September: Maniac // Sierra Burgess is a Loser

Im September kam Baby Nr. 2. Damit verwandelte ich mich praktisch über Nacht in ein milchspendendes Wärmekissen, lag viel im Bett und beobachtete den Herbstbeginn von meinem Fenster aus. Während das Baby, das so ganz anders gestrickt zu sein scheint als seine Schwester, das Goldwerden der Bäume verschlief, las ich ein paar Bücher und fütterte Google mit sinnlosen Suchanfragen (Wie viel Schlaf ist normal für ein Baby?).

Ich wäre aber nicht ich, wenn mir diese Bildschirmzeit schon ausgereicht hätte. So sehr mir der Schlafmangel in der Nacht auch zusetzt, auf meine Stunde Serienzeit am Abend verzichte ich nur ungern. Wie ein gutes Buch (für das ich abends meistens zu erschöpft bin) braucht mein Hirn sie als Ausgleich zum ewigen Stillen und Wickeln. Und so haben auch in diesem September, der ganz im Zeichen unseres neuen Mädchens stand, ein paar Netflix-Neuheiten meine Aufmerksamkeit erregt. Wie die (leider zu Unrecht) viel beworbene Miniserie Maniac mit Emma Stone und Jonah Hill. Oder der Teeniefilm Sierra Burgess is a Loser.

Maniac (2018)

Sci-Fiction, Melodram oder doch nur Klamauk? Das Problem an dieser Miniserie ist, dass sie sich nicht entscheiden kann, was sie eigentlich sein will. Und so helfen auch die vielversprechende Grundidee, das tolle Setting und natürlich die großartigen Darsteller (Emma Stone & Jonah Hill) nicht. Selbst nach 8 von 10 Folgen wartete ich mehr oder weniger gelangweilt darauf, dass endlich etwas passierte und ärgerte mich darüber, dass nicht mehr daraus gemacht wurde. Immerhin ist die Rahmengeschichte toll: In einer retro-innovativen Zukunft kreuzen sich die Wege von Annie und Owen – sie tablettensüchtig und traumatisiert, er schizophren und paranoid. Beide nehmen an einer medizinischen Studie teil, bei der durch die Einnahme von drei Pillen sämtlicher Schmerz aus ihrem Leben getilgt werden soll.

Innerhalb dieser Rahmenhandlung besteht beinahe jede Folge aus einem Trip in das Unterbewusstsein der beiden. Und diese Traumsequenzen sind das Problem: Es ist absurder Nonsens, der so überhaupt nicht mit der Rahmenhandlung harmoniert. Mal wollen sie in schrillen 80er-Jahre-Outfits ein Tier aus den Fängen einer Gangster-Bande befreien, mal sind sie die Figuren in einem Film Noir und mal wandern sie auf den Pfaden der Herr der Ringe. Die albernen Kostümierungen mögen Emma Stone und Jonah Hill unheimlichen Spaß bereitet haben, mir hat sich die Sinnhaftigkeit dieser extrem langgezogenen Phantastereien nicht erschlossen. Klar, die Träume sollen Aufschluss über das Unterbewusstsein der Figuren geben. Aber dieser ganze wüste Genremix nimmt sich ja nicht einmal selbst ernst. Warum sollte ich ihn dann ernst nehmen? Schade um die gute Idee. Aber die Zeit hätte ich wohl besser in Schlaf investiert.

Sierra Burgess is a Loser (2018)

Ich gestehe: Ich bin 33 und ich liebe Teeniefilme. Zumindest wenn sie gut gemacht und nicht bloß nach Schema F abgespult werden. Dieser neue Netflix-Film gehört definitiv zu der gut gemachten Sorte. In der Hauptrolle: Shannon Purser, den meisten besser bekannt als Barb aus Stranger Things. Nachdem sie dort und auch in Riverdale schon ganz unverwechselbar die nerdige Außenseiterin gespielt hat, bekommt sie mit Sierra Burgess is a Loser nun einen eigenen Netflix-Film, der diese Rolle noch manifestiert. (Wobei seine Botschaft natürlich lautet: You are beautiful, no matter what they say).

Der Film kommt, wie gefühlt gerade jede Netflix-Produktion (siehe oben), im warmen Retro-Look der 80er daher und zollt mit seinen Requisiten und Schauspielern Tribut an die Klassiker seines Genres. So sind Sierras Filmeltern nicht umsonst mit Lea Thompson (Ist sie nicht wunderbar, 1987) und Alan Ruck (Ferris macht blau, 1986) besetzt. Auch Purser in ihrer Rolle als übergewichtige, aber durch und durch scharfsinnige und witzige Sierra Burgess atmet den Geist der John-Hughes-Figuren.

Und so weiß die Story, obwohl eine simple Verwechslungsgeschichte, wie man sie schon oft gesehen hat, durchaus mitzunehmen: Die zickige High-School-Schönheit Veronica gibt einem Jungen, der ihre Nummer will, böswillig die von Sierra Burgess, einer von ihr als Loserin abgestempelten Streberin. Nicht ahnend, dass er die Falsche an der Strippe hat, beginnt der Kerl Sierra zu schreiben und verliebt sich in ihre Worte. Um ihn weiterhin in dem Glauben zu lassen, er würde mit der schönen Veronica sprechen, schließt Sierra einen Pakt mit ebendieser und…diese Wendung kommt überraschend…freundet sich mit ihr an.

Eine authentische, warmherzige Teenie-Romanze wie aus dem Märchenbuch, die sich erfrischenderweise weniger auf die Liebesbeziehung als auf die Freundschaft der beiden Mädchen und die Mechanismen konzentriert, die sie stigmatisieren.

Was sonst noch geschah

Wochenbett hin oder her, wie schon in den letzten Sommerwochen war ich süchtig nach The Wire. In der 3. Staffel geht es vom Hafen wieder zurück auf die Straße, wo ein Major den Versuch wagt, eine Zone zu errichten, in der der Verkauf von Drogen toleriert wird. Gefühlsduselig wie ich diesen Monat war, trauerte ich um das Ende des Barksdale-Imperiums und vor allem um Stringer Bell. Leider kommt die Dauer von einer Stunde pro Folge Neueltern nur selten entgegen.

Außerdem sah ich diesen schönen Film mit Ethan Hawke und die letzte wirklich gelungene, wirklich traurige Folge der 4. Staffel von The Affair.

 

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