Filme, Serien: Was im Frühling geschah

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Der Film und ich, wir leben uns langsam auseinander, so scheint mir. Wie oft sitze ich vor Netflix und Co. und klick mich ewig durch das Angebot, nur um am Ende doch wieder die Folge einer Serie zu starten. Woran das liegt: Hauptsächlich am Mangel neuer, aber vor allem guter Filme. Denn entweder gibt es hier schon zig mal gesehene Blockbuster oder irgendwelche B-Ware, die scheinbar billig zu haben war und so fast immer enttäuscht.

Früher liebte ich es, die Videothek nach neuen Filmen zu durchstreifen. Heute gibt es in meiner Umgebung keine Videotheken mehr. Und ja Online-Videotheken mögen praktisch sein, aber es tut dann doch weh, für die einmalige Sichtung eines Filmes auf der heimischen Couch 5 Euro hinzublättern. Man nenne mich geizig, aber dann greife ich meistens doch lieber auf die magere Auswahl der Streaming-Dienste zurück…und werde enttäuscht. Ein Teufelskreis. Wie macht ihr das? Irgendwelche Tipps zur Filmauswahl im Online-Dschungel?

Im vergangenen Frühling gab es jedenfalls nur einen Film, der mich so richtig beeindruckt hat und das war Frances Ha. Selbst Lady Bird, das oscar-nominierte Regie-Erstlingswerk von Greta Gerwig, das ich vor kurzem im Open-Air-Kino sah, konnte es mit diesem leichtfüßigen Schwarz-Weiß-Film nicht aufnehmen.

An guten Serien mangelte es dagegen wieder mal nicht. Bad Banks und die 2. Staffel von 13 Reasons Why waren da nur die Spitze des Eisbergs. Letztere wird meiner Meinung nach zu Unrecht so hart kritisiert. Wer hier noch „Victim Blaming“ oder Gewaltverherrlichung unterstellt (wie zum Beispiel hier gelesen), der hatte bei der Serie Augen und Ohren geschlossen. Womit ich es im Frühling noch so zu tun hatte…

I wanted to save the world: Mr. Robot (Staffel 1+2)

Was für ein Gänsehaut-Moment, wenn Elliot am Ende der ersten Staffel von Mr. Robot (2015) zu den melodischen Klavierklängen des Pixies-Songs Where is my mind sagt, er wollte die Welt retten. Mindblowing – um es mal in Anlehnung an Fight Club zu sagen. Ein Moment, der in die Seriengeschichte eingehen wird, so wie diese ganze Prime-Serie überhaupt von einmaliger Intensität ist. Wir erleben die Welt aus der Sicht eines soziopathischen, drogensüchtigen Hackers. Düster aber doch relatable. Sieht man die Welt aus Elliots Augen, ist klar, dass sie gerettet werden muss. Warum kann es in Staffel 2 nicht so weitergehen? Die ersten Folgen empfand ich jedenfalls als zäh und redundant, vielleicht auch eine Spur zu pathologisch. Der Zuschauer verirrt sich im Wahn der Hauptfigur, wozu man schon in einer ganz besonders düsteren Stimmung sein muss. Und so haben wir erst einmal eine Pause eingelegt und uns etwas mit einer schneller voranschreitenden Handlung gesucht.

Der unglaubliche Fall des O.J. Simpson: American Crime Story – Staffel 1

Wer hat in Amerika noch mehr Einfluss als der weiße Mann? Der reiche und prominente selbstverständlich. Umso absurder, wenn dieser Umstand dadurch verschleiert wird, dass dieser Mann zufällig auch schwarz ist. So geschehen im Fall von O.J. Simpson, nachdem dieser 1995 dafür angeklagt wurde, seine Frau und deren Liebhaber ermordet zu haben. Um diesen Fall dreht sich die erste Staffel der Anthologie-Serie American Crime Story: O.J. v. the People (2016).

Und was ist das nur für eine eindrucksvolle Staffel. Nicht nur weil sie so fabelhaft besetzt ist (niemand geringerer als Cuba Gooding Jr. als O.J. und John Travolta als dessen eitler Staranwalt) oder weil sie uns die zweifelhafte Prominenz der Kardashians vor Augen führt (herrlich: David „Ross“ Schwimmer als O.J.s bester Kumpel Rob Kardashian), sondern weil sie diesen Fall in seinen Einzelheiten so genial zerpflückt, dass man nicht glauben kann, dass es sich tatsächlich so zugetragen hat. Wäre es eine ausgedachte Geschichte, würde man sie mit Sicherheit für unglaubwürdig halten.

