The Marvelous Mrs. Maisel und die Feelgood-Emanzipation

Mrs. Maisel im schwarzen Cocktailkleid verabschiedet sich von ihrem Publikum.
The Marvelous Mrs. Maisel, Season 1 (via Giphy)

Welch ein Glück, dass sich Amy Sherman-Palladinos Kreativität mit den Gilmore Girls nicht erschöpft hat. Ihre neue Serie The Marvelous Mrs. Maisel (zwei Staffeln auf Prime verfügbar) ist ästhetisch ein kleines Juwel und räumt gerade zurecht viele Preise ab.

Auch hier steht wieder eine starke, schnell sprechende Frau samt ihrer herrlich verschrobenen, privilegierten Familie im Mittelpunkt. Auch hier bevölkern wieder die skurrilsten Charaktere den Serienkosmos, während ein Hauch von Romantik in der Luft liegt. Vieles erinnert an Stars Hollow. Und doch ist alles anders. Größer, bunter, stylischer, gewagter. Es sind die 50er, es ist der Big Apple und es darf endlich geflucht werden was das Zeug hält.

Weiterlesen „The Marvelous Mrs. Maisel und die Feelgood-Emanzipation“

Frances Ha oder das Greta-Gerwig-Phänomen

Frances Ha Filmplakat
(c) MFA+

Da ich es gerade einfach nicht schaffe, für Lady Bird ins Kino zu gehen, musste es gestern Abend Frances Ha (2012) sein. Der Film, der Greta Gerwig seinerzeit endgültig zum Star des Indie-Films machte. Zumindest hatte ich das irgendwo mal aufgeschnappt. Ich mochte Greta Gerwig an der Seite von Ethan Hawke in Maggie’s Plan und auch als punkige Fotografin in Jahrhundertfrauen, aber als ich gestern Abend Frances Ha gesehen habe, wurde mir klar, dass ich keine Ahnung hatte. Offenbar gilt sie als Queen der sogenannten Mumblecore-Bewegung, von deren Existenz ich noch nie etwas gehört habe, genauso wenig wie von Greenberg (2010), ihrem ersten Mainstream-Film an der Seite von Ben Stiller.

Nun, was nicht ist, kann ja noch werden. Frances Ha stammt jedenfalls vom selben Regisseur, Noah Baumbach, der gleichzeitig auch der Lebensgefährte von Gerwig ist und offensichtlich gerne mit Ben Stiller und Adam Driver zusammenarbeitet (Gefühlt Mitte Zwanzig, The Meyerowitz Stories). Letzteren sieht man übrigens auch in Frances Ha: In der Rolle eines frauenverschleißenden Hipster-Machos war er eine schöne Überraschung, denn ich hatte keine Ahnung, dass Driver schon vor Girls in der Filmwelt ein Thema war.

Und Girls kam mir nicht nur deswegen in den Sinn. Frances Ha, von Gerwig mitgeschrieben, greift die gleichen Themen auf wie Lena Dunhams HBO-Serie; die Orientierungslosigkeit der Zwanziger irgendwo zwischen Studium und Ankommen im Beruf, zwischen Traumerfüllung und Scheitern in New York und nicht zuletzt zwischen Freundschaften und Beziehungen, die in dieser nie enden wollenden Coming-of-Age-Phase überlebenswichtig scheinen, ebendiese doch meistens nicht überleben. Aber: Frances Ha ist nicht Girls. Greta Gerwig nicht Lena Dunham. Wo Girls durch Rohheit provoziert, schafft Frances Ha in seiner wunderschön fotografierten Schwarz-Weiß-Ästhetik einen optimistischen, leichtfüßigen Zauber. Wo Hannahs Dreistigkeit Fremdscham-Gefühle auslöst, ist Frances‘ grobschlächtige Authentizität schlicht zum Verlieben. Weiterlesen „Frances Ha oder das Greta-Gerwig-Phänomen“

Der September in Filmen

Der Herbst war schneller da als erwartet und mit ihm das Bedürfnis, sich einzuigeln. Wenn nicht gerade eine Folge Mad Men (aktuell Staffel 4 und es ist die pure Freude), musste es ein zur Stimmung passender Film sein. Ein paar Filme sind im September also zusammengekommen: ein Filmklassiker aus den 70ern, was fürs Herz, zwei Blödelfilme für die kopflose Unterhaltung, zwei bewegende Musiker-Dokus und neben Berlin Syndrom sogar noch ein weiterer aktueller Film, der obwohl vielversprechend, leider ein Reinfall war.

Weiterlesen „Der September in Filmen“

LOVE: Eine (Anti)Liebesserie

Judd Apatow hat ein Händchen für Serien. Wenn man bedenkt, dass seine Filme, die nun nicht gerade zu den großen Epen zählen, nie unter 2 Stunden liegen, ist es womöglich sogar das Format, das seinem Erzählstil am besten entspricht. Bei ihm muss nicht jede Szene handlungstreibend sein und nicht jedem Dialog eine Pointe innewohnen. Schlimmstenfalls führt das dazu, dass keine Spannung aufkommt. Bestenfalls fühlt es sich so an, als würden die Figuren von ihrer Künstlichkeit befreit, wenn sie einfach banales Zeug schwafeln und ganz alltäglichen Kram machen dürfen. Ich persönlich empfinde diese Erzählweise als entspannend, vor allem an anstrengenden Tagen, an denen ich mich genauso unzulänglich fühle wie Apatows stets etwas freakig wirkende Figuren.

