The Vampire Diaries: Das längst überfällige Ende

Serienenden machen mich rührselig, selbst dann noch wenn die Serie ihren Zenit längst überschritten hat. Und so sehe ich mich in der Pflicht, dieser einst geliebten Guilty Pleasure Serie mit ein paar Worten meine letzte Ehre zu erweisen.

Als ich anfing The Vampire Diaries zu gucken, war ich Studentin und wohnte in einer Mädels-WG, in der der Mittwochabend ganz Jules-Mumm-mäßig für Serien reserviert war. Heute lebe ich in einer anderen Stadt, bin Mutter und in der Realität des Berufslebens angekommen. Einen festen Serienabend gibt es nicht mehr, weil alles ständig online verfügbar ist. Was ich damit sagen will: In 8 Jahren passiert sehr viel, auch mit einer Serie. Vom bloßen Twilight-Abklatsch etablierte sich The Vampire Diaries (2009-2017) zu einem populären Teen-Fantasy-Drama, erschuf ein eigenes mythisches Universum aus Vampiren, Hexen und Doppelgängern, kreierte ein Spin-Off (The Originals) und versank schließlich in der Belanglosigkeit. Zumindest für mich, die ich längst nicht mehr zur Zielgruppe gehöre. Mit der letzten Episode der 8. Staffel am 10. März nahm das Drama um zwei jahrhundertealte Vampir-Brüder, die sich in das selbe Mädchen verlieben, nun endlich sein Ende. Ein paar Jahre zu spät und mit so einigen Schwächen, wie ich finde, aber dennoch emotional.

Wie war das Serienfinale?

Eines vorneweg: Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Ende dieser Serie verstanden habe. Zu plötzlich löst sich alles in Wohlgefallen auf. Stefan (Paul Wesley) opfert sich für seinen Bruder und findet endlich seinen Frieden, personifiziert durch Lexi, die mit seinem geliebten roten Sportwagen vor der Tür auf ihn wartet (ein schöner Moment!). Matt bleibt Sheriff von Mystic Falls und wird als Held gefeiert (ebenfalls ein schöner Moment, weil diese oft so stiefmütterlich behandelte Figur endlich ihren Platz findet).

Aber der Rest? Alaric und Caroline eröffnen ein Internat für besondere Kinder (Hogwarts?)?! Nun ja, die Beziehung zwischen den beiden, die so urplötzlich und recht willkürlich in Staffel 7 geknüpft wurde, ist nie so recht bei mir angekommen. Bonnie schafft es mithilfe einer Horde toter Hexen der Hölle den Garaus zu machen und stirbt, anders als erwartet, nicht daran, sondern schafft es plötzlich doch irgendwie den Fluch zu brechen, der Elenas Leben an ihren eigenen Tod geknüpft hat. Das ist sehr inkonsequent, wenn man bedenkt, dass die letzten beiden Staffeln von diesem als unwiderruflich geltendem Fluch dominiert wurden und das Problem nun ganz beiläufig in einem Moment gelöst wird, in dem der Zuschauer nicht einmal mehr dabei ist. Nun kann Bonnie also endlich ihr Leben genießen – wird dabei aber von Enzos Geist begleitet (soll das erfreulich sein?).

Und dann der Moment, auf den alle gewartet haben: Damon (Ian Somerhalder) und Elena (Nina Dobrev) können sich endlich wieder in die Arme schließen (das wirkte auch schon mal leidenschaftlicher) und ihr Leben als Menschen miteinander verbringen. Am Ende laufen sie Hand in Hand an Elenas einst so dramatisch niedergebranntem Haus vorbei und sehen ihre schmerzlich vermissten Familien wieder. Da Elenas Stimme aus dem Off etwas von Frieden erzählt, deute ich das so, dass die beiden ihr Leben zusammen gelebt haben (warum sind sie dann nicht gealtert?) und sich nun in einer Art Himmel befinden, der darin besteht, dass sie zu ihren Familien zurückkehren. Jeder zu seiner eigenen.

