Resteverwertung: Mein Frühling in bewegten Bildern

Wenn schon Medienreflexion, dann richtig. Und so müssen auch die Filme und Serien thematisiert werden, die man nur halbherzig konsumiert hat oder die allein dem Zweck dienten, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Nach der filmintensiven Award-Season  war meine Filmauswahl in den letzten Monaten jedenfalls eher bequem und nostalgisch motiviert. Nur wenige neue, und noch weniger aktuelle Filme schafften es ins Abendprogramm. Dafür entdeckte ich die ein oder andere alte Perle wieder.

Aktuelles aus dem Kino…

ist nicht viel zu mir durchgedrungen. Die versunkene Stadt Z (2017) war ein historisches Abenteuerschmankerl, das thematisch gerade gut passte (Reisende soll man nicht aufhalten).

Get Out (2017): Jordan Peeles Regiedebut über einen schwarzen Fotografen, für den die Familie seiner weißen Freundin zum Alptraum wird, fand ich allein deshalb schon gelungen, weil er beweist, dass es nur einer mutigen, originellen Idee bedarf, um einen spannenden Thriller- oder gar Horrorfilm zu machen. Dazu noch einen, der gleichermaßen unterhaltsam wie satirisch ist.

Mit dem Beginn der Freiluft-Saison hat mich das Kinofieber nun  wieder gepackt. Aktuell auf der Liste: Jahrhundertfrauen, Paterson, Song to song, Berlin Syndrom und Fatih Akins Aus dem Nichts.

Endlich nachgeholt…

Lange wollte ich diesen Meilenstein des Sci-Fiction Genres schon ganz sehen. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen. Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum (1968) ist durchaus einzigartig, wirkte auf mich aber eher wie ein einschläfernder LSD-Trip, sofern diese Kombination überhaupt möglich ist.

John Fords Früchte des Zorns (1940) wird, wie das so oft der Fall ist, der Romanvorlage leider kaum gerecht. Könnte aber auch daran liegen, dass der Pathos dieses 40er Jahre Schwarz-Weiß-Films heute einfach nicht mehr zeitgemäß wirkt.

Dass ich diesen Film so lange nicht zu würdigen wusste, ist für mich unbegreiflich. Michael Gondrys Vergiss mein nicht (2004) (mit dem viel schöneren Originaltitel Eternal Sunshine of the Spotless Mind) fand ich 13 Jahre später, beim zweiten Mal, nun einfach nur wunderbar. Allein wegen dieser Besetzung: Jim Carey und Kate Winslet spielen ein schwindelerregend ungleiches Paar, das sich nach einem unglücklichen Beziehungsende die Erinnerungen an den jeweils anderen auslöschen lässt. Kirsten Dunst, Mark Ruffalo und Elija Wood sind die Angestellten dieser innovativen Gedächtnislöschklinik, haben während der Arbeit aber mit ihren eigenen Problemchen zu kämpfen. Ein ganz zauberhafter, wild geschnittener Film über die unbändige Kraft der Erinnerung und das Perfekte im Unperfekten.

vergiss_mein_nicht
via Giphy

Für die Wohlfühlatmosphäre…

Manche Filme beeindrucken, andere dienen allein atmosphärischen Zwecken.

Für ein Gefühl von Sonntagnachmittag:

Die Coopers – Schlimmer geht immer (2014)  oder auch Alexander and the Terrible, Horrible, No Good, Very Bad Day, ein Freaky-Friday mäßiger Disney-Film, den ich mir hauptsächlich wegen Steve Carell, ein bisschen aber auch wegen Jennifer Garner und neuerdings auch Dylan Minette angesehen habe. Wie nicht anders erwartet, war er albern, aber kurzweilig.

Für das Sommerferien-Feeling:

Honigfrauen (2017). Ich stehe dazu, ich habe mir tatsächlich diesen ostalgieverseuchten ZDF-Dreiteiler über einen bespitzelten Zelturlaub am Balaton angesehen. Hauptsächlich weil solche Sonntagabendflme in mir die Erinnerung an die Zeit auslösen, in der man  noch gemeinschaftlich vor der Glotze saß und zum Beispiel Dirty Dancing sah, den Film, der hier erzähltechnisch eindeutig als Kopiervorlage diente (,,Es war der Sommer 1986…“). Und was soll ich sagen, ich habe schon schlimmeres gesehen.

Schlimmeres…

Zum Beispiel Grow Up – Erwachsen werde ich später (2015) (org. Laggies): Eine völlig unglaubwürdige Möchtegern-Dramedy, in der die 28-jährige Keira Knightley so ihre Probleme mit dem Erwachsenwerden hat und folglich mit einem Teenie-Mädchen anbandelt (Chloe Grace Moretz), dessen mürrischer Vater natürlich innerhalb einer Woche die Liebe ihres Lebens und damit die Lösung aller Probleme wird. Gäääähn.

American Sniper (2014): Clint Eastwood und seine Altherrensicht der Dinge auf die Spitze getrieben. Ein rassistischer Scharfschütze (Bradley Cooper) wird als tragische Figur und dabei – ob beabsichtigt oder nicht – zum Nationalhelden stilisiert. Geschmacklos und völlig unverständlich, warum dieser Film 2015 so viele Oscar-Nominierungen einheimste.

