Das Beste aus 2018

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2018 habe ich 25 Bücher gelesen (klingt verdammt wenig), 48 Filme gesehen und in 32 Serien zumindest einmal reingeguckt (klingt verdammt zu viel). Den Vorsatz vom letzten Jahr, mehr zu lesen und weniger zu glotzen, habe ich nicht eingehalten. Im Gegenteil: Die Zahl der halbherzig gebingten Serien hat eher zugenommen. Zum einen liegt das daran, dass wir uns dieses Jahr endgültig vom herkömmlichen Fernsehen verabschiedet haben. Zum anderen waren die letzten Monate so anstregend, dass ich oft weder die Muße noch die nötige Konzentration für Dinge hatte, die meine volle Aufmerksamkeit erforderten.

2018 hielt nämlich einen festen Fahrplan für mich bereit: 9 Monate Schwangerschaft, 3 Monate Baby-Wahnsinn. Und dazwischen der längste und heißeste Sommer. Und so habe ich mich auch am Ende dieses Jahres noch nicht ganz regeneriert von dieser Mutterschaft 2.0, die nebst allen emotionalen Hochs und Tiefs vor allem sehr zeitintensiv ist. Mit zwei Kids ist jede Minute, die man für sich selbst hat, ein Luxusgut. Weshalb ich im neuen Jahr auch darüber nachdenken muss, was und wie viel von diesem Blog ich noch weiterführen will. Zudem könnte er mal einen neuen Anstrich vertragen.

Seltsam wie schnell etwas, das man eigentlich zum Vergnügen macht, zu einer selbst auferlegten Pflicht wird. Hätte ich aber nicht alles dokumentiert, was ich gelesen und gesehen habe, könnte ich jetzt auch nicht diese spaßigen, kleinen Best-Of-Listen machen.

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Babylon Berlin – zurecht gehypt?

Es hätte so schön sein können. Babylon Berlin (2017) als die große, deutsche Vorzeige-Serie, die das Berlin der Weimarer Republik kurz vor ihrem Ende zum Leben erweckt und den Zuschauer daraus vielleicht sogar ein paar Lehren für die Gegenwart ziehen lässt. Doch zu früh gefreut. Nachdem die flirrende erste Staffel Großes versprach, outete die zweite Staffel das Niveau der Serie – als das eines recht konventionellen ARD-Fernsehfilms.

Was ist schiefgelaufen? Was mit den vielversprechenden Figuren und Handlungssträngen der ersten Staffel passiert? Leider wurde jegliche Komplexität zugunsten einer recht hölzernen Gut-Böse-Verfolgungsjagd aufgelöst. Der gute Polizist und sein weiblicher Sidekick auf den Spuren der bösen Reichswehr, die ein Attentat auf Stresemann plant. Dazu ein Liebesdreieck und – man will dem Fernsehzuschauer schließlich ein bisschen Action gönnen – am Ende sogar ein Pistolenduell auf einem fahrenden Zug, der bald darauf in die Luft fliegt. Das war selbst für mich, die ich von der ersten Staffel wirklich angetan war, zu viel. Wie so viele andere Formate scheitert auch Babylon Berlin daran, dass es einfach zu viel auf einmal sein will: Politthriller, Krimi, Action, Romanze, Historiendrama.

Vor der Enttäuschung war da aber auch eine große Begeisterung. Dafür, dass sich eine Serie nicht bloß dem Glanz und Glamour der Zwanziger annimmt, sondern gleich dem gesamten politischen System der Weimarer Republik. Dafür, dass eine Serie greifbar macht, warum dieses System scheitern musste und den idealen Nährboden für den Nationalsozialismus bot. Klingt stark nach Geschichtsunterricht klingt, wurde aber selten, wenn gar noch nie so cool inszeniert.

