Filme, Serien: Was im Sommer geschah

Darf man sich eigentlich noch als Filmfan bezeichnen, wenn man seit Monaten keinen neuen Film mehr gesehen hat?! Ich hoffe schon, denn der Wille war da. Es mangelte nur an der konsequenten Umsetzung. Im Sommer musste die Fiktion hinter dem wahren Leben zurückstehen. Und das war schön, denn mit einem Kleinkind, das ungern vor Sonnenuntergang nach Hause geht, fühlt man sich selbst wieder wie ein Kind: Park, Eis essen, Freibad und endlich der langersehnte Urlaub, wo mich die Romane von Elena Ferrante komplett in Beschlag nahmen. Wenn ich dann doch mal vor der Flimmerkiste landete, dann für möglichst kurzweilige, sommerliche Filme, wenn das auch sicherlich nicht ganz auf diesen Film zutrifft; den wohl erschütterndsten, den ich zuletzt, wenn nicht gar überhaupt, gesehen habe.

Endlich nachgeholt…

Requiem for a Dream (2000): Sommerlich und kurzweilig, so fängt dieser Film von Darren Arronofsky (Mother) an. Harry (Jared Leto) holt sich im sommerlichen New York mal wieder den Fernseher seiner Ma (Ellen Burstyn), um ihn für ein bisschen Stoff zu verhökern. Nur damit diese ihn sofort wieder beim Pfandleiher auslösen kann. Ein absurdes, aber auch recht unschuldiges Ritual, angesichts der Dinge, die da noch kommen werden. Gegliedert in vier Jahreszeiten, entspinnt sich vor den Augen des Zuschauers eine Abwärtsspirale, deren radikale Darstellung ihresgleichen sucht. Während Harry, der als Dealer den großen Coup zu machen glaubt, immer weiter in die Drogensucht hineinschlittert, verliert seine Mutter, eine vereinsamte, fernsehsüchtige Witwe über einer fixen Idee den Verstand. Die Art und Weise, wie dieser Film die subjektive Wahrnehmung seiner Protagonisten inszeniert, ist verstörend und zugleich unglaublich eindringlich. Am Ende des Films saß ich völlig aufgelöst und mit offenem Mund vor dem Bildschirm und konnte nicht glauben, was ich da gerade gesehen hatte. Erschreckender als die irrsinnigen Folgen der Sucht fand ich fast schon die Darstellung des amerikanischen Gesundheitssystems. Warum Ellen Burstyn, die hier eine unfassbare Leistung vollbringt, bei der Oscar-Verleihung 2001 gegen Julia Roberts den Kürzeren zog, ist mir völlig schleierhaft.

Außerdem (wieder) gesehen…

Diese mehr oder weniger sommerlichen 5 Filme und…(500) Days of Summer (2009): Je öfter ich ihn sehe, desto mehr liebe ich dieses simple und doch magische Konzept dieses Films, obwohl diese Tanzszene mich immer noch irritiert.

 

Teenie-Film-Retrospektive….

Ein Wochenende auf der elterlichen Couch verleitete mich zu einem nostalgischen Teenie-Film-Marathon mit Filmen, nach denen ich einst ein bisschen süchtig war: Clueless (1995), Eine wie keine (1999), 10 Dinge, die ich an dir hasse (1999).

Nachdem ich gerade 13 Reasons Why gesehen hatte, fiel mir plötzlich auf: in allen Filmen sind Mobbing und sexuelle Belästigung zentrale Themen, so humoristisch sie auch verschleiert werden. So muss sich Laney, das Wettobjekt in Eine wie Keine mit einem Nebelhorn aus der Affäre ziehen. Cher wird von einem Freund an einem Parkplatz ausgesetzt, weil sie nicht mit ihm rummachen will. Und auch Kat (10 Dinge, die ich an dir hasse), ebenfalls das Objekt eines Arrangements zwischen High-School-Jungs, ist deshalb so kratzbürstig, weil sie früh die Erfahrung machen musste, benutzt zu werden. Alles vermeintlich harmlose Komödien und dennoch vermitteln sie wie selbstverständlich den Eindruck, dass es für Mädchen völlig normal sei, sexuell belästigt zu werden. Insofern war es vielleicht an der Zeit, in diesem Genre explizit zu werden.