Ein bequemes Ende, das Stefans Tod in einem versöhnlichen Licht darstellt, Elenas dramatische Verluste endgültig wettmacht und auch noch den Wert der Familie hochhält. Ein Ende, das in keinem Verhältnis dazu steht, was diese Figuren und alle um sie herum in 8 Staffeln mitgemacht haben, um an diesen Punkt zu kommen. Allein die Beziehung zwischen „Delena“ war so intensiv und dramatisch, dass eine dreisekündige Sequenz nach dem Motto Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende dem ganz und gar nicht gerecht wird. Wie war denn ihr gemeinsames Leben? Hat sich der ganze Kampf gelohnt? Das scheint eher nicht der Fall zu sein.

Die gesamte letzte Staffel, die von Anfang an als finale Staffel ausgelegt war, wirkt leider genauso uninspiriert wie die letzten zwei Staffeln davor. Die Versuche, mit Zitaten an den Beginn der Serie anzuknüpfen, sind unterhaltsam und halten den Zuschauer bei Laune, zünden aber nicht richtig. Dafür werden die einzelnen Handlungsstränge einfach zu ungeschickt behandelt. Gute Ideen werden nicht wieder aufgegriffen. Vielversprechende Figuren (Georgie) werden schon nach wenigen Folgen zum Kollateralschaden. Das Gut-Böse-Karussel dreht sich sinnlos im Kreis, ohne die Handlung wesentlich voranzubringen. Der ganze Plot um Cade und die Sirenen ist angesichts der letzten Episode, in der Katherine wieder das Zepter schwingt, recht sinnlos. Zumal es den Tod gar nicht mehr zu geben scheint. Selbst als Damon vom Teufel höchstpersönlich getötet wird, schafft er es dennoch irgendwie wieder zurückzukommen, ohne dass es dafür noch einer plausiblen Erklärung bedarf. Wenn man es also mit der Konsequenz ohnehin nicht so genau nimmt, warum dann in der letzten Staffel noch all diese neuen Figuren ins Spiel bringen? Warum nicht einfach bei den alten bleiben? Wahrscheinlich weil es – wie schon seit mehreren Staffeln klar ist – über die alten Figuren einfach nichts mehr zu erzählen gibt. Selbst die Hochzeit von Stefan und Caroline wirkte auf mich wie ein emotionslos heruntergespultes Pflichtprogramm (ein ziemliches dummes noch dazu, wenn man bedenkt, dass sie damit nur Katherine provozieren wollten, auf deren Erscheinen sie dann aber gar nicht vorbereitet waren.)

Letztendlich ist das Problem dieses Serienfinales das gleiche wie das der letzten 4 Staffeln. Die Geschichte ist längst auserzählt. Als Elena sich für Damon entschied und zeitgleich auch noch Klaus und Co. für die Originals die Stadt verließen, war die Spannung einfach dahin. Hätte die Serie mit dieser Staffel geendet, wäre das Ende weitaus spannender ausgefallen. So war es leider nichts im Vergleich zu so manch anderem Staffelfinale oder Jeremys Tod in der 4. Staffel.

Am Ende war es das Wiedersehen mit den alten Bekannten, das mich dann doch noch ein bisschen rührselig gestimmt hat.

Was bleibt in Erinnerung?

Die Stärke von The Vampire Diaries war neben Nina Dobrevs Doppelrolle vor allem das Tempo der Serie. Jede Folge endete mit einem gewaltigen Cliffhanger. Was auch passierte, es kam kaum je zu einem Abschluss, sondern wurde immer nur größer und schlimmer. Klar, dass eine Serie das auf Dauer nicht überlebt. Die Macher kreierten eine so ausladende Mythologie, dass sie sich am Ende selbst darin verstrickten. Sie erschufen schon zu Beginn so starke Charaktere (Klaus!), dass die, die danach kamen, nur blass wirken konnten.

Bevor es aber so weit war, gab es eine High-School-Clique aus übernatürlichen Teens, ein verwaistes Geschwisterpaar, ein heißes Liebesdreieck und eine mythische Welt, die immer dunkler wurde. Nicht zu vergessen den emotionalen Soundtrack, der regelmäßig auf die Tränendrüse drückte und mir Bands wie Bastille, Birdy, The Neighbourhood und sogar Florence and the Machine näher brachte.

Rest in Peace Mystic Falls. Als Ersatz steht schon Riverdale auf dem Plan (habe gehört, Luke Perry soll dort mitspielen ;)).

YouTube Quelle

Beitragsbild: Copyright by The CW

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