Filme und Serien gegen den Winterblues

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Welche Filme und Serien helfen bei Vitamin-D-Mangel und verscheuchen den Winterblues? Eines kann ich euch sagen: Düstere Krimiserien sind es nicht. Und doch erwischte ich mich in den letzten Monaten oft dabei, wie ich bei etwas hängenblieb, bloß weil es gerade angesagt war. Dogs of Berlin zum Beispiel, die deutsche Netflix-Serie, die ein bisschen wie Tatort auf Anabolika daherkommt. Oder bei der 2. Staffel von 4 Blocks, die auf ähnlich düstere Weise versucht, eine Berliner Version von The Wire zu werden. Beide Serien spannend gemacht, keine Frage. Doch nicht gerade Garanten für die in diesem Winter so dringend benötigte gute Laune.

Wenn das Baby gefühlt für immer an Koliken litt, die Große den zehnten Infekt ausbrütete und die Sonne bloß noch eine entfernte Erinnerung war, brauchte ich am Abend nicht auch noch einen Elternmord (2. Staffel von The Sinner), einen psychopatischen Schlagerfan (Beat) oder einen Geldwäscher in der Bredouille (Ozark), um mich runterzuziehen. Zumal keine von diesen Serien mich erzählerisch wirklich überzeugen konnte, gute Kritiken hin oder her.

Deshalb: Schluss mit den düsteren Kriminalgeschichten. Zum Glück finden sich bei den einschlägigen Streamingdiensten immer noch Filme und Serien, die nichts mit Mord und Totschlag zu tun haben. Die folgenden halfen mir mit ihrem Humor durch den harten Winter.

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The Marvelous Mrs. Maisel – Staffel 1 & 2

Mrs. Maisel im schwarzen Cocktailkleid verabschiedet sich von ihrem Publikum.
The Marvelous Mrs. Maisel, Season 1 (via Giphy)

Welch ein Glück, dass sich Amy Sherman-Palladinos Kreativität mit den Gilmore Girls nicht erschöpft hat. Ihre neue Serie The Marvelous Mrs. Maisel (zwei Staffeln auf Prime verfügbar) ist ästhetisch ein kleines Juwel und räumt gerade zurecht viele Preise ab.

Auch hier steht wieder eine starke, schnell sprechende Frau samt ihrer herrlich verschrobenen, privilegierten Familie im Mittelpunkt. Auch hier bevölkern wieder die skurrilsten Charaktere den Serienkosmos, während ein Hauch von Romantik in der Luft liegt. Vieles erinnert an Stars Hollow. Und doch ist alles anders. Größer, bunter, stylischer, gewagter. Es sind die 50er, es ist der Big Apple und es darf endlich geflucht werden was das Zeug hält.

Es scheint, als hätte der Streaming-Riese Sherman-Palladino völlig freie Hand dabei gelassen, ihre kühnsten Serienträume zu verwirklichen. The Marvelous Mrs. Maisel ist wie eine verrückte Kreuzung aus Gilmore Girls und Mad Men, stellenweise mit einem Schuss Dirty Dancing. Stilistisch eine Augenweide, erzählerisch ein großer Spaß. Das einzige, womit ich nicht einverstanden bin, ist, dass das ganze irgendetwas mit Emanzipation zu tun haben soll. Klar, wenn eine Frau in den 50ern beschließt, Stand-Up-Comedian zu verwenden, klingt das erstmal progressiv. Wenn sie jedoch so gefällig und perfekt daher kommt wie Hauptfigur Midge Maisel (Rachel Brosnahan), dann ist sie leider weit von einem feministischen Ansatz entfernt. Aber hey, bei aller Liebe ist es doch immer noch eine konventionelle Komödie, wo Konflikte und Konfrontationen nicht weh tun dürfen.

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Thomas Wolfe: Schau heimwärts, Engel

Buchcover: Schau heimwärts, Engel von Thomas Wolfe
(c) Manesse

Mit niemandem geht man so hart ins Gericht wie mit der eigenen Familie. Diese Erkenntnis bleibt mir von Thomas Wolfes Schau heimwärts, Engel (1929) erhalten. Der amerikanische Klassiker verwendet über 700 Seiten darauf, die Charakterfehler und Schwächen einer Familie breitzutreten. Das jedoch in so epischer Größe, das sich ganz nebenbei ein vielstimmiges Südstaaten-Kolorit aus der Zeit zwischen dem amerikanischem Bürgerkrieg und dem erstem Weltkrieg entfaltet.