Ein neuerer Teenie-Film der etwas anderen Art: Slam (2016), eine italienische Nick Hornby Verfilmung und der erste italienische Film überhaupt, der weltweit auf Netflix gestreamt werden kann. Ein netter, atmosphärischer Film über einen 16-Jährigen, der unverhofft Vater wird. Nach Stuckrad-Barres Panikherz hatte ich das Bedürfnis herauszufinden, wie seicht Nick Hornby tatsächlich geworden ist. Die Seichtheit dieses Films ist durchaus sympathisch.

Nur schwer ertragen…

Wellness für Paare (2016): Eine deutsche Impro-Produktion mit Anke Engelke und Bjarne Mädel, in der diverse Paare sich plötzlich in einer Paartherapie wiederfinden. So vorhersehbar und banal, dass ich die meisten Therapiesitzungen skippen musste, um nicht fortwährend mit den Augen rollen zu müssen.

The Roommate (2011): Leighton Meester (Gossip Girl) spielt eine Psychopathin, die ihre Doppelgänger-Zimmergenossin terrorisiert. Der Film, der gern ein Psychothriller wäre, bietet nicht nur nichts Neues, sondern schafft es nicht einmal annähernd die altbekannten Schablonen seines Genres auszufüllen. Unoriginell, vorhersehbar und so gar nicht spannend. Einzige Überraschung: der Auftritt von Nina Dobrev. Wenig überraschend: Cam Gigandet, der langsam definitiv zu alt ist, um einen College-Hottie zu spielen.

Serien

Ein Highlight im noch jungen Sommer war die Neukölln-Gangsterserie 4 Blocks und auch Gypsy, das Netflix-Drama mit Naomi Watts, hat Eindruck hinterlassen.

An einem Wochenende gebinget…

Friends from College (2017): Eine Netflix-Serie, die sich nicht entscheiden kann, ob sie ernsthaft das Thema Beziehung und Freundschaft angehen oder vollkommen überzogene Slaptstick-Comedy sein will. Zusammen passt hier jedenfalls nur wenig, was nicht nur an den unrealistischen Plots liegt (6 angeblich beste Freunde, die kein Problem damit haben, permanent untereinander fremdzugehen), sondern leider auch an den recht uncharismatischen Schauspielern. Einzig HIMYM-Robin Cobie Smulders ist ein Lichtblick. Der Rest des Casts ist kein Vergleich zu ihren einstigen Kollegen, auch wenn der erwachsen gewordene Junge aus Wunderbare Jahre mitspielt. Möglich ist aber auch, dass der Mangel an Empathie in den Figuren selbst begründet liegt. Die fallen nämlich ständig irritierend aus ihrer Rolle. Dennoch für einen verkaterten Samstagnachmittag erfüllt die Serie durchaus ihren Zweck. Ein paar unverhoffte Lacher sind drin. Nick Stollers Handschrift (Bad Neighbors) ist unverkennbar.

Girlboss (2017): Die zweite Netflix-Serie an diesem Wochenende hat mir schon wesentlich besser gefallen, obwohl ich vorher nichts Gutes darüber gehört hatte und es eigentlich auch kein gutes Zeichen ist, dass sie um keine weitere Staffel verlängert wurde. Die Netflix-Serie basiert auf der Autobiografie von Start-Up-Gründerin Sophia Amoruso (#Girlboss), die ihr Geschäft mit dem Klamottenverkauf bei Ebay begann und schließlich mit ihrer eigenen Seite Nasty Gal Vintage Millionen verdiente. Britt Robertson spielt die quirlige, rebellische Sophia, die sich mehr schlecht als recht durch San Francisco schlägt, bevor sie erkennt, wie cool es ist, Klamotten vom eigenen Schlafzimmer aus zu verkaufen. Wer eine Serie über das Start-Up-Business erwartet, wird enttäuscht. Es ist in erster Linie eine Mädchen-Serie, in der es um die beste Freundin, süße Typen und coole Klamotten geht. Aber es geht auch um eine selbstbestimmte Existenz, um die Verwirklichung seiner Träume und ein bisschen auch um Frauenpower, auch wenn ich es immer ein bisschen zum Fremdschämen finde, wenn man Girlpower mit vulgären Sprüchen demonstrieren will. Obwohl die Hauptprotagonistin mit eine Spur zu selbstverliebt ist, hat mich Girlboss dennoch gut unterhalten. Nicht zuletzt wegen der reizenden Britt Robertson, der vielen 00er Jahre Referenzen und all der bekannten Gesichter aus dem Serien-Universum (Dean Norris, Nicole Sullivan, Melanie Lynskey).