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Oktober: Über das Glück

Oktober, das war Kinderwagenschieben durch goldenes Herbstlaub, das waren warme, weiche Croissants, liebe Besucher und eine tiefe Dankbarkeit. Für dieses idyllische Eckchen, in dem wir leben, für die Menschen, die uns zur Seite stehen. Dafür, dass die Strapazen und Sorgen der Geburt nun hinter uns liegen und das Leben mit zwei wunderbaren, gesunden Mädchen vor uns. Kleine und große Glücksmomente, die genauso schnell gingen wie sie kamen. Weil Glück nun mal kein Dauerzustand ist und sich spätestens dann verflüchtigt, wenn die Schlaflosigkeit überhand nimmt.

Glück, das war auch das Thema der meisten Filme, die ich diesen Monat gesehen habe. Das Suchen und Finden und das Immer-wieder-an-sich-selbst-scheitern.  Weiterlesen „Oktober: Über das Glück“

September: Maniac // Sierra Burgess is a Loser

Im September kam Baby Nr. 2. Damit verwandelte ich mich praktisch über Nacht in ein milchspendendes Wärmekissen, lag viel im Bett und beobachtete den Herbstbeginn von meinem Fenster aus. Während das Baby, das so ganz anders gestrickt zu sein scheint als seine Schwester, das Goldwerden der Bäume verschlief, las ich ein paar Bücher und fütterte Google mit sinnlosen Suchanfragen (Wie viel Schlaf ist normal für ein Baby?).

Ich wäre aber nicht ich, wenn mir diese Bildschirmzeit schon ausgereicht hätte. So sehr mir der Schlafmangel in der Nacht auch zusetzt, auf meine Stunde Serienzeit am Abend verzichte ich nur ungern. Wie ein gutes Buch (für das ich abends meistens zu erschöpft bin) braucht mein Hirn sie als Ausgleich zum ewigen Stillen und Wickeln. Und so haben auch in diesem September, der ganz im Zeichen unseres neuen Mädchens stand, ein paar Netflix-Neuheiten meine Aufmerksamkeit erregt. Wie die (leider zu Unrecht) viel beworbene Miniserie Maniac mit Emma Stone und Jonah Hill. Oder der Teeniefilm Sierra Burgess is a Loser.

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The Affair – Staffel 4

In dieser 4. Staffel von The Affair beschlich mich zum ersten Mal das Gefühl, dass es nun abwärts geht mit dieser Serie, dass ihr Konzept einfach nicht mehr aufgeht. Das war noch bevor ich erfuhr, vor welcher Mammut-Aufgabe die Autoren in dieser Staffel standen: Weil eine/r der Hauptdarsteller/innen beschlossen hatte, die Serie zu verlassen, musste eine zentrale Figur herausgeschrieben werden.

Wäre das nicht gewesen, wäre sie mit Sicherheit ganz anders geworden diese Staffel. Schließlich hat sich Ende der 3. Staffel der Beginn einer wieder erblühenden Liebesgeschichte angedeutet, die nun keine Chance mehr bekommen hat. Stattdessen sehen wir: Vier Hauptcharaktere, die nicht weiter voneinander entfernt sein könnten, die nur noch so lose miteinander verbunden sind, dass nicht einmal mehr ein gemeinsames Geschehen vorhanden ist, dass es multiperspektivisch zu betrachten gäbe.

Nichts erinnert mehr an den Anfang. Das besondere Konzept, jede Folge aus zwei Perspektiven zu erzählen, geht nicht mehr auf, wenn jede Figur ihre ganz eigene Geschichte verfolgt. Erst am Ende, in den letzten beiden Folgen, hat es bei mir dann doch noch Klick gemacht. Hier schloss sich ein Kreis, hier fügte sich zusammen, was eigentlich längst nicht mehr zusammengehört. Ein großartiges Staffelfinale, das die Hoffnung zulässt, dass diese Serie vielleicht doch noch eine Staffel lang (Achtung: Großer Spoiler) ohne ihre weibliche Hauptfigur wird auskommen können. Weiterlesen „The Affair – Staffel 4“

Filme & Serien im heißen Warten-aufs-Baby-Sommer

Was für ein Sommer. Zwar weiß ich nicht, ob es der richtige war, um Klops Nr. 2 auszutragen (ein Ende ist in Sicht, puh). Der richtige Sommer für einen Urlaub in Deutschland war es auf jeden Fall. Ob im Bayerischen Wald, in der Uckermark oder im hohen Norden, selbst am Schlachtensee oder in Beelitz – wo wir auch hinkamen, überall zeigte sich uns das Land von seiner besten Seite…außer beim Fußball vielleicht. Und so hielt sich mein Bedürfnis nach Realitätsflucht diesen Sommer in Grenzen oder wurde von meiner Urlaubslektüre gut abgedeckt.

