The Affair – Staffel 4

In dieser 4. Staffel von The Affair beschlich mich zum ersten Mal das Gefühl, dass es nun abwärts geht mit dieser Serie, dass ihr Konzept einfach nicht mehr aufgeht. Das war noch bevor ich erfuhr, vor welcher Mammut-Aufgabe die Autoren in dieser Staffel standen: Weil eine/r der Hauptdarsteller/innen beschlossen hatte, die Serie zu verlassen, musste eine zentrale Figur herausgeschrieben werden.

Wäre das nicht gewesen, wäre sie mit Sicherheit ganz anders geworden diese Staffel. Schließlich hat sich Ende der 3. Staffel der Beginn einer wieder erblühenden Liebesgeschichte angedeutet, die nun keine Chance mehr bekommen hat. Stattdessen sehen wir: Vier Hauptcharaktere, die nicht weiter voneinander entfernt sein könnten, die nur noch so lose miteinander verbunden sind, dass nicht einmal mehr ein gemeinsames Geschehen vorhanden ist, dass es multiperspektivisch zu betrachten gäbe.

Nichts erinnert mehr an den Anfang. Das besondere Konzept, jede Folge aus zwei Perspektiven zu erzählen, geht nicht mehr auf, wenn jede Figur ihre ganz eigene Geschichte verfolgt. Erst am Ende, in den letzten beiden Folgen, hat es bei mir dann doch noch Klick gemacht. Hier schloss sich ein Kreis, hier fügte sich zusammen, was eigentlich längst nicht mehr zusammengehört. Ein großartiges Staffelfinale, das die Hoffnung zulässt, dass diese Serie vielleicht doch noch eine Staffel lang (Achtung: Großer Spoiler) ohne ihre weibliche Hauptfigur wird auskommen können.

Was passiert?

Wie am Ende der dritten Staffel befürchtet, kann The Affair in dieser Staffel nicht ohne Weiteres an die vorherige Handlung anknüpfen. Schließlich wurden die meisten Konflikte gelöst und das was die Figuren einst zusammenhielt ist längst passé. Neue Geschichten und Konflikte mussten her. Womit ich mich etwas schwer tat, weil ich das Gefühl hatte, ich würde plötzlich eine ganz neue Serie schauen. Oder viel mehr zwei neue Serien – so weit scheinen die einzelnen Handlungsstränge zu Beginn voneinander entfernt.

Genau genommen liegt zwischen den Figuren nun ein ganzer Kontinent. Denn Helen und Noah leben jetzt in LA. Helen hat Vic geheiratet und ist mit ihm und den jüngeren Kindern nach Kalifornien gezogen, wo sie unter der Sonne LAs nun missmutig ihren New Yorker Neurosen frönt. Problemchen, nach denen sie sich geradezu sehnt, als sie erfährt, dass Vic an Krebs erkrankt ist und eine Behandlung aus Prinzip verweigert. Und dann ist da noch ihre junge Hippie-Nachbarin, die am Ende dieser Staffel eine nicht unerhebliche Rolle spielen wird.

Noah Solloway ist der Kinder wegen ebenfalls nach L.A. gezogen, wo er an einer Problemschule Literatur unterrichtet und sich des schwierigen Schülers Anton annimmt, mit deren Mutter er zufällig auch im Bett landet. Mit diesem Dangerous Minds-Plot, der Noah auf den Leib geschrieben wurde, habe ich mich am schwersten getan. Denn er zeugte einfach davon, dass diese Figur einfach nicht mehr in diese Serie passt. Seine Geschichte wurde in der 3. Staffel auserzählt, seine Konflikte gelöst. Alles was jetzt noch hinzukommt, erscheint wie unnötiger Kleister, der ihn irgendwie mit einbinden soll. Und tatsächlich begibt er sich schließlich mit Anton auf einen Roadtrip, der ihn zu Cole und mit diesem auf die Suche nach Allison führt, mit der er inzwischen eine freundschaftliche Beziehung pflegt.

Allison selbst lebt ein zufriedenes Leben als berufstätige, alleinerziehende Mutter in Montauk. Wobei Cole immer noch derjenige ist, den sie zuerst anruft, wenn ihr Auto streikt. Nichtsdestotrotz findet sie in Ben, einem traumatisierten Kriegsveteranen, einen neuen Love Interest, ohne zu ahnen, dass auch dieser wieder verheiratet ist.

