Eine Reise nach Sibirien

Ich bin in Sibirien geboren und kenne dieses Land doch kaum. Ich war nie am Baikalsee oder habe ein Gebirge aus der Nähe gesehen. Alles was ich über die Menschen dort weiß, leite ich aus meinen Kindheitserinnerungen ab, die sich auf ein klitzekleines Dorf in der Steppe beschränken. Drum ziehen mich Reiseerfahrungen aus dieser Gegend magisch an. Am Osterwochenende sind mir glücklicherweise gleich zwei Bücher in die Hände gefallen, dank denen ich ganz abtauchen konnte in Russisch-Fernost. Sylvain Tessons In den Wäldern Sibiriens (2011) und Katerina Poladjans und Hennig Fritschs Hinter Sibirien (2016). Das eine ein Tagebuch der Einsamkeit, das andere der persönliche Reisebericht einer Heimatsuchenden.

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Nicolas Vanier: Das Schneekind

Und schon ist sie da, die Adventszeit. Ich sitze mit diesem Buch im Warmen und stelle mir vor, wir wären in einer eingeschneiten Blockhütte an einem Bergsee in Kanada. Tagsüber gehen wir Fischen und machen Ausflüge mit dem Hundeschlitten, abends sitzen wir vor dem Ofen, nähen Kleidung, die Temperaturen um die -40 Grad standhält, und lesen uns in den Schlaf. In Wirklichkeit bin ich ganz schön verweichlicht in Sachen Outdoor-Abenteur und noch nicht einmal ein großer Camping-Fan, aber Nicolas Vanier erzählt mit so viel Begeisterung von seinen Erlebnissen im hohen Norden Kanadas, dass man gar nicht anders kann, als sich nach der Unmittelbarkeit der Natur zu sehnen.

Der französische Abenteurer, seit jeher fasziniert von den Eis- und Schneewelten des Nordens, wagte 1995 nämlich etwas, was für die meisten Eltern, mich eingeschlossen, vollkommen unvorstellbar wäre. Zusammen mit seiner Frau und der 18 Monate alten Tochter Montaine bricht er auf zu einem einjährigen Trip von Kanada bis hoch nach Alaska. Zunächst zu Pferd, reitet die kleine Familie wochenlang unter widrigen Bedingungen entlang der Rocky Mountains, bevor sie sich schließlich an einem einsamen Bergsee niederlässt, um bis zum Wintereinbruch eine Blockhütte zu bauen, in der sie 5 Monate lang überwintern wird. 5 Monate, in denen sie sich vom Jagen, Fischen und Sammeln ernährt, Tiere beobachtet und sich gegen Grizzly-Bären zur Wehr setzt. Schließlich der Höhepunkt der Reise: Auf einem Hundeschlitten bricht Vanier mit Frau und Kind zu einem dreimonatigen Trip auf dem gefrorenen Fluss auf – drei Monate lang schutzlos der Kälte, den Blizzards und dem Packeis ausgeliefert, und das mit einem zweijährigen Kind an Bord.

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Weltreisen im Kopf

Wenn die besten Freunde auf Weltreise gehen, lässt sich ein leichter Anflug von Fernweh nicht vermeiden. Was werden sie alles sehen und erleben, während man selbst im Alltag zurückbleibt? Um diese Frage zu beantworten, muss man aber nicht unbedingt selbst zum Backpacker werden. Es gibt haufenweise Reiseliteratur, in denen Weltreisende von ihren Erfahrungen berichten.

Also lehne ich mich zurück und begleite meine Freunde auf meine Weise; mit einem Buch in der Hand von der Couch aus. Dabei bin ich heimlich ganz froh, dass mir so die Strapazen des Reisens erspart bleiben. Keine versifften Unterkünfte, keine aufdringlichen Touristenfänger und auch nicht die obligatorische Magen-Darm-Verstimmung. Nur der Reiz des Neuen und Unbekannten.

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