Reingeguckt in…

Z – The Beginning of Everything (2015/17): Die Amazon-Serie mit Christina Ricci, die sich der Geschichte von Zelda und Scott Fitzgerald widmet. Literarische Tiefe sollte man nicht erwarten, aber wer sich wie ich für den Großen Gatsby begeistert oder eine Faszination für dieses einstige Ehepaar hegt, dürfte den Plot interessant finden. Und wenn auch nur, um ihn für völlig verkitscht und unglaubwürdig zu befinden.

Beendet…

The Walking Dead, Staffel 7 und New Girl, Staffel 5: Beide inzwischen Gewohnheitsserien, die kaum mehr überraschen. Und so haben beide Staffeln keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, außer die Frage, wie lange es damit wohl noch weitergehen kann (Im Falle von New Girl wohl nur noch eine Staffel).

Für grauenhaft schlecht befunden…

Wahrer Mist war leider The Mist (Der Nebel), die neue Stephen King Serie. Angefangen bei den Schauspielern, die allesamt sehr unterentwickelte, schablonenhafte Charaktere verkörpern bis hin zu der dürftigen Story, die an eine schlechte Variation von Under the Dome erinnert. Dass es von The Mist eine Fortsetzung geben wird, ist recht unwahrscheinlich. Umso ärgerlicher ist es, dass das Ende offen bleibt. Nebenbei bemerkt, ein typisches und sehr unbefriedigendes Netflix-Phänomen.

 

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6 Kommentare zu „Filme, Serien: Was im Sommer geschah“

  1. Bei „New Girl“ sind es ja tatsächlich noch zwei Staffeln (wenngleich eine davon auch eher kurz wird).

    Schade, dass „The Mist“ so schlecht ist. Hatte mir überlegt reinzuschauen, da ich den Film ziemlich beeindruckend fand in seiner Kompromisslosigkeit. Und ich mochte den Nebel als unbestimmte Bedrohung.

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    1. Stimmt, habe die 6. Staffel von New Girl unterschlagen, weil sie schon draußen ist.

      Ja, Nebel als Thema finde ich auch immer interessant, zumal es hier auch die Ängste der Leute aufgreift, was theoretisch eine gute Idee ist. Leider ist nur alles was drumherum geschieht sehr platt und alles andere als beeindruckend. Aber du kannst ja mal reingucken, vielleicht hast du einen anderen Eindruck. 🙂

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  2. Also ich würde auf jeden Fall auch sagen, dass man sich trotz geringem Fernsehkonsum Filmfan bezeichnen darf…es kommt ja mehr auf den Willen als auf die tatsächliche Umsetzung an 😉!
    Schade das Der Nebel so schlecht wurde (wobei, bei dem Film jetzt auch nicht sehr verwunderlich) der hätt mich vom Trailer her nämlich interessiert.
    Uh…so Nostalgie-Mädls-Abende mach ich total gern mit meinen Freundinnen – da fällt mir glatt auf, dass der letzte eh schon wieder einige Zeit her ist 😉

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    1. Vor allem wurmt mich, dass ich es kaum noch ins Kino schaffe. Das ist ja eigentlich das wahre Filmerlebnis.
      Soweit ich weiß, basiert „Der Nebel“ auf einer Kurzgeschichte von Stephen King und nicht auf dem Film oder? (Passend zu deiner King Challenge :D). Bin mir gar nicht sicher, ob ich den entsprechenden Film dazu überhaupt kenne. War es „The Fog“?

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      1. Das kann ich verstehen…ich liebe es auch ins Kino zu gehen und zu Hause ist zwar auch schön aber wie du sagst, das wahre Erlebnis hat man halt nur auf der großen Leinwand.
        Es gab sogar 2 Verfilmungen von der Nebel – die eine hieß bei uns The Fog und die andere Der Nebel hab beide schon mal gesehen und bin eigentlich ganz froh, dass DerStigler die rezensieren muss😁😉

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