Mal wieder gesehen…

An Ostern landete ich zum ersten Mal seit Langem wieder mal im herkömmlichen Fernsehprogramm und wurde angenehm überrascht. Nicht von der nicht enden wollenden Werbung, aber von Titanic (1997). Der Film, der (nicht zuletzt wegen Leo) mit 12 mein Leben erschütterte und den ich eine Zeit lang einfach nicht mehr ernst nehmen konnte, ist nach wie vor ein Tränenschocker. Auch wenn heute auch immer ein lachendes Auge dabei ist. 10 Jahre später (Leo war fast vergessen) hatte ich eines der ersten Kino-Dates mit meiner heutigen besseren Hälfte – zu Nach 7 Tagen ausgeflittert (2007), ein Film der so wie alle Filme der Farrelly-Brüder ein bisschen bescheuert ist, den ich aber trotzdem immer wieder gerne sehe.

Sex and the City – Der Film (2008) sehe ich als Fan der Serie hin und wieder auch ganz gerne, vor allem weil er mich an eine gute Freundin erinnert. Doch mittlerweile geht mir die übertriebene Labelfixiertheit und die unnötig pompöse Ausstattung dieses Films doch mehr gegen den Strich als früher. Wenn Miranda, die angeblich ach so gestresste berufstätige Mutter, ihrem Ehemann nur halb so viel Zeit widmen würde wie ihrer Garderobe, könnte sie sich den Paartherapeuten sparen.

Und immer wieder Serien

Eine recht magere Filmauswahl für drei Monate, die größtenteils auf meine Serienbesessenheit zurückzuführen ist. Viel Spaß hatte ich während dieses wettertechnisch doch sehr schleppenden Frühlings mit Judd Apatows Love und der letzten Girls Staffel, von der die letzte Folge immer noch aussteht.

Beendet habe ich außerdem Vampire Diaries, mit großer Erleichterung darüber, dass die Serie nun nicht mehr weiter mit halbgaren Plots malträtiert wird.

Ähnlich zwiegespalten war ich auch bei 13 Reasons Why, der gehypten High-School-Serie, die einige Schwächen, aber auch viele Stärken und vor allem einen hervorragenden Soundtrack zu bieten hat.

Reingeguckt habe in Sense 8, eine internationale Serie mit Handlungsorten auf der ganzen Welt, unter anderem (mit Max Riemelt) in Berlin. Für meinen Geschmack hat sich die Serie jedoch zu viele Themen auf einmal aufgeladen und so hatte ich nach zwei Folgen erstmal genug.

Enttäuscht war ich auch von der 2. Staffel Master of None. Nachdem ich die 1. Staffel von Aziz Ansaris Millenials-Comedy so überragend fand, wirkte die 2. auf mich wie ein lauwarmer Aufguss bereits abgehandelter Themen (Dating Apps, Religion und immer wieder Alltagsrassismus). Dabei entwickelt die Serie immer mehr den Charakter einer losen Episodenshow mit experimentellem Charakter. Mal ist Dev der Protagonist in einem klassisch italienischen Schwarz-Weiß-Film, mal geht er mit Arnold auf Pastatour, dann wieder steht ein taubstummes Pärchen im Mittelpunkt oder eine Horde feiernder Taxifahrer. Ansari genießt in dieser Staffel offensichtlich mehr die Arbeit hinter der Kamera, obwohl Dev sich in der Zwischenzeit vom Showmaster zum Fernseh-Gourmet entwickelt und sich in eine verlobte Italienerin verliebt. Die letzten Folgen haben es dann doch wieder in sich. Besonders die „Thanksgiving“-Episode, in der in einer amüsanten Zeitreise Denise‘ Outing thematisiert wird. Die Serie ist immer noch cool, hat aber leider viel von ihrem Witz eingebüßt.

Unheimlich gefreut habe ich mich außerdem darüber, dass Mad Men endlich bei Netflix verfügbar ist und dass mit 4 Blocks endlich mal wieder eine spannende deutsche Serie auf den Plan tritt. Der Sommer wird toll, was auch passiert.

 

 

 

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3 Kommentare zu „Resteverwertung: Mein Frühling in bewegten Bildern“

  1. Sehr schöner Beitrag….finde Idee und Aufbau wirklich sehr gut und kann dir bei vielem zustimmen ;-)!
    Vergiss mein nicht (wirklich schrecklicher Titel im Vergleich zum Original!) muss ich tatsächlich noch anschauen….würde bei mir also unter die Kategorie Endlich nachgeholt fallen – in dieser Kategorie warten sowieso schon massig Filme auf ihre große Stunde 😉

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      1. Ja, ist mir gestern auch aufgefallen, dass mir sofort mal ein paar Beiträge aufgefallen sind, die ich mir auf jeden Fall noch anschauen muss ;-)!
        Ah, ich glaub da wird es sicher mit der Zeit noch massig Überschneidungen geben 😉

        Gefällt 1 Person

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