Für den Fall der Fälle – wenn die Hitze mal wieder das Gehirn zum Schmelzen brachte – musste es aber natürlich auch die eine oder andere Serie sein. Genauso wie der eine oder andere halbgare Film zum gemeinschaftlichen Zeitvertreib. Und ins Kino habe ich es auch ganze zwei Mal geschafft. Diese Serien und Filme sind dabei zusammengekommen. Weiterlesen „Filme & Serien im heißen Warten-aufs-Baby-Sommer“

The Path: Aaron Paul in der Sekte

Aaron Paul hat mit der Rolle des Eddie Lane in der hulu-Serie The Path (auf Prime verfügbar) die perfekte Nachfolgerolle für seine Zeit nach Breaking Bad gefunden. Denn Eddie Lane könnte genauso gut die erwachsene Version von Jesse Pinkman sein. Nicht nur weil er ständig flucht und gern Flanellhemden trägt (Zufall?). Sondern weil er ein gebrochener Mann ist, der nach einer langen Odyssee endlich ein Zuhause gefunden hat.

Dieses Zuhause ist die fiktive Meyerismus-Sekte, benannt nach ihrem Gründer, Guru Steven Meyer. Schwer traumatisiert von seiner Vergangenheit, hatte Eddie sich selbst schon fast aufgegeben, als er auf die selbsternannte Bewegung stieß, die ihren Mitgliedern dazu verhelfen soll, eine spirituelle Leiter zu erklimmen, um im Falle des bevorstehenden Weltuntergangs sicher in den „Garten“ zu gelangen.

Klingt absurd? Wirkt in dieser Serie aber durchaus glaubhaft. Zum einen weil The Path hochwertig produziert ist und eine Atmosphäre erzeugt, der man sich schwerlich entziehen kann. Zum anderen weil es großen Spaß macht, dieser hochkarätigen Besetzung dabei zuzusehen, wie sie in einen inneren Zwiespalt gerät (neben Aaron Paul: Michelle Monaghan, Hugh Dancy und in Nebenrollen: Melanie Griffith, Frieda Pinto und Vincent Kartheiser).

In drei Staffeln zeichnet The Path (2016 – 2018) Eddies Entwicklung in der Bewegung nach und beleuchtet dabei die Mechanismen, die in solchen Sekten vorherrschen. Was die Serie dabei vor allem auszeichnet, ist ihr Hang zur Ambivalenz. Die Bewegung, die Idee einer Gemeinschaft, die an etwas Höheres glaubt, entwickelt sich mit der Zeit zu einem eigenständigen Protagonisten, für den man Verständnis entwickelt. Denn klar bietet die Sekte den idealen Handlungsrahmen für Machtmissbrauch durch Möchtegern-Gurus. Doch sie stiftet auch Sinn, gibt Menschen Halt und muss folglich beschützt und nicht zuletzt finanziert werden.

The Path bezieht keine eindeutige Stellung, sondern beleuchtet verschiedene Seiten solcher Gemeinschaften, vergleicht sie mit anerkannten Religionen und politischen Vereinigungen – und behält sich dazu auch immer die Möglichkeit des tatsächlich Übernatürlichen vor: Was wenn es die „Leiter“ wirklich gibt?

Aus all diesen – zugegebenermaßen nicht immer harmonisch ineinander greifenden Elementen – ergibt sich eine solide Serie, irgendwo zwischen Familiendrama, psychologischem Thriller und Mystery. Und so ist es fast schade, dass nach nur drei Staffeln Schluss ist. Wenn es auch nicht überrascht, denn in der dritten und leider schwächsten Staffel scheint sich ein Kreis zu schließen, der kaum noch Handlungsspielräume offen lässt. Weiterlesen „The Path: Aaron Paul in der Sekte“