Denn wie kann es sein, dass dieser Mann freigesprochen wurde, obwohl alle Beweise gegen ihn sprachen, obwohl bekannt war, dass er seine Frau immer wieder schwer misshandelt hat? Die simple Antwort: Weil er das Geld hatte, die richtigen Anwälte anzuheuern. Weil die Stimmung im Land nach dem Rodney-King-Fall den richtigen Nährboden bot, um aus O. J., der privilegierten Football-Legende und dem reichen Schauspieler, einen armen Schwarzen zu machen, der dem korrupten System zum Opfer fällt. Durch die Aufarbeitung des Gerichtsprozesses zeigt die Serie detailliert, mit welchen Mitteln das gelang und dokumentiert gleichzeitig das Versagen der anklagenden Staatsanwaltschaft, welche die Macht der Emotionen, die Macht einer guten Geschichte (dazu noch in Hollywood) schlicht vernachlässigt hat.

Ganz überragend dabei: Der gute Sterling K. Brown, den ich nach This is Us stark in mein Herz geschlossen hatte. Und der hier als Quoten-Schwarzer auf der Anklägerseite alle Sympathien auf sich zieht. Ich hoffe sehr, dass wir ihn in Zukunft noch viel öfter sehen.

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Love is in the Air…in der 3. Staffel

Was habe ich mich gefreut über die 3. Staffel Love auf Netflix. Ich könnte Gus und Mickey ewig beim Paar-Sein zusehen. In der neusten und leider letzten Staffel hat sich ihre Beziehung gefestigt. Doch auch dieser Zustand birgt so manche Unsicherheiten und Fettnäpfchen. So zum Beispiel als Gus Mickey mit zu seiner Familie nimmt, wo sich die Zukunft ihrer Beziehung entscheidet und Gus‘ dann doch gar nicht so Mr.-Nice–Guy-typischer Charakter endgültig zum Vorschein kommt – eines der vielen Highlights dieser Staffel. Dazu noch dieser coole L.A.-Vibe, der Soundtrack zwischen Weezer und Gangster-Rap, die nerdige Band von Gus,  das durchgeknallte Witchita-Filmset und die gute Bertie, die in ihrer Beziehung mit Randy in einer Sackgasse angekommen ist und sich in eine Affäre mit Kumpel Chris stürzt, mit dem die Chemie definitiv stimmt. Dann noch dieses überraschend romantische Ende. Ich werde diese Serie vermissen.

Von überforderten Mamas, alten Rapstars und hübschen Lügnerinnen

Pretty Little Liars (6. Staffel): Kurz war mein Interesse an dem Fortgang dieser Serie wieder aufgeblitzt. Aber wirklich nur sehr kurz, denn nachdem die 6. Staffel fulminant begann – die Mädels wurden in einer Art Puppenhaus gefangen gehalten und enthüllten im Anschluss endlich A’s Identität – geht das ganze einfach wieder von vorne los. 5 Jahre später, die High School ist vorbei, genauso wie so manche Beziehung, aber die vier haben nichts besseres zu tun, als sich wieder kopflos auf anonyme Drohungen einzulassen. Ich weiß nicht, wie viel Geduld ich noch mit diesen oberflächlichen Klischees inklusive Geschlechtsumwandlung oder plötzlich auftauchendem bösen Zwilling aufbringen kann. Aber immerhin, Staffel 7 muss ja das endgültige Ende bringen.

Milcheinschuss (1. Staffel): Wer bitte hat sich diesen deutschen Titel ausgedacht? Wenn man schon keine deutsche Synchro zu dieser australischen Serie bieten kann, dann behält man doch bitte auch den Original-Titel (The Letdown) bei. Aber wahrscheinlich sollte dieser plakative Titel verzweifelte Jung-Muttis ansprechen. Nun ja, ich gebe zu, meine Aufmerksamkeit hatte er. Zum Glück, denn diese Serie um eine kleine Selbsthilfegruppe frisch gebackener Mamas ist kurzweilig, lustig und sehr klug. Es geht darum, wie das Muttersein wie eine Bombe ins Leben einschlägt, wie man erst noch in diese Rolle hineinwachsen muss und wie man es schließlich doch schafft, wieder zu sich selbst zu finden. Schöne Serie und zu Unrecht so plakativ angeteasert. Denn so klamaukig wie sie in der ersten Folge scheint, ist sie gar nicht.

