Oktober: Über das Glück

Oktober, das war Kinderwagenschieben durch goldenes Herbstlaub, das waren warme, weiche Croissants, liebe Besucher und eine tiefe Dankbarkeit. Für dieses idyllische Eckchen, in dem wir leben, für die Menschen, die uns zur Seite stehen. Dafür, dass die Strapazen und Sorgen der Geburt nun hinter uns liegen und das Leben mit zwei wunderbaren, gesunden Mädchen vor uns. Kleine und große Glücksmomente, die genauso schnell gingen wie sie kamen. Weil Glück nun mal kein Dauerzustand ist und sich spätestens dann verflüchtigt, wenn die Schlaflosigkeit überhand nimmt.

Glück, das war auch das Thema der meisten Filme, die ich diesen Monat gesehen habe. Das Suchen und Finden und das Immer-wieder-an-sich-selbst-scheitern. 

Filme im Oktober: Vom Suchen und Finden des Glücks

Im Zweifel glücklich (Orig.: Brad’s Status, 2017): Der erschreckend in die Jahre gekommene Ben Stiller spielt mal wieder einen Durchschnittstypen in der Midlife-Crisis. Ganz ähnlich wie schon in Gefühlt Mitte Zwanzig (2014) ist er eine Figur, die eigentlich alles hat und dennoch nicht aufhören kann, sich selbst zu bemitleiden. Statt der hippen Mittzwanziger sind es diesmal die erfolgreichen Ex-Kommilitonen (u. a. Michael Sheen, Luke Wilson), von denen sich Familienvater Brad übervorteilt fühlt. Immerhin hat er keinen Privatjet, wird nicht zu wichtigen Events eingeladen und hat auch sonst oft den Eindruck, unsichtbar zu sein. Als er mit seinem Sohn auf einen Uni-Besichtigungs-Road-Trip geht und sich zwangsläufig mit einigen seiner ehemaligen Freunde konfrontieren muss, erkennt er, dass es darauf vielleicht gar nicht ankommt.

Während der Film in die Gänge kommt, frage ich mich, warum ich dem privilegierten, weißen Mann eigentlich beim Jammern zugucken sollte? Diese Frage erübrigt sich schnell, denn der Film erweist sich als überraschend kurzweilig und greift Gedanken auf, die uns alle auf die eine oder andere Art betreffen. So zum Beispiel, warum Geld und Status als Glücksgaranten gelten oder warum wir uns ständig mit anderen messen müssen, wenn wir objektiv betrachtet doch eigentlich alles haben, was es für ein zufriedenes Leben braucht.

Im Zweifel glücklich erscheint damit wie die fiktionale Inszenierung der Doku Minimalism – A Documentary About the Important Things (2016), die genau das einfordert: sich von Statussymbolen zu verabschieden und sich stattdessen den wichtigen Dingen des Lebens zu widmen. Dem eigenen Sohn zum Beispiel, den Brad auf der gemeinsamen Reise zum ersten Mal als Persönlichkeit wahrzunehmen scheint. 

Glück ist, wenn wir diesem Film glauben wollen, reine Einstellungssache, was in unserem Teil der Welt gerne mal vergessen wird. Also, weniger nörgeln über all die Dinge, die wir nicht haben und stattdessen lieber all das genießen, was wir haben. Wenn es doch nur so einfach wäre.

Denn: Wären die selbsternannten Minimalisten wirklich so genügsam wie sie tun, würden sie wohl kaum versuchen, mit diesem Gedankengut Geld zu verdienen. 

Eat Pray Love (2010): Pasta, Yoga, Javier Bardem – alles Dinge, die ich mag und doch habe ich damals im Kino vorzeitig den Saal verlassen, als Julia Roberts nach zwei Stunden immer noch in ihrem Ashram in Indien saß und kein Bardem in Sicht war. Zweiundhalb Stunden braucht Regisseur Ryan Murphy, um die simple Selbstfindungsgeschichte einer gelangweilten New Yorkerin zu inszenieren. Und auch wenn ich das immer noch zu lang finde und mir die Entwicklung der Protagonistin immer noch zu plötzlich und zu wenig nachvollziehbar erscheint, kann ich diesen Film jetzt mehr genießen. Zum einen weil die Vorstellung, mich allein durch Rom zu futtern oder auf Bali zu meditieren mir heute viel verlockender erscheint als damals und zum anderen weil der Film einfach sehr schöne Bilder liefert.

Private Life (2018): Das volle Glückspaket besteht in unseren Breitengraden in der Regel aus: Karriere und Kindern. In diesem von Tamara Jenkins großartig inszeniertem Netflix-Film hat ein intellektuelles New Yorker Paar in den Vierzigern (top: Kathryn Hahn und Paul Giamatti) das erste schon erreicht, verzweifelt dafür aber nun am zweiten. Weil die beiden auf natürlichem Wege keine Kinder mehr bekommen können, lassen sie keine Alternative unversucht: Von der In-Vitro-Befruchtung über Adoptionsanträge bis hin zur Eizellenspende durch die Stiefnichte. Die Strapazen, das nervliche Auf und Ab nach jedem erfolglosen Zyklus und was das mit einer Ehe macht – das fängt dieser Film intelligent und humorvoll ein. Immer im Hinblick darauf, dass dieses Paar nur eines von vielen ist, das tagtäglich seine letzte Hoffnung und oftmals auch das letzte Geld für solche Verfahren zusammenkratzt.