Dieser epischen Größe und dem amerikanischen Wild-Western-Flair ist es zu verdanken, dass ich dran geblieben bin an dieser dann doch für meinen Geschmack zu pathetischen Geschichte einer Kindheit und Jugend, die wohl nicht zufällig an Wolfes eigene Biografie erinnert. Schau heimwärts, Engel, den er mit 29 Jahren veröffentliche, blieb der einzige Roman des mit 38 verstorbenen Autors. Allein schon deshalb schindet dieses Buch enormen Eindruck.

Und er dachte an die seltsamen verlorenen Gesichter, die er gekannt hatte, die einsamen Gestalten seiner Verwandten, Verdammte im Chaos, alle an ein Schicksal des Untergangs und Verlusts gekettet – Gant, ein gefallener Titan, der in die endlosen Fluchten der Vergangenheit hinabstarrte und der Welt um sich herum nicht achtete; Eliza, die nach Käferart in blindem Sammeleifer herumkrabbelte; Helen ohne Kind, ohne Ziel und voller Zorn – eine mächtige Welle, die an öde Gestade schlug; schließlich Ben – der Geist, der Fremde, der in diesem Augenblick durch eine andere Stadt streifte, die tausend Straßen des Lebens auf und ab ging und keine Türen fand.

Thomas Wolfe: Schau heimwärts, Engel
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Das Beste aus 2018

greta-gerwig tanzt als frances ha über eine straße-gif.gif
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2018 habe ich 25 Bücher gelesen (klingt verdammt wenig), 48 Filme gesehen und in 32 Serien zumindest einmal reingeguckt (klingt verdammt zu viel). Den Vorsatz vom letzten Jahr, mehr zu lesen und weniger zu glotzen, habe ich nicht eingehalten. Im Gegenteil: Die Zahl der halbherzig gebingten Serien hat eher zugenommen. Zum einen liegt das daran, dass wir uns dieses Jahr endgültig vom herkömmlichen Fernsehen verabschiedet haben. Zum anderen waren die letzten Monate so anstregend, dass ich oft weder die Muße noch die nötige Konzentration für Dinge hatte, die meine volle Aufmerksamkeit erforderten.

2018 hielt nämlich einen festen Fahrplan für mich bereit: 9 Monate Schwangerschaft, 3 Monate Baby-Wahnsinn. Und dazwischen der längste und heißeste Sommer. Und so habe ich mich auch am Ende dieses Jahres noch nicht ganz regeneriert von dieser Mutterschaft 2.0, die nebst allen emotionalen Hochs und Tiefs vor allem sehr zeitintensiv ist. Mit zwei Kids ist jede Minute, die man für sich selbst hat, ein Luxusgut. Weshalb ich im neuen Jahr auch darüber nachdenken muss, was und wie viel von diesem Blog ich noch weiterführen will. Zudem könnte er mal einen neuen Anstrich vertragen.

Seltsam wie schnell etwas, das man eigentlich zum Vergnügen macht, zu einer selbst auferlegten Pflicht wird. Hätte ich aber nicht alles dokumentiert, was ich gelesen und gesehen habe, könnte ich jetzt auch nicht diese spaßigen, kleinen Best-Of-Listen machen.

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Babylon Berlin – zurecht gehypt?

Es hätte so schön sein können. Babylon Berlin (2017) als die große, deutsche Vorzeige-Serie, die das Berlin der Weimarer Republik kurz vor ihrem Ende zum Leben erweckt und den Zuschauer daraus vielleicht sogar ein paar Lehren für die Gegenwart ziehen lässt. Doch zu früh gefreut. Nachdem die flirrende erste Staffel Großes versprach, outete die zweite Staffel das Niveau der Serie – als das eines recht konventionellen ARD-Fernsehfilms.

