Serien: Was im Winter geschah II

Ich weiß ja nicht, wie ihr das schafft, liebe Mitblogger, aber ich bin selten richtig up to date mit meinen Beiträgen. Vielleicht ist es auch ein unmögliches Unterfangen, inmitten von Job, Kind und Co. alles zu dokumentieren, was man so liest und schaut. Und natürlich ist es auch nicht gerade hilfreich, wenn man sich statt auf eine Sache gleich auf mehrere konzentriert. Aber so unvernünftig und ineffizient das auch ist, ich möchte mich nicht zwischen dem Buch- und dem Filmbloggen entscheiden. Dafür macht mir beides gerade einfach zu viel Spaß.

Konkret bedeutet das, alles wofür in den letzten Monaten keine Zeit war, wird eben kompakt zusammengefasst. Nach den Filmen des Winters sind nun die Serien an der Reihe. Die Auswahl (u. a. Fargo, Black Mirror, Riverdale) ist ziemlich netflixlastig, was mir zunehmend zu denken gibt. Vor ein paar Jahren wäre eine solche Abhängigkeit und damit ja auch Einschränkung des eigenen Sichtfeldes noch unvorstellbar gewesen (man stelle sich mal vor, man konsumiert nur noch Produktionen einer ganz bestimmten TV-App). Aber ganz so schlimm ist das nun doch nicht. Mit Mr. Robot entdecke ich gerade, dass auch Prime einiges zu bieten hat. Und außerdem sind die meisten Netflix-Serien leider nun mal verdammt gut.

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via Giphy

Serienbinge-Wahn im Dezember

Die Feiertage förderten den Junkie in mir. Ich war süchtig nach Dark, beendete Downton Abbey und This is Us und schaute innerhalb einer Nacht die Jessica Biel Netflix-Serie The Sinner (2017), einen Psychothriller, der mich mit seinen Cliffhangern einfach nicht vom Haken ließ. Jessica Biel spielt darin eine junge Mutter, die scheinbar aus heiterem Himmel Amok läuft. In 8 Folgen versucht der verkorkste Ermittler Bill Pullman dahinterzukommen, wie es dazu kommen konnte und enthüllt nach und nach ein tief sitzendes Trauma, das bis in die Kindheit der Täterin zurückführt, die mit einer krebskranken Schwester in einem streng religiösen Haushalt aufwuchs.

Wenn der Serie auch nicht die Tiefe gelingt, die sie mit der Charakterisierung des Detectives vielleicht anstrebt (warum sollte dieser Mann, der genug eigene Probleme hat, so viel Anteilnahme für die Täterin aufbringen?), ist sie doch hochspannende Unterhaltung.

Gefreut habe ich mich außerdem über die 2. Staffel der Anthologie-Serie Easy, die ein Wiedersehen mit alten Bekannten brachte. Nach den ersten sehr amüsanten Folgen war die Luft allerdings schnell wieder raus und mir wurde es einfach zu schwafelig. Sehenswert war die Episode Side Hustle, in der sich ein Uber-Fahrer, der eigentlich Comedian ist, und eine Prostituierte, die eigentlich Autorin ist, immer mal wieder im Gewimmel der Großstadt begegnen. Außerdem interessant: das Experiment einer offenen Ehe und wie es mit der Bierbrauerei der ungleichen Brüder weitergeht.

Angefangen habe ich außerdem mit Mr. Robot, einer Prime-Serie aus der Perspektive des genialen wie depressiven Hackers Elliot. Ein ziemlich düsterer Antiheld, der  sofort großen Eindruck hinterließ und auf jeden Fall weiterverfolgt wird.

Januar: Netflix sei Dank

Das neue Jahr begann mit der 4. Staffel Black Mirror. Mit 6 Episoden war sie für meine Begriffe viel zu kurz, dafür hatte sie mal wieder viele denkwürdige Szenen zu bieten. Klar, die Wtf-Momente sind seltener geworden. Schließlich rechnet man in jeder Folge geradezu mit einer schrägen Zukunftsvision. Und die erste Folge im Star-Trek-Look war so gar nichts für mich. Nichtsdestotrotz gibt es noch Episoden, die schocken (etwa Crocodile oder Metalhead), zum Nachdenken anregen (Arkangel) oder schlicht irre sind (Black Museum). Letztere macht sich übrigens einen Spaß daraus, viele Technologien aus vorherigen Episoden auszustellen und so deutlich zu machen, dass die losen Folgen doch irgendwie zusammenhängen.

Meine Lieblingsfolge in der 4. Staffel ist aber Hang the DJ, die in einer Welt spielt, in der Menschen sich ihre Partner nicht mehr selbst aussuchen, sondern von einem Algorithmus zugewiesen bekommen – und zwar gleich mit einer Ablauffrist für die Beziehung. So daten sie sich von Partner zu Partner, bis sie nach einer ausreichend langen „Übungsphase“ endlich dem „Richtigen“ zugewiesen werden. Eine verrückte Idee und doch gar nicht so abwegig, angesichts des heutigen Tinder-Wahns.

