Tom Schilling & The Jazz Kids

tom_schilling_the_jazz-kidsIst Tom Schilling nun ein Schauspieler, der einen Musiker spielt oder ein verkappter Musiker, der nur zufällig Schauspieler geworden ist? Diese Frage konnte man sich gestern Abend im Berliner Columbia Theater beantworten, wo Tom Schilling zusammen mit den Jazz Kids auftrat. Der Schauspieler und die Band, die auch für den wunderbaren Soundtrack von Oh Boy verantwortlich ist, lernten sich bei den Arbeiten zu eben diesem Film kennen und veröffentlichten vor kurzem ihr erstes gemeinsames Album, Vilnius.

Ich mochte Oh Boy (2012) sehr und habe nicht erst seit diesem Film eine kleine Schwäche für Tom Schilling. Mit 15 sah ich Crazy (2000), später verliebte ich mich in Leander Haußmanns Robert Zimmerman wundert sich über die Liebe (2008), eine skurrile Romanze, die ihren Zauber auch der musikalischen Untermalung von Element of Crime zu verdanken hat. Melancholisch und irgendwie skurril – das fällt mir aufgrund seiner Filme zu Tom Schilling ein und so war ich neugierig, ob ich das auch in seiner Musik wiederfinden würde.

Der Anfang war holprig, weil für mich zu glatt. In Anzug und Krawatte, am besten noch mit Hut auf dem Kopf, präsentierte das Ensemble zunächst seicht dahin plätschernde Chansons, die mir zu sehr nach Schlager klangen (Julie, Julie). Tom Schilling hat keine überragende Stimme, machte seine Sache als Sänger jedoch wirklich solide. Dennoch: der Verdacht, er könne sich hier nur aufgrund seiner Prominenz einen Rockstar-Traum erfüllen, kommt unwillkürlich auf. Und dann funktioniert auch noch das Mikro nicht und die Lage droht ernsthaft peinlich zu werden. Allerdings nur für einen kurzen Moment. Als die technische Panne gebannt ist und das Konzert Fahrt aufnimmt, bin ich doch beeindruckt, denn zwei Sachen werden klar: die Jazz Kids machen großartige Musik und Tom Schilling meint es wirklich ernst. Auch auf der Bühne ist er ausdrucksstark und zeigt eine Menge Mumm, denn seine Songs sind alles andere als perfekt, dafür genauso melancholisch und skurril wie erwartet und überraschend romantisch. Tom Schilling hat eine Schwäche für Morbides und für Frauen und die besingt er selbstbewusst und authentisch.

Mein persönliches Highlight: das Bettina Wegner Cover Kinder und der Song Kalt ist der Abendhauch, den er unter Cellobegleitung eines von ihm verehrten Gastmusikers (dem Mitglied einer unaussprechlichen Band) zum Besten gab. Keine Tanzmusik, stattdessen Songs zum Genauhinhören und Drübernachdenken, die in einem kleinen verrauchten Jazz-Club besser aufgehoben gewesen wären als in einer Konzerthalle.

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