Während Allison ihr Leben neu ausrichtet, gerät Cole in eine Sinnkrise. Er erkennt, dass er dabei ist, sich in einen dieser Typen zu verwandeln, die er selbst niemals mochte. Und außerdem kann er weder vor sich selbst noch vor Ehefrau Luisa verbergen, dass er immer noch in Allison verliebt ist. Nach einem Selbstfindungstrip fasst er den Entschluss, sie zurückzugewinnen. Doch es ist zu spät. Allison ist verschwunden. Zusammen mit Noah (und Anton) begibt er sich auf die Suche.

Das Ende – oder wie soll es in Staffel 5 weitergehen?

Allison ist tot. So viel wissen wir am Ende der 4. Staffel. Doch wie es dazu gekommen ist, bleibt unklar. Während der Zuschauer in der vorletzten Episode zwei mögliche Versionen ihres letzten Abends geliefert bekommt – beide von ihr selbst wohlgemerkt, tappen Cole, Noah und Co. völlig im Dunkeln und glauben an einen Selbstmord. Die definitiv letzte 5. Staffel schuldet es ihren Charakteren, diesen Tod aufzuklären. Bisher gibt es jedoch nicht das kleinste Indiz dafür, dass es in diese Richtung gehen wird.

Selbst als Zuschauer kann man sich nicht sicher sein, dass das was man gesehen hat, tatsächlich der Wahrheit entspricht. Denn offensichtlich sind Allisons  gegensätzliche Versionen ihres letzten Abends einzig und allein dazu da, uns in die Irre zu führen. Wobei vieles dafür spricht, dass es sich bei der ersten Version um eine letzte Hoffnung handelt. Die Hoffnung, doch noch die Chance auf ein bisschen Glück zu bekommen. Eine Hoffnung, die ein Tagtraum bleibt. So unrealistisch, dass ich schon kurz davor war, abzuschalten. Bis dann die andere Version ins Spiel kam.

So grausam, so hoffnungslos – es muss einfach die „wahre“ Version sein. Dafür spricht nicht nur das stürmische Wetter, das mit dem Polizeibericht übereinstimmt, sondern auch dass hier endlich eine erstarkte Allison zum Vorschein kommt, die aus ihren Fehlern gelernt hat. Hier nimmt sie sich Helens Rat zu Herzen und will endlich einmal nicht mehr nur das Opfer sein. Nur dass es in dieser speziellen Situation keine Alternative zur Opferrolle gibt. Ihr Aufbegehren bezahlt sie mit dem Leben. Die einzige Frage, die sich mir hier noch stellte war: Wie kann es sein, dass Ben bisher nur als Gutmensch in Person daherkam, während er hier von Anfang an wie ein Psychopath wirkt? Ist es weil ihn Allison, nachdem sie die Wahrheit kennt, nicht mehr durch die rosarote Brille betrachtet?

In dieser Folge zeigt die Serie wieder einmal ihre Stärke: das raffinierte Spiel mit den Perspektiven, welche die Charakterisierung einer Figur gänzlich umkehren können. Davon hätte ich zwar gerne mehr gesehen, die letzte Episode hat mich dann aber doch noch versöhnlich gestimmt. Cole (großartig: Joshua Jackson), der loslassen und sich mit seinem Schicksal als alleinerziehender Vater abfinden muss, brach mir schier das Herz. Und dann Helen (noch großartiger: Maura Tierney), die man gefühlt das erste Mal lächeln sieht, nachdem sie ihren Frieden mit Noah und Vic geschlossen hat. Diese Momente waren es, die The Affair wieder zu einem wahren Drama gemacht haben.

Und so sind es auch diese beiden Figuren mit ihren neuen Herausforderungen, die ich in der 5. Staffel wiedersehen möchte. Ironischerweise sind es ausgerechnet die gehörnten Ehepartner, die Randfiguren, die erst in der zweiten Staffel einen eigenen Blickwinkel bekamen, die die Serie nun bis zu ihrem Ende tragen müssen.

2 Kommentare zu „The Affair – Staffel 4

    1. Ja, mir geht’s genauso. Ich hatte irgendwo gelesen, dass sie wegen einer anderen Serie ausgestiegen ist. Aber ob das so stimmt… Auf jeden Fall ist es schade, weil ich irgendwie doch immer auf ein Happy End für Alison und Cole gehofft hatte.

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