Eine weitere Serie, die ich im Januar gern gesehen habe, war Atypical (2017), die Netflix-Serie um den 18-jährigen Autisten Sam, der eine Freundin sucht. Es ist ein liebevoll inszenierter Mix aus wohligem Familiendrama und Comedy, bei dem vor allem in Vordergrund steht, wie der Autismus das Leben von Sam und seiner Familie beeinflusst. Während Sams Schwester versucht mit Leistungssport auf sich aufmerksam zu machen, stürzt die überforderte Mutter (Jennifer Jason Leigh) sich in eine Affäre mit dem Barkeeper. Letztere ist tatsächlich auch mein einziger Kritikpunkt an der Serie. Jason Leigh fungiert hier auch als Produzentin und sollte eigentlich wissen, dass sie für die Rolle der Mutter fehlbesetzt ist. Denn statt sich auf die Story zu konzentrieren, muss man sich leider immer wieder fragen, wie eine Frau, die angeblich in den letzten 18 Jahren keine Minute für sich hatte, es geschafft haben soll, sich währenddessen etlichen Schönheitsoperationen zu unterziehen. Bitte, liebe Hollywood-Frauen, altert doch in Würde – auch das wäre ein Grund, den Time’s Up Button zu tragen.

Und schließlich, ebenfalls ein Highlight, die 3. Staffel Fargo, die etwas gebraucht hat, um richtig zu zünden, dann aber doch wieder ein Riesenspaß war. Auch in der 3. Staffel bleibt Fargo seinem Konzept treu: Im winterlich weißen Minnesota kommt es zu einem Mord aus purer Dummheit, der dann aber doch irgendwie mit dem organisierten Verbrechen zusammenhängt. Ein schlichter Sheriff aus irgendeinem Kaff hat das Vergnügen, den Schlamassel aufzudecken.

Die Rolle des zivilen Trottels, in den vorherigen Staffeln grandios gespielt von Martin Freeman (Staffel 1) und Jesse Plemons (Staffel 2), wird in dieser Staffel von niemandem geringeren als Ewan McGregor übernommen – und das gleich in einer Doppelrolle. McGregor spielt die Brüder Stussy, die in ihrem jahrzehntelangem Streit zu weit gehen und sich so versehentlich ein paar richtig fiese Gangster ins Haus holen. McGregor dabei zuzusehen wie er auf der einen Seite den naiven Ray und auf der anderen den arroganten Emmit verkörpert, ist einfach herrlich. Und als dann noch ein alter Bekannter aus Staffel 1 auftaucht und das Bad Girl (Mary Elisabeth Winstead) aus dem Gefängnisbus rettet, gibt es kein Halten mehr. Die 3. Staffel hat sicherlich ihre Schwächen (da wäre zum einen das Ende oder die wirklich ekelhaften Zähne des Antagonisten), aber in puncto schwarzer Humor und Action kann sie allemal an ihre Vorgänger anknüpfen.

Wie schon Jesse Plemons und Kristen Dunst in Staffel 2, haben übrigens auch Ewan McGregor und Mary Elisabeth Winstead am Set von Fargo angebandelt. Was ist da los?

Februar: Wenn der Luke Perry mit der Molly Ringwald

Mein Februar wurde dominiert von Riverdale, der allseits gehypten Netflix-Serie, die schon länger auf meiner Liste stand. Weil ich seit jeher eine Schwäche für Teenie-Serien habe, hatte ich erwartet, sofort hin und weg zu sein. Das war nicht der Fall. Es hat eine Weile gedauert, bis ich die Serie als das begriffen habe, was sie ist: eine überzeichnete Comic-Verfilmung um zwei Power-Pärchen, wie sie ein Seth Cohen nicht hätte besser zeichnen können. Und wie soll man auch eine Serie verschmähen, dessen Hauptprotagonist der fiktiven Ehe von Luke Perry und Molly Ringwald entstammt?

Und dann ist da noch Skeet Ulrich als Jugheads Vater, der so gar nichts mehr von dem Psychopathen Billy Loomis an sich hat.  Aber ich denke, über Riverdale muss ich mich nochmal gesondert auslassen. Die letzten Folgen der aktuellen 2. Staffel stehen noch aus.

Ansonsten war im Februar serientechnisch wenig los: Nach einem Blick in die 8. Staffel The Walking Dead konnte ich mich nur darüber wundern, mit welcher Konsequenz die Serie verkümmert. Und ein Blick in die 6. Staffel New Girl ließ hoffen, dass zu guter Letzt der alte Nick-Jess-Zauber wieder entfachen könnte. Aber das ist nur eine vage Hoffnung, denn auch diese Serie baut immer weiter ab.

Wenigstens haben wir wieder angefangen, The Wire (2002-2008) zu schauen, auch wenn es im Original fast ein Ding der Unmöglichkeit ist.

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