Bad Banks – Staffel 1

Postapokalyptische Unruhen zwischen Wolkenkratzern, Bankautomaten, die kein Geld mehr ausspucken und mittendrin eine Person im schwarzen Hoody, die sich ihren Weg durch die Menge bahnt. Fast denke ich, ich hätte versehentlich Mr. Robot eingeschaltet, aber nein, es ist Bad Banks, DIE deutsche(-luxemburgische) Serie des noch jungen Jahres, die sich so bescheiden in der ZDF-Mediathek verbirgt.

Bescheiden, weil man dem Rosamunde-Pilcher-Sender eine solche Serie eigentlich gar nicht zutraut und folglich überrascht ist, wenn die Serie um die Abgründe der Finanzbranche in ihren Bann zieht. Ähnlich wie 4 Blocks sticht Bad Banks vor allem durch Mut aus der deutschen Serienlandschaft heraus. Den Mut zu einer Radikalität, die Atmosphäre erzeugt, den Mut dazu, auf starke Figuren zu setzen. In den sechs Folgen der 1. Staffel sehen wir der jungen Investmentbankerin Jana Liekam dabei zu, wie sie sich durch das amoralische Labyrinth der Frankfurter Finanzwelt kämpft und dabei versucht, sich nicht von ihrem überlebensgroßen Ehrgeiz auffressen zu lassen.

Worum es geht

Als die Nachwuchs-Bankerin Jana Liekam (Paula Beer) ihren sexistischen Macho-Chef Luc bei einem Kundengespräch übertrumpft, wird sie wenig später aus der Bank geworfen. Gerade noch rechtzeitig schafft sie es, Oberchefin Leblanc (Désirée Nosbusch) wegen dieser Ungerechtigkeit zur Rede zu stellen, die ihr überraschend eine Stelle bei der Konkurrenz verschafft. Was wie eine Solidaritätsbekundung unter Frauen aussieht, stellt sich schon bald als abgekartetes Spiel heraus. Denn kaum ist Jana im neuen Job angekommen, verlangt Leblanc Insiderinformationen, die sie gegen die Bank verwenden kann.

Und tatsächlich, so erfolgreich sie im neuen Job auch ist und so sehr sie sich auch mit ihren neuen Kollegen und ihrem neuen Chef verbunden fühlt, von denen ein jeder so sein Päckchen zu tragen hat, spioniert sie doch herum und findet schnell heraus, dass die Bank mit unsauberen Methoden arbeitet. Um die Bilanz zu beschönigen, verkauft diese Schrottpapiere an eine eigens zu diesem Zweck gegründete Scheinfirma. Jana ist hin- und hergerissen zwischen kaltblütigen Karrierezielen und der Loyalität gegenüber ihrem neuem Arbeitgeber. Als sich dann auch noch ihr Privatleben endgültig auflöst, entscheidet sie sich für den radikalen, hundertprozentig eigennützigen Weg: Sie leakt die brisanten Unterlagen und beschwört damit eine Bankenkrise herauf.

Wie abgefuckt muss man als Investmentbanker eigentlich sein?

Eine Serie, die in der Frankfurter Finanzbranche spielt? Klingt zunächst ziemlich dröge. Zum Glück ersparen uns die Serienmacher allzu fachspezifische, trockene Dialoge und lassen lieber markante Charaktere durch ihre Handlungen sprechen. Dabei scheuen sie nicht vor Abgründen zurück. Die Bodenlosigkeit der Finanzbranche wird hier durch Figuren verkörpert, die selbst völlig verkorkst sind. Gier, Minderwertigkeitskomplexe, Gewalt, Sex und Drogen – jeder hat etwas anderes, das ihn antreibt. Die große Gemeinsamkeit: Der Mangel an Loyalität und die Prämisse, der Mensch sei nun mal asozial und stehe sich selbst am nächsten.

Klingt schrecklich und doch – wie bei jeder guten Serie – ist hier nicht alles schwarz oder weiß. Die Charaktere erwecken Empathie, so unsympathisch sie auch wirken mögen. Da ist der ehrgeizige Verkäufer Adam (toll: Albrecht Schuch), eigentlich ein seriöser Familienvater, der die täglichen Adrenalinschübe bei illegalen Kämpfen und in Sado-Maso-Schuppen auslebt. Die verbissene Thao, die auf der Suche nach Anerkennung zu Stalking und Gewaltverhalten neigt, der coole Fenger, der gerne einen auf dicke Hose macht und doch als einziger noch Prinzipien hat. Und natürlich ist da Jana selbst: eine junge, zierliche Frau, die zu Panikattacken neigt und auf den ersten Blick so gar nicht in diese erbarmungslose Männerdomäne passen will – die andererseits aber kein Problem damit hat, kaltblütig eine ganze Bank zu Fall bringen.

Selbst Luc, Janas widerlicher Ex-Chef, großartig gespielt von Marc Limpach, erweckt Mitgefühl. Denn er scheint der einzige zu sein, der die Sinnhaftigkeit seiner Arbeit in Frage stellt und versucht, durch die Liebe ein besserer Mensch zu werden. Auf seine völlig verschrobene Art ist er wohl der komischeste Charakter dieser Serie.

Bad Banks ist also nicht nur ein spannender Thriller, der die Perversion der Finanzbranche inszeniert, es ist vor allem auch eine psychologische Serie, die der Frage nachgeht, welche Auswirkungen ein solch entmenschlichter Job auf die Leute hat, die dem Traum nachjagen, reich und erfolgreich zu werden. Oder umgekehrt, wie abgefuckt muss man eigentlich sein, um als Investmentbanker zu arbeiten?

Interessant ist auch, dass wir diese auf Hochglanz polierte, kalte Finanzwelt hauptsächlich aus der Perspektive von Frauen erfahren. Sie sind diejenigen, die im Hintergrund die Strippen ziehen, die berechnend um Achtung und Erfolg kämpfen und die doch auch am meisten unter der traditionell männlichen Kumpanei in der Branche leiden. Doch Loyalität und Unterstützung sind nur dann eine Option, wenn die eine etwas gegen die andere in der Hand hat.

Dass man als Zuschauer nicht weiß, was die Banker da eigentlich genau machen, ist übrigens nicht schlimm. Wie das ganze System funktioniert und wo das Geld eigentlich herkommt, an dem sich alle berauschen, das wissen auch die Beteiligten selbst nur in etwa.

 

 

 

 

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