Flops des Monats

Angeblich auf Glückssuche waren auch Felix Starck und seine Freundin in der „Reise-Doku“ Expedition Happiness, dem Nachfolgefilm von Pedal the World. Das waren aber eher Beispiele dafür, wie man Glück auf Instagram und YouTube inszeniert.

Ein noch größerer Flop diesen Monat war nur noch Downsizing (2017), obwohl die Idee dahinter durchaus Potential hat: Um Ressourcen zu sparen, wird eine Methode entwickelt, um Menschen auf 12 Zentimeter zu schrumpfen. In diesem Taschenformat leben sie in geschützten Communitys zusammen und schonen so nicht nur die Umwelt, sondern auch ihren eigenen Geldbeutel. Als der vom Leben eher stiefmütterlich behandelte Durchschnittstyp Paul (Matt Damon) sich dazu entschließt, sich schrumpfen zu lassen, macht das sein Leben jedoch wider Erwarten nicht besser. Auch im Kleinformat ist er immer noch ein frustrierter Sklave seiner Alltagsroutine. Zusammen mit seinem extravaganten Nachbarn (Christoph Waltz) und einer vietnamesischen Aktivistin, die gegen ihren Willen geschrumpft wurde, bricht er schließlich zu einer Reise auf, die ihn erst lehrt, sein Leben endlich einmal selbst in die Hand zu nehmen.

Klingt absurd? Ist es auch. Denn Regisseur Alexander Payne verzettelt sich hier ordentlich. Der Film beginnt zögerlich als eine Mischung aus Komödie und Gesellschaftssatire und entgleitet während seiner viel zu langen Laufzeit schließlich immer mehr ins Lächerliche, Schwammige, Undefinierbare. Gegen Ende ist es schließlich ein Liebesfilm in Endzeitstimmung, der nicht im Entferntesten mehr etwas mit seinem Anfang zu tun hat, und den kein Mensch gebraucht hätte. Für mich eindeutig Zeitverschwendung.

Serien im Oktober: Von düster bis heimelig

Oktober, das waren aber auch: Babylon Berlin, die 2. Staffel von Atypical, die mittlerweile eine wirklich schöne Familienserie geworden ist, Harry und Sally (1989), mein ultimativer Herbstfilm, und natürlich auch ein bisschen Halloween-Stimmung.  

Halloween hin oder her, weil Stephen Kings Es mich schon genug beschäftigte, beließ ich es bei der einen Folge Spuk in Hill House (2018). Angeblich hätte die Netflix-Serie vielen Menschen schlaflose Nächte bereitet. Ich war damit schon bedient genug und fand den Auftakt ziemlich konventionell. Wenn man auf Geistergeschichten steht, ist es bestimmt nicht schlecht.

Worüber ich mich außerdem gefreut habe:

Über die 2. Staffel der wirklich gut gemachten Musikdoku Hip Hop Evolution, die sich nach den Anfängen des Hip Hop jetzt den 80ern und 90ern annimmt.

Über den Beginn der 3. Staffel von Riverdale, dieser herrlich bunten, gut aussehenden Mystery-Teen-Serie. 

Und darüber, dass ich endlich, endlich mit Pretty Little Liars abgeschlossen habe. Nachdem die 7. Staffel ewig brauchte, um vorwärts zu kommen, erfolgte die Auflösung des ganzen A.D. Dramas lächerlich schnell. Letztlich war es wieder einmal ein böser Zwilling. 

Was lerne ich daraus? Serien loszulassen, bevor sie unerträglich werden. Aktueller Fall: Die 8. Staffel von The Walking Dead, die so grottenschlecht geschrieben ist, dass sie ein neues Tief erreicht hat. Da ist es fast schon egal, dass eine weitere Hauptfigur hier das Zeitliche segnen soll.

 

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3 Kommentare zu „Oktober: Über das Glück“

  1. „Ein noch größerer Flop diesen Monat war nur noch Downsizing (2017)“
    Vollste Zustimmung. Trotz der eh schon schlechten Kritiken habe ich mir erhofft, dass er aus der Idee mehr macht.

    Riverdale entfernt sich mit Staffel 3 leider immer weiter von mir. Habe die Folge von letzter Woche noch nichtmal angeschaut.

    Gefällt 1 Person

      1. Sie waren davor schon sehr trashig und mit Mystery-Elementen behaftet. Aber in Staffel 3 übertreiben sie es für meinen Geschmack mit dem, was da passiert. Zudem sind die Jugendlichen jetzt komplett mit den Erwachsenen gleichgestellt. Passt mir auch nicht so ganz.

        Gefällt mir

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