Filme, Serien: Was im Sommer geschah

Darf man sich eigentlich noch als Filmfan bezeichnen, wenn man seit Monaten keinen neuen Film mehr gesehen hat?! Ich hoffe schon, denn der Wille war da. Es mangelte nur an der konsequenten Umsetzung. Im Sommer musste die Fiktion hinter dem wahren Leben zurückstehen. Und das war schön, denn mit einem Kleinkind, das ungern vor Sonnenuntergang nach Hause geht, fühlt man sich selbst wieder wie ein Kind: Park, Eis essen, Freibad und endlich der langersehnte Urlaub, wo mich die Romane von Elena Ferrante komplett in Beschlag nahmen. Wenn ich dann doch mal vor der Flimmerkiste landete, dann für möglichst kurzweilige, sommerliche Filme, wenn das auch sicherlich nicht ganz auf diesen Film zutrifft; den wohl erschütterndsten, den ich zuletzt, wenn nicht gar überhaupt, gesehen habe.

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Netflix: Gypsy – eine feministische Serie?

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(c) Netflix

Wer bei Gypsy, der von Netflix als Psychothriller verkauften Naomi Watts Serie, Nervenkitzel erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Denn dabei zuzusehen, wie Naomi Watts eine frustrierte Vorstadt-Ehefrau spielt, die als Therapeutin die Distanz zu ihren Patienten verliert, dürfte wohl kaum als Psychothriller durchgehen. Dafür passiert hier entschieden zu wenig – wenn man einmal von den allzu sehr gewollten Fummelszenen absieht (Fifty Shades Regisseurin Sam Taylor-Wood war am Werk).

Nichtsdestotrotz gibt die Serie einige interessante Denkanstöße. Denn womit kämpft die Hauptfigur denn im Grunde die ganze Zeit? Mit der sozialen Rolle, die ihr als Ehefrau und Mutter automatisch zugeschrieben wird, selbst wenn ihre Persönlichkeit mit dieser Rolle nicht kompatibel ist. Und so erscheint hier der Versuch, sich trotz Ehe und Kind ,,nicht selbst zu verlieren“ als pathologisch. Naomi Watts verstrickt sich in ein vermeintlich zerstörerisches Doppelleben. Weiterlesen „Netflix: Gypsy – eine feministische Serie?“

4 Blocks – Neukölln, deine Gangster(Serie)

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Wenn eine Serie direkt vor der eigenen Haustür spielt und einem dazu noch Einblicke in ein fremdes, zwielichtiges Milieu gewährt, ist das schon mal sehr spannend. Aber dieses mein zugegebenermaßen leicht voyeurostisches Interesse ist nicht allein der Grund dafür, dass die TNT-Serie 4 Blocks so sehenswert ist.

Beeindruckend ist vielmehr, dass eine deutsche Serie sich endlich mal ein bisschen mehr traut als das standardisierte Tatort-Geplänkel. Sich an aktuelle, gesellschaftliche Probleme heranwagt und dabei trotzdem die Unterhaltung nicht aus den Augen verliert. Nicht die Art von Unterhaltung, bei der ständig etwas in die Luft fliegt und Til Schweiger sich in Zeitlupe selbst feiert, sondern vielmehr eine Inszenierung, die den Vergleich mit amerikanischen Qualitätsformaten nicht scheut

Ein bisschen Sopranos, ein bisschen The Wire, hier und da eine Spur The Departed – ganz klar, bedient sich 4 Blocks mit Frederick Lau und Kida Khodr Ramadan in den Hauptrollen bei großen Vorbildern. Aber die Inszenierung des arabisch geprägten Neuköllns als Ort des organisierten Verbrechens, mit seinen Widersprüchlichkeiten und Problemen – die ist originell und wird dem lokalen Thema gerecht. Wozu lange in der Trickkiste wühlen, wenn die Realität auf der Straße doch so viele Geschichten zu bieten hat. Unglaublich, dass da nicht schon früher einer drauf gekommen ist. Und so fliegt die Kamera, begleitet von düsteren Haftbefehl-Beats, über die Dächer Neuköllns hinweg und zieht den Zuschauer mitten hinein in dieses zwiespältige Viertel mit seinen Möchte-gern-Gangstern zwischen Sportwetten-, Baklava- und Hipster-Schuppen. Weiterlesen „4 Blocks – Neukölln, deine Gangster(Serie)“

Resteverwertung: Mein Frühling in bewegten Bildern

Wenn schon Medienreflexion, dann richtig. Und so müssen auch die Filme und Serien thematisiert werden, die man nur halbherzig konsumiert hat oder die allein dem Zweck dienten, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Nach der filmintensiven Award-Season  war meine Filmauswahl in den letzten Monaten jedenfalls eher bequem und nostalgisch motiviert. Nur wenige neue, und noch weniger aktuelle Filme schafften es ins Abendprogramm. Dafür entdeckte ich die ein oder andere alte Perle wieder.

