Marlène Schiappa: Wer braucht schon Schlaf?

Romancover: Wer braucht schon Schlaf?Wer braucht schon Schlaf? Das ist aktuell der Refrain meines Lebens. Und weil ich das vor der Geburt von Nr. 2 schon irgendwie geahnt hatte, habe ich mir diesen mit dem Etikett „Frauen“ versehenen Roman von Marlène Schiappa in die Kliniktasche gesteckt.

Normalerweise bin ich skeptisch mit solchen Etikettierungen. Dahinter steckt meist ein Kalkül, welches solche Romane vorhersehbar und uninteressant macht. In diesem Fall habe ich ein Auge zugedrückt, weil ich wusste, so ein bisschen leichte Frauenpower und ein paar Worte, die mir aus der Seele sprechen, würden mir ganz gut tun.

Und so war es auch. Wer braucht schon Schlaf? (2014) von der Französin Marlène Schiappa gehört definitiv in die Kategorie Chick Lit. Doch das im besten Sinne. Der Roman bedient bewusst die gängigen Klischees, setzt immer noch eine Schippe drauf, um die Gagdichte zu erhöhen. Macht sich aber auch einen Spaß daraus, die Erwartungen des Lesers zu untergraben und im schrillsten Ton Themen wie Feminismus und Mutterschaft zu verhandeln. Kurzum: Ich fühlte mich verstanden, gut unterhalten und meinerseits wie eine Romanheldin, so zwischen Narbenschmerzen und Milcheinschuss.

Worum es geht

Morgane und Emilie waren zu Schulzeiten beste Freundinnen. Knapp 15 Jahre später könnten sie einander nicht fremder sein. Während Morgane in der Zwischenzeit zur taffen Karrierefrau in der Werbebranche mutiert ist, lebt Emilie das Leben einer Vollblutmutter in der Pariser Vorstadt. Doch was in den sozialen Medien so aufregend bzw. heimelig aussieht, ist in Wirklichkeit nur Schein. Beide Frauen sind mit ihrer Situation unglücklich und beneiden die jeweils andere. Emilie kompensiert den Frust ihres Ehe- und Hausfrauenlebens mit tonnenweise Keksen und Morgane wird bewusst, dass ihre Karriereziele vermutlich nicht mit ihrem Kinderwunsch zu vereinbaren sind.

Als die beiden sich wiedersehen, machen sie einen Deal: Morgane soll Emilie dabei helfen, einen guten Job an Land zu ziehen. Im Gegenzug dafür soll diese Morgane in die Geheimnisse der Mutterschaft einweihen. Klingt simpel, erweist sich aber natürlich als gar nicht so einfach. Denn was für die eine geht, ist für die andere noch längst keine Option. Immerhin haben sie aber wenigstens wieder ihre Freundschaft, um die Krisen und Fettnäpfchen gemeinsam durchzustehen.

Was lernen wir daraus? Niemand hat uns vorzuschreiben, was eine gute Mutter oder eine echte Feministin ausmacht – eine jede Frau muss für sich selbst herausfinden, womit sie leben kann. Ist es nicht schließlich diese Entscheidungsfreiheit, für die der Feminismus einsteht?

Es ist nun mal unmöglich, uns in eine Schublade zu stecken. Wir sind keine Punkte mit festen Koordinaten, sondern ständig in Bewegung. (Marlène Schiappa: Wer braucht schon Schlaf?)

Ich jedenfalls bin beim zweiten Kind schon wesentlich entspannter als beim ersten und lasse mich von diesem existenziellen Dilemma, mit dem sich Mütter herumschlagen müssen, nicht mehr stressen. Was bringt es jetzt,  sich verrückt zu machen, ob man eine gute Mutter ist oder seine beruflichen Ziele ehrgeizig genug verfolgt? Man kann sich auch später wieder selbst geißeln. Diese erste Zeit mit den Kleinen aber, die wird niemals wiederkommen. Sie mag manchmal frustrierend, überfordernd, langweilig und alles andere als instagramable sein, aber im Großen und Ganzen ist sie doch unvergleichlich wunderbar.

Davon erzählt dieser „Frauenroman“ mit einem Augenzwinkern.

 

 

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.