Haruki Murakami und ich

haruki_murakamiGroßes hatte ich erwartet von dem allseits hochverehrten Haruki Murakami: eine radikale, skandalträchtige Prosa, tiefschürfende Erkenntnisse, vielleicht sogar eine Erleuchtung. Was ich fand, war die Stimme eines einsamen Mannes, der immer wieder aufs Neue den bittersüßen Schmerz seiner Adoleszenz heraufbeschwört.

Das ist nicht unsympathisch und hat eine gewisse Anziehung, wirkt durch die Wiederholung der immer gleichen Motive (einsame Männer, Drinks, Musik und mysteriöse Frauen) jedoch schnell abgegriffen. Doch jeder Autor hat ja so sein Lebensthema und es muss schließlich auch jemanden geben, der sich der latenten Verzweiflung trauriger Männer widmet. Vielleicht habe ich aber auch rein zufällig, zwei Bücher gewählt, die sich in ihrer Thematik so sehr ähneln.

Ich las Marukamis Roman Südlich der Grenze, westlich der Sonne, der seinerzeit unter dem Titel Gefährliche Geliebte (2000) das Literarische Quartett um Marcel Reich-Ranicki gespalten haben soll, und anschließend den Erzählband Von Männern, die keine Frauen haben (2014). Nach allem was ich gehört hatte, konnte ich daran jedoch weder etwas Anstößiges noch etwas Weltbewegendes entdecken. Dafür eine surreale Doppelbödigkeit, der man sich nur schwer entziehen kann. Weiterlesen „Haruki Murakami und ich“

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