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3 Reasons Why: Tote Mädchen lügen nicht

I don’t know what I’m supposed to do, haunted by the ghost of you. (The Night We Met, Lord Huron)

Balsam für das Indie-Herz. So könnte man den Soundtrack der bisher am meisten betwitterten Netflix-Serie 13 Reasons Why (dt.: Tote Mädchen lügen nicht) beschreiben. Und so bin ich ganz froh, dass ich meine Skepsis gegenüber diesem stark gehypten, von Selena Gomez produzierten Teen-Drama doch noch überwunden habe. Andernfalls wäre ich jetzt um eine wunderbare Playlist ärmer. Oberflächlich und taktlos angesichts der ernsten Themen, die in der Serie verhandelt werden? Keineswegs, denn erstens handelt es sich dabei immer noch um fiktives, effekthaschendes Unterhaltungsfernsehen, das man nicht überbewerten sollte und zweitens ist die Serie im Kern doch lebensbejahend, was in der Musik noch am besten zum Ausdruck kommt. Und damit bin ich auch schon bei dem ersten von drei Gründen, aus denen sich die Serie durchaus lohnen kann. Weiterlesen „3 Reasons Why: Tote Mädchen lügen nicht“

LOVE: Eine (Anti)Liebesserie

Judd Apatow hat ein Händchen für Serien. Wenn man bedenkt, dass seine Filme, die nun nicht gerade zu den großen Epen zählen, nie unter 2 Stunden liegen, ist es womöglich sogar das Format, das seinem Erzählstil am besten entspricht. Bei ihm muss nicht jede Szene handlungstreibend sein und nicht jedem Dialog eine Pointe innewohnen. Schlimmstenfalls führt das dazu, dass keine Spannung aufkommt. Bestenfalls fühlt es sich so an, als würden die Figuren von ihrer Künstlichkeit befreit, wenn sie einfach banales Zeug schwafeln und ganz alltäglichen Kram machen dürfen. Ich persönlich empfinde diese Erzählweise als entspannend, vor allem an anstrengenden Tagen, an denen ich mich genauso unzulänglich fühle wie Apatows stets etwas freakig wirkende Figuren.

Nach Freaks & Geeks und Girls war ich jedenfalls zuletzt ganz entzückt von Love, seiner Netflix-Serie, in der es einmal mehr um das Beziehungs- und Paarungsverhalten junger Großstädter geht. Was Lena Dunham für Girls ist, ist Paul Rust für Love. Ein bis dato recht unbekannter Schauspieler, der auf den ersten Blick nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht, Love aber nicht nur mitentwickelt, produziert und geschrieben hat, sondern auch noch die männliche Hauptrolle spielt. Nicht zuletzt seiner naiven, unbeholfenen Art und der wunderbaren Gillian Jacobs (aka der verrückten Mimi-Rose aus Girls) ist es zu verdanken, dass diese Serie, obwohl sie nicht wirklich etwas Neues erzählt, großen Spaß macht. Weiterlesen „LOVE: Eine (Anti)Liebesserie“

The Vampire Diaries: Das längst überfällige Ende

Serienenden machen mich rührselig, selbst dann noch wenn die Serie ihren Zenit längst überschritten hat. Und so sehe ich mich in der Pflicht, dieser einst geliebten Guilty Pleasure Serie mit ein paar Worten meine letzte Ehre zu erweisen.

Als ich anfing The Vampire Diaries zu gucken, war ich Studentin und wohnte in einer Mädels-WG, in der der Mittwochabend ganz Jules-Mumm-mäßig für Serien reserviert war. Heute lebe ich in einer anderen Stadt, bin Mutter und in der Realität des Berufslebens angekommen. Einen festen Serienabend gibt es nicht mehr, weil alles ständig online verfügbar ist. Was ich damit sagen will: In 8 Jahren passiert sehr viel, auch mit einer Serie. Vom bloßen Twilight-Abklatsch etablierte sich The Vampire Diaries (2009-2017) zu einem populären Teen-Fantasy-Drama, erschuf ein eigenes mythisches Universum aus Vampiren, Hexen und Doppelgängern, kreierte ein Spin-Off (The Originals) und versank schließlich in der Belanglosigkeit. Zumindest für mich, die ich längst nicht mehr zur Zielgruppe gehöre. Mit der letzten Episode der 8. Staffel am 10. März nahm das Drama um zwei jahrhundertealte Vampir-Brüder, die sich in das selbe Mädchen verlieben, nun endlich sein Ende. Ein paar Jahre zu spät und mit so einigen Schwächen, wie ich finde, aber dennoch emotional. Weiterlesen „The Vampire Diaries: Das längst überfällige Ende“