkeit und ja, die Werte für die er steht, sind großartig und wünschenswert. Aber gerade jetzt in diesem Moment werden sie aus dem Fenster geschmissen.

Nichtsdestotrotz macht Barry Spaß. Wo hat man sonst schon mal die Gelegenheit, einen zukünftigen Präsidenten beim Rauchen und Flirten, in Discos und auf Ghetto Partys zu erleben. Hinzu kommt eine wirklich gute Besetzung. Devon Terrell verkörpert den jungen Obama so hervorragend, dass man in seiner Mimik tatsächlich Züge des Präsidenten erkennt. Und auch die Nebenrollen sind sympathisch besetzt. Ellar Coltrane (der Junge aus Boyhood) spielt seinen verklemmten Mitbewohner und Ashley Judd (endlich mal wieder eine Frau mit Falten) spielt tatsächlich Obamas Mutter.

PS: Obama ist auch noch ein Mann, der gerne liest.

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