Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit

Buchcover: Eine kurze Geschichte der Menschheit von Yuval Noah Harari
(c) Pantheon Verlag

Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Würden diese schweren Fragen immer so  leicht, klug und unterhaltsam behandelt wie von Yuval Noah Harari in seinem Bestseller Eine kurze Geschichte der Menschheit (2011), würde ich vermutlich mehr Sachbücher lesen. Oder anders gesagt: Ich wünschte, man hätte mir Geschichte in der Schule so lebendig präsentiert. Dann hätte ich vermutlich mehr davon behalten.

Eine kurze Geschichte der Menschheit ist pures Vergnügen für Wissenshungrige. Mit Präzision und Leichtigkeit umreißt das Buch die letzten 70.000 Jahre unserer Zeitrechnung und damit den Aufstieg des Menschen vom ,,ziemlich unauffälligen Tier“ zum Herrscher über den Planeten. Wie konnte sich der Homo sapiens gegen die anderen Menschenarten behaupten? Wie glücklich war das Leben der Jäger und Sammler und warum gaben diese ihr freies Nomadenleben auf, um Bauern zu werden? Warum wurden vor allem die Gene der fügsamsten und fürsorglichsten Frauen an die nächste Generation weitergegeben? Welche Folgen hatten Ackerbau und Städtegründung für den Menschen? Welche die industrielle Revolution?

Wie kommt es, dass wir einst ein Leben im Einklang mit der Natur führten und uns im Laufe der Zeit lieber zu Sklaven von Uhrzeit, Geld, Bürokratie und Konsum gemacht haben?  Hat uns diese Entwicklung glücklich gemacht? Was ist Glück überhaupt? Wie sieht der Mensch der Zukunft aus und was ist eigentlich sein Ziel?

Götter, Nationen, Geld, Menschenrechte und Gesetze gibt es gar nicht – sie existieren nur in unserer kollektiven Vorstellungswelt. (Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit)

All diese Fragen könnte ich euch nach diesem Buch wohl einigermaßen beantworten. Aber damit würde ich euch nur um das Vergnügen bringen, dieses Buch selbst zu lesen. Und das solltet ihr. Warum macht man es nicht gleich zur Pflichtlektüre im Geschichtsunterricht, wenn wir schon dabei sind? Damit ein jeder Mensch zukünftig einmal die Gelegenheit bekommt, sich darüber Gedanken zu machen, an welchem Punkt seine Gattung steht.

Heute löscht die Menschheit zahlreiche Arten aus und könnte sich sogar selbst ein Grab schaufeln, doch anderen Arten kommt dies sehr entgegen. Ratten und Kakerlaken erleben beispielsweise ein Goldenes Zeitalter. Diese zähen Lebewesen würden selbst unter den rauchenden Trümmern des nuklearen Holocaust ihre DNA weitergeben. Vielleicht werden intelligente Ratten in 65 Millionen Jahren voller Dankbarkeit auf die Verheerungen zurückblicken, die wir Menschen heute anrichten, genau wie wir heute auf den Meteoriten zurückblicken, der die Dinosaurier ausradierte. (Eine kurze Geschichte der Menschheit)

Im Übrigen ist das Fazit, das Harari zieht, zwar durchaus ein kulturpessimistisches, aber irgendwie doch auch ein beruhigendes. Welche Rolle spielen schon die Tragödien eines einzelnen Menschen, wenn Glück genauso eine Illusion ist wie das gesamte System, das wir uns im Laufe der letzten 70.000 Jahre erschaffen haben, um die Sinnlosigkeit unseres Daseins vergessen zu machen. Wenn alles ohnehin Illusion ist, können wir uns guten Gewissens unseren eigenen hingeben. Klingt deprimierend? Ist aber doch eigentlich eine große Erleichterung.

Wir sind nicht mehr als das Produkt eines evolutionären Prozesses, der ohne Zweck oder Ziel agiert. Unser Leben ist nicht Teil eines göttlichen Plans für das gesamte Universum, und wenn die Erde morgen in die Luft fliegen sollte, würde das Universum wie gewohnt seinen Routinen nachgehen. Niemand würde uns Menschen mit unseren subjektiven Empfindungen vermissen. Daher ist jeder Sinn, den wir unserem Leben geben, reine Illusion. (Eine kurze Geschichte der Menschheit)

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