Was ist schiefgelaufen? Was mit den vielversprechenden Figuren und Handlungssträngen der ersten Staffel passiert? Leider wurde jegliche Komplexität zugunsten einer recht hölzernen Gut-Böse-Verfolgungsjagd aufgelöst. Der gute Polizist und sein weiblicher Sidekick auf den Spuren der bösen Reichswehr, die ein Attentat auf Stresemann plant. Dazu ein Liebesdreieck und – man will dem Fernsehzuschauer schließlich ein bisschen Action gönnen – am Ende sogar ein Pistolenduell auf einem fahrenden Zug, der bald darauf in die Luft fliegt. Das war selbst für mich, die ich von der ersten Staffel wirklich angetan war, zu viel. Wie so viele andere Formate scheitert auch Babylon Berlin daran, dass es einfach zu viel auf einmal sein will: Politthriller, Krimi, Action, Romanze, Historiendrama.

Vor der Enttäuschung war da aber auch eine große Begeisterung. Dafür, dass sich eine Serie nicht bloß dem Glanz und Glamour der Zwanziger annimmt, sondern gleich dem gesamten politischen System der Weimarer Republik. Dafür, dass eine Serie greifbar macht, warum dieses System scheitern musste und den idealen Nährboden für den Nationalsozialismus bot. Klingt stark nach Geschichtsunterricht klingt, wurde aber selten, wenn gar noch nie so cool inszeniert.

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Oktober: Über das Glück

Oktober, das war Kinderwagenschieben durch goldenes Herbstlaub, das waren warme, weiche Croissants, liebe Besucher und eine tiefe Dankbarkeit. Für dieses idyllische Eckchen, in dem wir leben, für die Menschen, die uns zur Seite stehen. Dafür, dass die Strapazen und Sorgen der Geburt nun hinter uns liegen und das Leben mit zwei wunderbaren, gesunden Mädchen vor uns. Kleine und große Glücksmomente, die genauso schnell gingen wie sie kamen. Weil Glück nun mal kein Dauerzustand ist und sich spätestens dann verflüchtigt, wenn die Schlaflosigkeit überhand nimmt.

Glück, das war auch das Thema der meisten Filme, die ich diesen Monat gesehen habe. Das Suchen und Finden und das Immer-wieder-an-sich-selbst-scheitern.  Weiterlesen „Oktober: Über das Glück“

Ronja von Rönne: Wir kommen

Buchcover: Wir kommen von Ronja von Rönne
(c) Aufbau-Verlag

Meine Mutter sagt, was man liebt, muss man ziehen lassen. Also habe ich den Kontakt zu ihr abgebrochen.

Ronja von Rönne: Wir kommen

Wenn ich könnte, würde ich so schreiben wie Ronja von Rönne. Simple Sätze, die, richtig kombiniert, im Kopf explodieren. Ausgelutschte Phrasen, die, in einen neuen Kontext gesetzt, plötzlich wieder überraschen. Zudem ist die Gute gerade mal Mitte 20 und wirkt schon als hätte sie das Leben durchschaut. In ihrem Romandebüt Wir kommen (2017) genauso wie auf sudelheft.

Ich jedenfalls fühle mich beim Lesen ertappt, etwas beschämt und großartig unterhalten von dieser Zusammenstellung aus freigelegten Klischees und obskuren Lebensweisheiten, die die komische Tragik des Lebens zum Vorschein bringen. Zumindest des Lebens, das man als junger sich ständig neurotisch selbstreflektierender Großstädter einer bestimmten Gesellschaftsschicht heute so kennt. Ronja von Rönne ist wenn nicht gar ,,A Voice of A Generation“, dann doch auf jeden Fall eine coole Socke.

Man wusste, ohne sich mit jemandem zu unterhalten, welche drei in Frage kommenden Parteien man wählte, was man frühstückte, man wusste Gemüsekisten-Abo, man wusste geraspelte Avocadokerne, man wusste, dass die nette Weinhändlerin an der Ecke eigentlich vom Grasverkauf an Mittelstufensprecher lebte, man wusste Altbau, man wusste Kinderzimmer mit Schleichtieren, man wusste dass Bioäpfel verschrumpelt sein müssen, sonst sieht ja keiner, was für Opfer man bringt, man wusste Montessori und Waldorf, man wusste zutiefst unglückliche Beziehungen mit geschmackvollem Interieur, man kannte die Angst vor dem Fall, die Unzuverlässigkeit der gehobenen Mittelschicht, man wusste Klischees zu bedienen, man wusste nicht, was man alldem entgegensetzen konnte, man wusste nicht, wohin mit sich, man war viele, viel zu viele.

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