The Affair – Staffel 3

Jeder lebt in seiner eigenen Version der Wahrheit. (Juliette, The Affair)

Diese Erkenntnis wird dem Zuschauer in der 3. Staffel von The Affair einmal mehr sehr eindringlich vor Augen geführt, und zwar plastischer denn je, in Gestalt eines fettleibigen, äußerst fiesen Brendan Fraser.

Es ist kein Zufall, dass diese Worte zu Beginn der Staffel ausgerechnet von der Neuen ausgesprochen werden: Juliette (Iréne Jacob), eine Gastdozentin der Mediävistik aus Paris, die der frisch aus der Haft entlassene Noah an seinem neuen Arbeitsplatz kennenlernt. Juliette bringt in dieser Staffel eine Menge Licht ins Dunkel und bildet eine wichtige Klammer. Zu Beginn rettet sie Noah das Leben. Am Ende führt ihre ganz eigene Geschichte um Liebe und Tod indirekt dazu, dass Noah endlich mit der Vergangenheit abschließen kann.

Worum es geht

Die 3. Staffel macht einen Zeitsprung von etwa zwei bis drei Jahren. Noah, der für den Mord an Scott Lockhart verurteilt wurde, hat seine Haftstrafe abgesessen und befindet sich am absoluten Tiefpunkt. Das Gefängnis, das ihn noch immer in seinen Träumen verfolgt, hat ihm neben körperlichen Blessuren auch eine Tablettensucht beschert. Zu Helen und den Kindern pflegt er keinen Kontakt mehr, seine Ehe mit Alison existiert nur noch auf dem Papier. Zu allem Übel wird er auch noch von seinem Gefängniswärter (Brendan Fraser) verfolgt, einem alten Bekannten aus Schultagen, der ihn scheinbar um seinen schriftstellerischen Erfolg beneidet. Ohnehin scheint ihn im Gefängnis seine frühe Vergangenheit eingeholt zu haben. Noah findet sich wieder in einem wirren Strudel von Paranoia und verdrängten Erinnerungen und kann von Glück sagen, dass er in dieser dunklen Phase der Französin Juliette begegnet.

Von Helen lässt er sich nicht helfen, was sie, die sowieso schon von Schuldgefühlen zerfressen wird, in eine tiefe Krise stürzt. Entsetzt muss sie feststellen, dass sie den Vater ihrer Kinder womöglich nie wirklich gekannt hat. Eine Erkenntnis, die ihr dabei hilft, endlich loszulassen.

Alison und Cole haben hingegen nach wie vor Schwierigkeiten mit dem Loslassen. Alison sehen wir in dieser Staffel wieder in Montauk. Die Geschichte mit Noah liegt weit hinter ihr. Doch das heißt nicht, dass die Probleme vorbei wären. Weil sie vorübergehend in einer psychiatrischen Anstalt war, enthält Cole, unter starkem Einfluss von Ehefrau Luisa, ihr nun das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter vor. Was zunächst wie pure Rachsucht erscheint, wird bald als romantisches Motiv enttarnt. Aus Coles Perspektive erleben wir, wie schmerzhaft die Trennung von Alison für ihn immer noch ist.

Wie viel Egoismus ist gesund?

Die 3. Staffel von The Affair erzählt zwei Geschichten, die sich nur noch peripher berühren. Alison und Noah – die Auslöser aller bisherigen Dramen –  haben einander überwunden und führen nun völlig verschiedene Leben. Was von ihrer gemeinsamen Vergangenheit bleibt, ist der Versuch die psychologischen Ursachen ihrer Affäre zu ergründen. Alisons Beweggründe liegen seit jeher auf der Hand: die Trauer um ihren Sohn, die auch in dieser Staffel wieder eine Rolle spielt. Bei Noah hingegen wurden mögliche Ursachen, wie das problematische Verhältnis zu seiner Familie, bislang immer nur angedeutet. Jetzt kommen sie zum Vorschein. Staffel 3 steigt ganz tief hinab in Noahs dunkle Psyche und ergründet die Wurzel allen Übels – den frühen Tod seiner Mutter.

Die Art und Weise wie dies in Szene gesetzt wird, verleiht der Serie eine ganz neue Dynamik und führt den Zuschauer so clever in die Irre, dass man sich angesichts des sadistischen Gefängniswärters Brandan Fraser plötzlich in einem Psychothriller wähnt. Am Ende läuft es auf eine längst fällige Konfrontation Noahs mit sich selbst hinaus.

