Stephen Chbosky: The Perks of Being a Wallflower

Buchcover: Stephen Chboskys The perks of being a wallflower

Five minutes of a lifetime were truly spent, and we felt young in an good way. I have since bought the record, and I would tell you what it was, but truthfully, it’s not the same unless you’re driving to your first real party, and you’re sitting in the middle seat of a pickup with two nice people when it starts to rain.


Stephen Chbosky: The Perks of Being a Wallflower

Eine Zeit, in der ein Song dein Leben verändern kann, in der die richtigen Freunde alles bedeuten – davon erzählt Stephen Chboskys Coming-of-Age-Roman The Perks of Beeing a Wallflower (1999), der mir neulich in der Jugendabteilung meiner Bibliothek in die Hände fiel. Ich hatte mich dorthin verirrt, weil mein eigener kleiner Klops mir dorthin entlaufen war. Und als ich mich so umsah, war ich erstaunt, so viele Bücher zu entdecken, die ich gern gelesen hätte. Interessant eigentlich, dass man irgendwann aufhört, Jugendliteratur zu lesen, als würde sie einen nichts mehr angehen. Dabei sind es Bücher wie J.D. Salingers Der Fänger im Roggen oder Die Mitte der Welt von Andreas Steinhöfel, deren Wirkung mir am stärksten in Erinnerung geblieben ist. Vielleicht ist Jugendliteratur das wichtigste Genre überhaupt, weil sie uns in einem Alter erreicht, in dem man noch so leicht zu beeindrucken ist.

Stephen Chboskys The Perks of Beeing a Wallflower, 2012 vom Autor sehr gelungen verfilmt (dt.: Vielleicht lieber morgen), bringt die ambivalente Stimmung eben dieses Alters perfekt zum Ausdruck. Diese Zeit der ersten Male, in der man beginnt seine bisherige Lebenswelt, die Familie, in Frage zu stellen und Songs, Bücher und vor allem Freundschaften einem offenbaren, wer man sein könnte.

Worum es geht

Kurz vor seinem ersten Tag an der High-School beginnt Charlie damit, Briefe an einen nicht näher bezeichneten Freund zu schreiben, der von nun an der Adressat all seiner Ängste und Sorgen wird. Charlie ist das, was man gemeinhin ein Mauerblümchen nennt; schüchtern, unerfahren, von den meisten seiner Mitschüler ignoriert. Im Abseits entwickelt er jedoch eine außergewöhnliche Beobachtungsgabe: mit kindlicher Naivität und großer Empathie versucht er sich ein Bild über das wahre Wesen seiner Mitmenschen zu machen.

Da sind seine Eltern, die in ihrer eigenen Jugend doch ganz anders gewesen sein müssten, sein Bruder, Football-Spieler und Stolz der Familie, die Schwester, die ihren Freund erst zu respektieren beginnt, als dieser sie schlägt, und seine Mitschüler, die in der High-School plötzlich wie ausgewechselt zu sein scheinen. Und dann sind da noch die Stiefgeschwister Patrick und Sam mit ihrer leicht skurrilen Clique, in der Charlie das erste Mal das Gefühl hat, verstanden zu werden.

Auf die ersten Partys, die ersten Drogentrips, die erste Liebe und die ersten lebensverändernden Mixtapes folgt die Erkenntnis, dass in Charlie ein schweres  Kindheitstrauma schlummert, dem er sich stellen muss, um endlich aktiv am Leben teilzuhaben, statt nur vom Rand aus zuzugucken.

Warum es lesenswert ist

Es wird viel geweint und lamentiert in Chboskys Coming-of-Age-Roman. So gut Charlie auch darin ist, den Schmerz der anderen zu verstehen, weiß er seinen eigenen lange nicht richtig zu deuten. Trotz der ernsten Thematik schafft Chbosky es dennoch, dem Roman einen überwiegend beschwingten und letztlich lebensbejahenden Ton zu geben. Die Briefe, die Charlie, an den unbekannten Freund schreibt, sind so schlicht und unschuldig, sie könnten genauso gut das Tagebuch eines x-beliebigen Teenagers sein, der noch völlig unzynisch für Musik und Mädchen schwärmt, die Macht der Literatur für sich entdeckt und seinen Platz im Leben sucht.

Umso wirkungsvoller ist der Bruch gegen Ende des Romans, als klar wird, dass Charlie weit größere Probleme hat als den nächsten Schulball oder eine unerwiderte Liebe. Es ist dieser Bruch, das Nebeneinander von Schmerz und Lebensfreude, Trauma und Aufbruchsstimmung, das dem Roman seine Tiefe verleiht und ihn von anderen Vertretern seines Genres abhebt.

Try to be a filter, not a sponge.

Nach dem Buch musste ich mir natürlich gleich noch mal die Verfilmung ansehen und tatsächlich handelt es sich hier um einen der seltenen Fälle, in denen Roman und Film so nah beieinander liegen, dass sie die gleiche Stimmung erzeugen. Wenn auch der Film wie so oft nur eine sehr komprimierte Version des Romans darstellt, der folglich sehr viel intensiver ist. Dafür wirkt Charlie im Film wesentlich cooler, was an dem insgesamt sehr coolen Setting liegen könnte, das scheinbar in eine andere Zeit verlegt wurde (Bowie statt Cobain) oder auch an der starken Besetzung (Logan Lerman, Emma Watson, Ezra Miller). So oder so, Buch und Film gehören definitiv zu den Highlights des Coming-of-Age Genres.

Interesting Fact: Im Film wird Charlies Mutter von Kate Walsh gespielt, die in 13 Reasons Why in einer beinahe identischen Rolle die Mutter von Hannah Baker spielt. Ohnehin hatte ich beim neuerlichen Sehen des Filmes das Gefühl, dass die Netflix-Serie sich hier einiges von der Ästhetik abgeguckt hat.

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