Mein Januar in Filmen

Wenn der Januar überstanden ist, sind es nur noch vier Wochen, die uns vom Frühlingserwachen trennen. Deshalb weine ich diesem Monat nicht hinterher, zumal er sehr arbeitsreich und voller kleiner lebensverändernder Ereignisse war. Dementsprechend wenig Zeit und Muße fand ich zum Lesen (Alles über Sally), was sich in den folgenden Wochen (Portugal, ahoi) hoffentlich ändern wird. Was mich im Januar jedoch immer wieder aus meinem kleinen Neujahrsblues holt, sind Filme. Denn es ist der Beginn der Award Season und das spornt schon mal grundsätzlich zum Filmegucken an. Diesen Monat waren wahre Perlen dabei, die selbstverständlich zu Recht auf den Oscar hoffen dürfen.

Die Highlights

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Natürlich ist dabei auch die Rede von La La Land. Ja, der Film wurde den ganzen Monat über schrecklich gehypt und ja, die 14 Oscar-Nominierungen mögen leicht übertrieben sein. Aaaber: Dieser Film hat es geschafft, mich mindestens eine Woche lang über den Dingen schweben zu lassen, allein schon weil mir der Soundtrack nicht aus dem Kopf ging. Seine positive Energie steckt an. Und das soll etwas heißen, bei alldem was man diesen Monat alltäglich so vernommen hat. Außerdem besteht wohl kein Zweifel darüber, dass er trotz traditionellem Genre, erfrischend originell, ja fast surrealistisch ist. Allein das bittersüße Was-wäre-Wenn Ende verdient einen Preis.

Ganz anders und doch mindestens genauso unvergesslich und berührend:  Toni Erdmann, ein Film, dem ich fest die Daumen für den Oscar drücke, weil die absurdkomische Vater-Tochter-Geschichte auf so vielen verschiedenen Ebenen einen Nerv trifft. Das wäre schon ein Highlight, Maren Ade und ihr Team auf der Film-Weltbühne zu sehen. Einen Nerv getroffen hat bei mir auch das Biopic Barry, das mich angesichts der aktuellen Lage in den USA sehr wehmütig gestimmt hat.

Enttäuschend

Enttäuscht war ich dagegen von Tom Fords Nocturnal Animals (basierend auf dem Roman Tony & Susan von Austin Wright), obwohl auch dieser Film von vielen zu einem Meisterwerk erklärt wurde. Worum es geht: Kunstgaleristin Susan (Amy Adams) ist reich und erfolgreich, aber in Gefühlskälte erstarrt. Sie kann nicht schlafen und ist mit einem Mann verheiratet, der sich nicht einmal mehr die Mühe macht, seine Untreue zu verbergen. Eines Tages bekommt sie von ihrem Ex-Mann Edward (Jake Gyllenhal) ein Manuskript zugeschickt. Edward, den sie vor langer Zeit auch wegen seiner Erfolglosigkeit als Schriftsteller verließ, schickt Susan einen Roman, den er ihr widmet: Nocturnal Animals (zu dt. Nachtaktive Tiere).

Auf einer zweiten Erzählebene entfaltet sich die Handlung des von Susan gelesenen Romans, die den Thriller-Part dieses Films übernimmt: Tony (ebenfalls Jake Gyllenhal) begibt sich mit Frau und Tochter (beide ähnlich rothaarig wie Amy Adams) auf einen nächtlichen Roadtrip durch Texas und wird dabei von einer Horde widerlicher Typen angegriffen. Frau und Tochter werden entführt, Tony in der Wüste ausgesetzt. Im Laufe der Handlung tut er sich mit einem dubiosen Polizisten zusammen (Michael Shannon), um die Männer zu kriegen, die ihm Frau und Tochter genommen haben. Mit der zunehmenden Erregung, mit der Susan den Roman liest und sich zugleich an ihre kurze Ehe mit Edward erinnert, könnte man nun meinen, sie erkennt sich und ihre Beziehung darin wieder. Die Geschichte, die sie in Wirklichkeit mit Edward verbindet, geht jedoch in eine ganz andere Richtung und lässt sich nur vage mit der Romanhandlung in Einklang bringen.