Wie schon in den ersten beiden Staffeln steht über allen Handlungssträngen die eine große Frage: Wie egoistisch darf ein Mensch sein? Inwieweit darf er seinen persönlichen Bedürfnissen und Instinkten folgen und wo muss er sich zusammennehmen, aus Rücksicht auf die, die ihn lieben? Wir sehen einen Mann (Noah), der sich aus den scheinbar einengenden Verhältnissen seines Lebens gelöst hat, nur um festzustellen, dass es gar nicht diese Verhältnisse waren, die ihn all die Jahre belastet haben. Nun ist er frei,  weiß aber nicht, wo er hingehört. Und wir sehen einen Mann (Cole), der sich genau gegenteilig verhält, aus Angst und Rücksichtnahme seine Gefühle unterdrückt und die Chance auf ein bisschen Glück verstreichen lässt. Eine tragische Entscheidung, die Lust auf die nächste Staffel macht. Man darf gespannt sein, wie es mit Cole und Alison weitergeht.

Spannend wird auch, wie Noah noch in diesen Plot hineinpasst. Am Ende der 3. Staffel scheint es zumindest so, als sei seine Geschichte auserzählt. Seine Konflikte sind gelöst, die schlimmsten Wogen geglättet. Er sitzt im Taxi und weiß nicht wohin.

Wenn es an dieser ansonsten starken Staffel etwas zu kritisieren gibt, dann ist das der starke Fokus auf Juliette in der finalen Episode. Dafür, dass ihre persönliche Geschichte in der Serie bislang nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat, nimmt sie hier sehr viel Raum ein. Und man fragt sich schon, warum nicht eher einem der anderen Hauptcharaktere hier ein größerer Part zukommt. Doch andererseits geht es in dieser letzten Episode allein um Noah, der endlich nach Paris kommt und sein Leben in den Griff bekommt. Juliettes Geschichte hilft ihm dabei, sein Verhalten zu relativieren und als menschlich anzuerkennen. Die Französin ist sein Anker in der Not. Auch solche Beziehungen müssen gewürdigt werden.

Das ist schließlich das Schöne an dieser Serie: der unermesslich große Interpretationsspielraum.

 

 

 

Advertisements

7 Kommentare zu „The Affair – Staffel 3“

  1. Tolle Serie, aber ich gucke ja keine Serien mehr…^^ Das Zitat ist schön wie treffend. Hab tatsächliches eines in meiner „Über mich“-Seite von The Affair. Diese Voice Over sowie die Schauspieler sind auch eine der Stärken der Serie, wobei mir Noah manchmal gehörig auf den Keks geht…

    Gefällt 1 Person

    1. Warum um Himmels Willen guckst du keine Serien mehr? 😀 Ja, ich mag auch gerade das Literarische an dieser Serie. So vieles, was man zitieren könnte. Bei mir ist es allerdings eher Alison, die mir manchmal auf den Senkel geht. Noah ist wenigstens konsequent.

      Gefällt 1 Person

      1. Das frisst immer so viel Zeit und ich schaue weniger Filme, die in 90-120 Minuten das gleiche erzählen würden.^^ Stimmt, Alison mit ihrem, ich bin so unsicher und weiß nicht was ich tue. Die kann ruhig etwas mehr badass sein.

        Gefällt mir

      2. Stimmt, Serien sind Zeitfresser und die Flut der ständigen Neuerscheinungen finde ich langsam auch ganz schön anstregend. Aber ganz ohne geht es auch nicht. Jedenfalls bin ich nicht immer aufnahmefähig für einen 2-Stunden-Film. Sag bescheid, ob dein Vorhaben geklappt hat. 😉 Ich hoffe in der nächsten Staffel gibt es für Alison mal eine Storyline, in der es nicht darum geht, mit wem sie zuletzt geschlafen hat. Aber gut, der Name der Serie verlangt es wohl so.

        Gefällt 1 Person

      3. …aktuell…Friends, Star Trek und Grey’s Anatomy… Was will man da noch sagen?
        Bei Allison stimme ich dir zu, wobei ich mir das schon vorstellen kann. Sie wird ja auch immer mehr badass. Vielleicht auch ne psych. Störung. Wäre auch spannend.

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s