And the Oscar goes to…: Filme im Februar

Spätestens als der von Alter und Krankheit gezeichnete Michael J. Fox aus seinem DeLorean stieg, um zusammen mit Seth Rogen (in Nike-Powerlatschen) einen Preis zu präsentieren, wusste ich, warum ich mich von diesem Spektakel jedes Jahr aufs Neue einfangen lasse. Die Oscars mögen zu weiß sein, zu selbstverliebt, zu eintönig, zu mainstreamig – am Ende feiern sie doch immer auch die Kinoliebe. Dieses Jahr fühlte ich mich besonders gut unterhalten. Vielleicht weil die Academy sich angesichts des amtierenden US-Präsidenten besondere Mühe gab, vielfältig und politisch korrekt zu sein (einzig Matt Damon hatte einen schweren Stand). Vielleicht auch, weil ich es tatsächlich geschafft habe, einige der Filme im Vorfeld zu sehen.

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Urlaubslektüre: Portugal

Es waren einmal ein Amerikaner und seine Frau. Er war Arzt, sie Büchernärrin. Eines Tages machten sie Urlaub in der Algarve und verliebten sich in das portugiesische Hafenstädtchen Tavira. Prompt kauften sie sich hier ein altes, steinernes Bauernhaus auf einem Hügel, von dem sie jeden Tag auf die Orangenbäume ins Tal hinabblicken konnten. 20 Jahre lebten sie hier zusammen mit ihren Kindern. Sie eröffnete einen Buchladen, er pendelte alle zwei Wochen in die Staaten, um seinen Beruf auszuüben. Irgendwann hatten sie genug. Heute leben sie wieder in den USA und sind geschieden. Wäre diese Geschichte nicht passiert, hätten wir unsere Winterferien vermutlich nicht in diesem schönen Haus verbracht, das noch ganz voll ist von dieser Familiengeschichte – und einer Unmenge an Büchern.

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Aljoscha Brell: Kress – Literaturstudent auf Abwegen

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(c) ullstein

Selten hat man das Vergnügen, zufällig das Erstlingswerk eines Autors zu lesen, den man persönlich kennengelernt hat (wenn auch nur flüchtig als Kollegen). Automatisch sucht man im Roman nach verräterischen Indizien, die Aufschluss über die Person des Autors geben. Ein gutes Zeichen ist es wiederum, wenn man den Autor schon nach wenigen Seiten vergisst, weil der Roman einfach für sich selbst spricht. Kress (2015)  – benannt nach seinem Protagonisten – ist komisch und tragisch zugleich, ein spannender (Berlin-)Roman mit hohem Identifikationswert, nicht nur für Neuköllner und (ehemalige) Literaturstudenten der FU.

Worum es geht

Auf den ersten Blick ist Literaturstudent Kress ein wandelndes Klischee. Ein Streber, wie man ihn in philologischen Studiengängen häufiger antrifft: unglaublich belesen und von sich selbst überzeugt, dafür aber eher ungesellig und weltfremd. Ein auf Goethe spezialisierter Nerd, der sich für nichts anderes interessiert als für seine akademische Laufbahn. Nur dafür verlässt er seine heruntergekommene Altbauwohnung in Neukölln und fährt an die Uni in Dahlem, wo er in jedem Seminar zu jeder Frage die absolut korrekte Antwort parat hat.

Auf den zweiten Blick haftet Kress‘ pedantischer Korrektheit etwas manisches, soziopathisches an. Sein ganzes Sein richtet sich auf den verklärten Traum, eines Tages ein angesehener Goetheforscher zu werden. Andere Menschen lehnt er genauso vehement ab wie die Realität im Allgemeinen. Sein einziger Freund ist eine Taube, seine Arbeiten schreibt er immer noch an der Schreibmaschine. In sieben Jahren Berlin hat er es nicht geschafft, seine Umzugskartons auszupacken. Kress ist ein Misanthrop, der eisern das Image des intelektuellen, Cordjackett tragenden Überstudenten hochhält und dabei voller Verachtung auf seine Mitmenschen herabblickt, dieses ,,banale, lächerliche, mittelmäßige, geist- und sendungslose Pack“, das ihn mit seinem Small Talk belästigt.

Kress hatte das Gefühl, vom bloßen Zuhören dümmer zu werden. Ein Leuchtturm war er, einsam Wacht haltend auf dem Felsen der Exzellenz. Dagegen brandete die Gischt der Banalität.

Erst als er sich in eine Mitstudentin verliebt und seine Zukunft plötzlich nicht mehr so klar vor ihm liegt, gerät sein überzogenes Selbstbild ins Wanken. Die Fassade vom distanzierten Beobachter, der bewusst die Einsamkeit wählt, zerschellt an der Unfähigkeit, sozialen Anschluss zu finden. Das Gefühl der Überlegenheit zerbricht an der Unfähigkeit, die Frau seines Herzens für sich zu gewinnen. Was amüsant beginnt – der Clash zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung – wird mit fortschreitender Handlung zunehmend beklemmender. Denn bald wird klar, dass Kress ernsthafte Probleme hat. Ohne ein Gefühl für richtig oder falsch, versinkt er in einem Strudel wahnhafter Obsessionen. Weiterlesen „Aljoscha Brell: Kress – Literaturstudent auf Abwegen“

Mein Januar in Filmen

Wenn der Januar überstanden ist, sind es nur noch vier Wochen, die uns vom Frühlingserwachen trennen. Deshalb weine ich diesem Monat nicht hinterher, zumal er sehr arbeitsreich und voller kleiner lebensverändernder Ereignisse war. Dementsprechend wenig Zeit und Muße fand ich zum Lesen (Alles über Sally), was sich in den folgenden Wochen (Portugal, ahoi) hoffentlich ändern wird. Was mich im Januar jedoch immer wieder aus meinem kleinen Neujahrsblues holt, sind Filme. Denn es ist der Beginn der Award Season und das spornt schon mal grundsätzlich zum Filmegucken an. Diesen Monat waren wahre Perlen dabei, die selbstverständlich zu Recht auf den Oscar hoffen dürfen. Weiterlesen „Mein Januar in Filmen“