#Kinder: Liebe, lebenslänglich

Ab einem gewissen Alter ist das Kinderthema allgegenwärtig. Kaum ein Treffen mit Freundinnen, bei dem nicht darüber diskutiert wird, ob, wie und wann ein Kind in das eigene Leben passt. Für diejenigen, die noch kinderlos sind, ist es eine lebensverändernde Entscheidung, die wie ein Damoklesschwert über ihren Dreißigern hängt. Diejenigen, die den Sprung schon gewagt haben – da befinde ich mich in meinem Freundeskreis leider noch in der Minderheit – trauern auf der anderen Seite ein bisschen der verlorenen Flexibilität und den durchgefeierten oder zumindest durchgeschlafenen Nächten hinterher. Zwei Seiten, die einander bewundernd gegenüberstehen und doch nicht miteinander tauschen wollen. Denn eigentlich ist unser Problem nicht die Kinderfrage an sich, sondern vielmehr der größenwahnsinnige Wunsch, einfach alles auf einmal haben zu wollen. Nicht entweder oder, sondern das ganze Paket.

Liebe_lebenslänglich

Unter diesem Eindruck habe ich am vergangenen Osterwochenende, an dem der Wunsch nach Perfektion einmal mehr mit der virenverseuchten Wirklichkeit kollidierte, in Ursula von Arx‘ Liebe, lebenslänglich (2013) reingelesen. In 14 biografischen Porträts erzählen hier Eltern und Kinder, jeweils aus ihrer Sicht, von ihrer Beziehung zueinander und schildern, wie diese sie geprägt und beeinflusst hat. Da ist zum Beispiel eine Tochter, die auf die antiautoritäre Erziehung der Mutter mit Strenge reagiert, ein Sohn, der seine Mutter mit Missachtung straft, weil sie ihn zu ihrem einzigen Lebensinhalt machte, eine Mutter, die nicht fähig ist, ihre Tochter zu lieben oder das Kind einer vierköpfigen Lebensgemeinschaft, das sich schon im frühen Alter hin- und hergerissen fühlt.

Ursula von Arx bewertet und deutet nicht, was sie erzählt. Neutral schildert sie diese sehr unterschiedlichen Eltern-Kind-Geschichten, die eines zeigen: Kinder sind kein Lifestyle, keine Challenge, die es zu meistern gilt, sondern die Menschen, mit denen wir neben unseren eigenen Eltern, wohl die intensivste und unwiderruflichste Verbindung eingehen. Sie können sich ihre Eltern nicht aussuchen und müssen sich dennoch ihr Leben lang mit ihnen auseinandersetzen.

Eine Familie ist kein sicherer Hafen, sie ist ein Wagnis,

sagt Journalistin Ursula von Arx im Vorwort ihres Buches. Was auf den ersten Blick provokant und pessimistisch klingt, bringt für mich aber tatsächlich eine der faszinierendsten Erkenntnisse der Mutterschaft auf den Punkt. Kinder sind keine formbare Masse, die wir nach unseren Vorstellungen gestalten können. Von Anfang an bringen sie ihre eigene Persönlichkeit mit und diese muss nicht zwangsläufig mit der der Eltern kompatibel sein. Nichtsdestotrotz gibt es kaum eine emotionalere Beziehung als die zwischen Eltern und Kind. Eine schicksalhafte Verbindung, mit der ein jeder von uns herumläuft und die er wiederum mit dem ihm noch völlig unbekannten Nachwuchs einzugehen bereit ist. Ein kleines Wunder, das die kleinen nervlichen Alltagswehwechen schnell verblassen lässt.

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