Horrorctober: Stephen Kings Es

Lesen im Herbstlaub: Stephen Kings Es

Obwohl ich mich jedes Jahr wieder auf Halloween freue, muss ich auch immer wieder feststellen, dass mein zartes Gemüt sich für das Horror-Genre wenig eignet. Das Leben ist schon aufregend genug, da braucht es kein zusätzliches Adrenalin, um mich nachts wach zu halten. Ich bin auch nicht jemand, der Bungeejumping für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung hält. Aber wenn da schon ein 1500 Seiten starker Roman darauf wartet, gelesen zu werden – Stichpunkt zweifelhafte Buchgeschenke – dann lässt mir das einfach keine Ruhe.

Zumal es sich bei Stephen Kings Es (1986) um einen Klassiker seines Genres handelt, der so häufig zitiert wird, dass er mittlerweile zum allgemeinen Kulturgut gehört. Dieser goldene Oktober schien mir ein guter Zeitpunkt, um nähere Bekanntschaft mit dem berühmten Horror-Clown zu machen.

Weiterlesen „Horrorctober: Stephen Kings Es“
Werbeanzeigen

Reisen im Selfie-Zeitalter: Pedal the World // Expedition Happiness

Ein Ausblick auf den Grand Ganyon.
Posen vor schönen Landschaften – zählt das schon als Reisedoku?

Wenn man gerade in der Babyblase lebt, rückt das Reisen, genauso wie das Sich-betrinken-und-bis-in-die-Morgenstunden-Tanzen-gehen, in unerreichbare Ferne. Zum Glück gibt es Filme, die ein bisschen von dieser Reiseaufregung ins heimische Wohnzimmer bringen. Nachdem ich gerade Expedition Happiness und seinen Vorgänger Pedal the World – beide von Netflix als Reisedokus deklariert – gesehen habe, bin ich tatsächlich etwas aufgebracht. Doch nicht wegen der schönen Reisebilder, sondern mehr darüber, dass sich diese Filme überhaupt Reisedokus nennen dürfen.

Von einem Sensationserfolg ist bei Expedition Happiness (2017) die Rede, von einem der erfolgsreichsten deutschen Dokumentarfilme in den letzten Jahren bei seinem Vorgänger Pedal the World (2015) – beide Produktionen von Reise- und Filmamateur Felix Starck. Da fragt man sich: Wie niedrig ist die Erwartungshaltung an Reisedokus heute eigentlich und warum kommt nicht einfach jedes Urlaubsvideo in die Kinos? Außer schönen Landschaftsaufnahmen und jeder Menge Selfie-Posen, wie sie heute wohl ein jeder Tourist auf seiner Kamera hat, gibt es in diesen Filmen nämlich nur eins zu sehen: wie man sich medienwirksam selbst vermarktet. Weiterlesen „Reisen im Selfie-Zeitalter: Pedal the World // Expedition Happiness“

Marlène Schiappa: Wer braucht schon Schlaf?

Romancover: Wer braucht schon Schlaf?Wer braucht schon Schlaf? Das ist aktuell der Refrain meines Lebens. Und weil ich das vor der Geburt von Nr. 2 schon irgendwie geahnt hatte, habe ich mir diesen mit dem Etikett „Frauen“ versehenen Roman von Marlène Schiappa in die Kliniktasche gesteckt.

Normalerweise bin ich skeptisch mit solchen Etikettierungen. Dahinter steckt meist ein Kalkül, welches solche Romane vorhersehbar und uninteressant macht. In diesem Fall habe ich ein Auge zugedrückt, weil ich wusste, so ein bisschen leichte Frauenpower und ein paar Worte, die mir aus der Seele sprechen, würden mir ganz gut tun.

Und so war es auch. Wer braucht schon Schlaf? (2014) von der Französin Marlène Schiappa gehört definitiv in die Kategorie Chick Lit. Doch das im besten Sinne. Der Roman bedient bewusst die gängigen Klischees, setzt immer noch eine Schippe drauf, um die Gagdichte zu erhöhen. Macht sich aber auch einen Spaß daraus, die Erwartungen des Lesers zu untergraben und im schrillsten Ton Themen wie Feminismus und Mutterschaft zu verhandeln. Kurzum: Ich fühlte mich verstanden, gut unterhalten und meinerseits wie eine Romanheldin, so zwischen Narbenschmerzen und Milcheinschuss. Weiterlesen „Marlène Schiappa: Wer braucht schon Schlaf?“

September: Maniac // Sierra Burgess is a Loser

Im September kam Baby Nr. 2. Damit verwandelte ich mich praktisch über Nacht in ein milchspendendes Wärmekissen, lag viel im Bett und beobachtete den Herbstbeginn von meinem Fenster aus. Während das Baby, das so ganz anders gestrickt zu sein scheint als seine Schwester, das Goldwerden der Bäume verschlief, las ich ein paar Bücher und fütterte Google mit sinnlosen Suchanfragen (Wie viel Schlaf ist normal für ein Baby?).

Ich wäre aber nicht ich, wenn mir diese Bildschirmzeit schon ausgereicht hätte. So sehr mir der Schlafmangel in der Nacht auch zusetzt, auf meine Stunde Serienzeit am Abend verzichte ich nur ungern. Wie ein gutes Buch (für das ich abends meistens zu erschöpft bin) braucht mein Hirn sie als Ausgleich zum ewigen Stillen und Wickeln. Und so haben auch in diesem September, der ganz im Zeichen unseres neuen Mädchens stand, ein paar Netflix-Neuheiten meine Aufmerksamkeit erregt. Wie die (leider zu Unrecht) viel beworbene Miniserie Maniac mit Emma Stone und Jonah Hill. Oder der Teeniefilm Sierra Burgess is a Loser.

Weiterlesen „September: Maniac // Sierra Burgess is a Loser“

The Affair – Staffel 4

In dieser 4. Staffel von The Affair beschlich mich zum ersten Mal das Gefühl, dass es nun abwärts geht mit dieser Serie, dass ihr Konzept einfach nicht mehr aufgeht. Das war noch bevor ich erfuhr, vor welcher Mammut-Aufgabe die Autoren in dieser Staffel standen: Weil eine/r der Hauptdarsteller/innen beschlossen hatte, die Serie zu verlassen, musste eine zentrale Figur herausgeschrieben werden.

Wäre das nicht gewesen, wäre sie mit Sicherheit ganz anders geworden diese Staffel. Schließlich hat sich Ende der 3. Staffel der Beginn einer wieder erblühenden Liebesgeschichte angedeutet, die nun keine Chance mehr bekommen hat. Stattdessen sehen wir: Vier Hauptcharaktere, die nicht weiter voneinander entfernt sein könnten, die nur noch so lose miteinander verbunden sind, dass nicht einmal mehr ein gemeinsames Geschehen vorhanden ist, dass es multiperspektivisch zu betrachten gäbe.

Nichts erinnert mehr an den Anfang. Das besondere Konzept, jede Folge aus zwei Perspektiven zu erzählen, geht nicht mehr auf, wenn jede Figur ihre ganz eigene Geschichte verfolgt. Erst am Ende, in den letzten beiden Folgen, hat es bei mir dann doch noch Klick gemacht. Hier schloss sich ein Kreis, hier fügte sich zusammen, was eigentlich längst nicht mehr zusammengehört. Ein großartiges Staffelfinale, das die Hoffnung zulässt, dass diese Serie vielleicht doch noch eine Staffel lang (Achtung: Großer Spoiler) ohne ihre weibliche Hauptfigur wird auskommen können. Weiterlesen „The Affair – Staffel 4“