Und das ist letztendlich auch das Problem, das ich mit diesem Film hatte. Alles wird nur vage angedeutet, führt aber nirgends hin. Der Beginn ist vielversprechend: sehr kunstvoll werden gegensätzliche Welten inszeniert (die Kälte in Susans steriler Villa gegen die texanische Wüste, in der die Familie unterwegs ist), zwei Erzählebenen werden interessant miteinander verknüpft, Spannung wird aufgebaut und dann – nichts. Die aufgebaute Spannung verpufft einfach. Von der zuvor gelungenen Verwebung verschiedener Erzählebenen bleiben nur lose Enden zurück. Ein solches Ende mag Filmfans erfreuen, die gerne ihre eigenen Theorien in die Handlung hineininterpretieren. Mir ist das zu wenig. Ich brauche wenigstens einen Anhaltspunkt. So komme ich nur zu dem banalen Schluss, dass sich hinter dieser Geschichte nichts weiter verbirgt als ein Mann, der seiner Ex trotzig etwas beweisen will. Daraus sind Thriller meiner Meinung nach nicht gemacht.

Guilty Pleasure

Wenn das Leben selbst schon herausfordernd genug ist, braucht es manchmal einen Film, der nichts anderes von einem verlangt, als sich wohl zu fühlen. An einem sonntagstypischen Abend fiel meine Wahl auf Eine zweite Chance  (1998), eine sehr endneunzigertypische Schmonzette mit Sandra Bullock, die darin eine ehemalige Schönheitskönigin spielt, die nach einer missglückten Ehe in ihre kleine Heimatstadt zurückkehrt. Zusammen mit ihrer Tochter (Mae Whitman) zieht sie wieder bei ihrer Mutter ein und versucht sich darüber klar zu werden, was in ihrem Leben schief gelaufen ist. Natürlich bandelt sie sofort mit dem Kleinstadt-Cowboy an, der seit Ewigkeiten Gefühle für sie hegt. Ein kitschiger und vorhersehbarer Film, mit einem sehr schlecht besetztem männlichen Love Interst, aber dennoch einer, der mit seinen anrührenden Bildern und den großartigen Kinderdarstellern sehr ans Herz geht und seinen Zweck für einen erschöpften Sonntagabend voll erfüllt. Ich gestehe: nicht zum ersten Mal.

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11 Kommentare zu „Mein Januar in Filmen“

  1. Welches Oscar-Nominierung von La La Land würdest du denn als nicht gerechtfertigt ansehen?

    Wenn du die Offenheit von Nocturna Animls nicht mochtest, dann ist eventuell die Romanvorlage zum Film etwas für dich, denn die hat ein eindeutiges Ende – was mir wiederum weniger zusagt.

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    1. Nun, auf jeden Fall halte ich die Nominierung für Ryan Gosling für leicht übertrieben. Ich bin ein Riesenfan, aber im Vergleich zu anderen Preisträgern war das nicht gerade Schwerstarbeit, die er da geleistet hat. Da wären andere Rollen von ihm schon preisverdächtiger gewesen. Aber ich muss auch zugeben, dass ich die meisten der nominierten Filme nicht kenne, und das muss man ja immer relativ sehen. Ich hoffe, das in den nächsten Wochen nachholen zu können. Bei Nocturnal Animals war es gar nicht so sehr das offene Ende, das mich gestört hat, sondern dass die Erzählebenen einfach nicht ineinandergegriffen haben. Die Romanvorlage zu lesen, wäre aber auf jeden Fall interessant.

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      1. Ich finde sogar, dass Gosling gar nicht so gut gesungen hat, jetzt da ich mir die Lieder noch ein paar Mal auf Youtube angehört habe. (Im Kino ist mir das hingegen nicht so aufgefallen)

        Echt, findest du das mit den Erzählebenen? Also ich konnte für mich das meiste miteinander verknüpfen, auch wenn man da vielleicht über den FIlm hinausgehen muss, da er einem nicht explizit sagt, was zu was passt. Vll liegt es aber auch daran, dass der Film im Ggs zum Roman meine Theorie zulässt, dass die Ebenen in Wirklichkeit vertauscht sind (also die Romanebne entspricht der Realität und die Story, dass sie den Roman liest ist wiederum ausgedachte Fiktion, die daher gründet, dass er seine gelibete Familie einfach nicht verlieren kann)
        Wie du schon schreibst, wird man hier nicht an der Hand genommen und unterstützt eher diejenigen, die selber gerne Theorien aufstellen.

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      2. Interessante Theorie, aber wie kommst du darauf? Das gibt der Film doch gar nicht her.
        Der Ryan macht das schon super, aber es ist eben auch keine große Herausforderung für jemanden, der aus dem Disney Club kommt. Und mit Emma Stone hat er ja auch nicht um ersten Mal rumgeflirtet. 🙂

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      3. Im Film fällt einmal der Satz, dass er schreibt, um Menschen am Leben zu erhalten und der hat mir für den Anfang ausgereicht. Und wie gesagt gibt es entgegen dem Roman auch nichts, was diese Theorie für mich völlig ausschließt.
        Manchmal muss man sich auch ein Beispiel an Spongebob nehmen und seine Fantasie spielen lassen.

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