Rapture (2018): Dank dieser Hip-Hop-Doku-Serie von Netflix weiß ich jetzt, auf wen die Kids heutzutage so abfahren (soso, Logic also), was der gute Nas Jones so treibt und was eigentlich aus T.I. geworden ist.

Filme, die im Frühling meine Watch-List verstopften

  • Before the Flood (2016): Diese Dokumentation verfilmt Leonardo DiCaprios umweltpolitisches Engagement. Manchmal unfreiwillig komisch (DiCaprio zu einer Wetterstation in der Arktis: ,,Sieht aus wie Swimmingpool Zubehör.“), regt aber doch zum Nachdenken an, z. B. war mir vorher gar nicht bewusst, in wie vielen Produkten eigentlich Palmöl enthalten ist und wie katastrophal das ist. Also immer schön die Zutatenliste eurer Süßigkeiten checken.
  • Blood Diamond (2007): Dass Filme sich mit jeder neuen Sichtung verändern, zeigte mir dieser Film. Einst beeindruckendes Hollywood-Kino wirkte er dieses mal, nachdem ich inzwischen Idris Elbas Darbietung im Netflix-Film Beast of No Nation (2015) kenne, nur noch wie Hollywood-Kitsch.
  • Hin und weg (2014): Ich weiß gerne, was die Leute in meiner Nachbarschaft so treiben, besonders wenn ich sie aus Film und Fernsehen kenne. Und so habe ich die Gelegenheit genutzt, mir bei Netflix einen Film mit Volker Bruch und Miriam Stein (Unsere Vater, unsere Mütter) anzusehen. Es geht um eine Gruppe von Freunden, die auf einem gemeinsamen Fahrrad-Roadtrip herausfinden, dass einer von ihnen (Florian David Fitz) ALS hat und am Ende der Tour Sterbehilfe in Anspruch nehmen wird. Ist leider genauso kitschig wie es klingt. Volker Bruch aber ist großartig. Leider spielt nicht er, sondern Fitz die Hauptrolle und den kann ich aufgrund diverser Schnulzen-Komödien als Schauspieler gar nicht mehr ernst nehmen.
  • The Ritual (2018): Vier Engländer gehen in Schweden wandern, nehmen eine Abkürzung durch den Wald und werden von satanischen Mächten heimgesucht. Der Netflix-Horror wirkt wie eine wild zusammengewürfelte Mischung aus Blair Witch Project und Texas Chainsaw Massacre. Wie so oft bei solchen Filmen ergibt das Ende eigentlich keinen Sinn. Dann doch bitte den Zuschauer lieber ganz im Dunkeln lassen, statt ihn mit so einem Humbug zu enttäuschen. Eine nette Überraschung: Einer der Engländer ist Thomas Barrow aus Downton Abbey.
  • Terminator 2 (1991) im Osterprogramm. Dieser Film ist einfach zeitlos!
  • Kicking and Screaming (1995): Kaum zu glauben, dass dies das Erstlingswerk von Noah Baumbach sein soll. Demselben Regisseur, der für Frances Ha verantwortlich ist. Dieser Film um ein paar Kumpels, die sich nicht von ihrer Studienzeit lösen können, ist so langweilig, nichtssagend und schlecht besetzt, dass ich ihn einfach nicht zu Ende sehen konnte. Es hat schon seinen Grund, warum man von so manchem Film aus den 90ern noch nie etwas gehört hat.
  • Nick & Norah – Soundtrack einer Nacht (2008): Netter Film um zwei Teenager, die über ihren Musikgeschmack zueinander finden. Bei dieser Gelegenheit frage ich mich: Was ist eigentlich aus Michael Cera geworden?
  • The Nice Guys (2016): Gibt es eigentlich etwas, was Ryan Gosling nicht kann? Unbestreitbar hat er auch ein komödiantisches Talent, wie dieser Film beweist. Leider ist der Film mit Russel Crowe darüber hinaus nicht sonderlich gelungen. Ich könnte jedenfalls nicht mehr zusammenbringen, worum es da eigentlich geht.
  • Almanya – Willkommen in Deutschland (2011): Ein gelungenes und sehr witziges filmisches Denkmal für die türkischen Gastarbeiter hierzulande und dazu ein Familienfilm, der wie gemacht schien für unsere sommerliche Familienzusammenkunft an der Ostsee.

Worauf freue ich mich im Sommer?

Auf die 4. Staffel von The Affair. Auf die Romanverfilmung von Ian McEwans Am Strand und hoffentlich noch viele Abende im Open Air Kino. Auf der Filmliste stehen zumindest: I, Tonya, Transit und In den Gängen.

 

 

 

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