Nach Freaks & Geeks und Girls war ich jedenfalls zuletzt ganz entzückt von Love, seiner Netflix-Serie, in der es einmal mehr um das Beziehungs- und Paarungsverhalten junger Großstädter geht. Was Lena Dunham für Girls ist, ist Paul Rust für Love. Ein bis dato recht unbekannter Schauspieler, der auf den ersten Blick nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht, Love aber nicht nur mitentwickelt, produziert und geschrieben hat, sondern auch noch die männliche Hauptrolle spielt. Nicht zuletzt seiner naiven, unbeholfenen Art und der wunderbaren Gillian Jacobs (aka der verrückten Mimi-Rose aus Girls) ist es zu verdanken, dass diese Serie, obwohl sie nicht wirklich etwas Neues erzählt, großen Spaß macht. Weiterlesen „LOVE: Eine (Anti)Liebesserie“

Mein Januar in Filmen

Wenn der Januar überstanden ist, sind es nur noch vier Wochen, die uns vom Frühlingserwachen trennen. Deshalb weine ich diesem Monat nicht hinterher, zumal er sehr arbeitsreich und voller kleiner lebensverändernder Ereignisse war. Dementsprechend wenig Zeit und Muße fand ich zum Lesen (Alles über Sally), was sich in den folgenden Wochen (Portugal, ahoi) hoffentlich ändern wird. Was mich im Januar jedoch immer wieder aus meinem kleinen Neujahrsblues holt, sind Filme. Denn es ist der Beginn der Award Season und das spornt schon mal grundsätzlich zum Filmegucken an. Diesen Monat waren wahre Perlen dabei, die selbstverständlich zu Recht auf den Oscar hoffen dürfen. Weiterlesen „Mein Januar in Filmen“

Die 5 BESTEN am DONNERSTAG #22: Filme zu Weihnachten

Mit einer dicken Erkältung im Bett, kommt mir dieses kuschelige Thema wie gerufen. In Goranas Die 5 BESTEN am DONNERSTAG geht es diese Woche um die Filme, die wir immer wieder gern in der Weihnachtszeit sehen. Ich habe da sehr viele in petto, weil Filme und Weihnachten für mich untrennbar miteinander verbunden sind. Wie soll man diese düstere Jahreszeit sonst überstehen, wenn nicht mit ein bisschen Kitsch und vielen schönen Filmen (und Büchern)? Deswegen halte ich es da ganz einfach: Weiterlesen „Die 5 BESTEN am DONNERSTAG #22: Filme zu Weihnachten“

Gilmore Girls: A Year in the Life

Die letzten vier Worte, mit denen Serienschöpferin Amy Sherman-Palladino die Gilmore Girls seit jeher hatte enden lassen wollen, haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Nach einem sechsstündigen Serienmarathon, der seine Höhen und Tiefen hatte, ließen uns diese wie aus dem Nichts kommenden Worte völlig verdattert und kein bisschen befriedigt zurück. Denn was sollte das eigentlich anderes sein als Effekthascherei? Weder passte diese Wendung zur vorangegangen Story, noch brachte sie einen richtigen Abschluss. Das einzige, was man dieser Circle-of-Life Idee zugute halten kann, ist dass sie viele Spekulationen möglich macht. Aber ist es wirklich das, was man sich von einem Serienende wünscht: noch mehr Fragen und Spekulationen? Weiterlesen „Gilmore Girls: A Year in the Life“

Die Reifeprüfung – Generationenclash im Schlafzimmer

diereifepruefungahpe_dvd-d-1_215
Bild-Quelle

Es ist Mittwochabend. Bergfest. Ich habe Lust auf ein Glas Vino und einen Film, der mich über meinen Alltag erhebt. Únd auch ein bisschen meinen Horizont erweitert. Also greife ich wieder zu einem mir unbekannten Filmklassiker: Die Reifeprüfung (im Original: The Graduate) von 1967, einer Zeit, die so weit weg ist, dass allein schon die Requisiten und die ungewohnte Prüderie zum Faszinosum werden. Oder wo sieht man heute noch einen 21-jährigen, jungfräulichen College-Absolventen, der erstmal panisch die Gardinen zuziehen und das Licht ausmachen muss, bevor er sich von einer attraktiven älteren Frau verführen lässt?

Doch der Film ist über seine Zeit hinaus einfach fantastisch und es ist mir ein Rätsel, warum ich angesichts der allgegenwärtigen Mrs. Robinson Bezüge noch nie auf die Idee gekommen bin, ihn zu sehen. Wahrscheinlich bin ich gerade wegen dieser „MILF“ Anspielungen à la American Pie, davon ausgegangen, dass es sich dabei um einen Teenie-Klamauk handelt. Aber dem ist ganz und gar nicht so.

Worum es geht

Benjamin (Dustin Hoffmann, jung aber doch zu alt, um als 21 durchzugehen) hat gerade das College abgeschlossen und ist wieder bei seinen Eltern eingezogen, die mit ihm prahlen wie mit einem Pokal. Statt sich über seinen akademischen Erfolg zu freuen, verfällt er in eine Sinnkrise. Er weiß nicht, wie seine Zukunft aussehen soll, nur wie seine Eltern möchte er auf keinen Fall werden. Da macht die reife Mrs. Robinson (Anne Bancroft) – eine Freundin seiner Eltern – Ben ein umoralisches Angebot, das er nach ein paar Tagen Bedenkzeit nicht ablehnen kann.

Benjamin beginnt eine Affäre mit Mrs. Robinson, die hauptsächlich aus Rendezvous in dunklen Hotelzimmern besteht. Mrs. Robinson ist unkompliziert, sie möchte nicht reden. Benjamin ist für sie eine kleine Ablenkung von ihrem unbefriedigenden Vorstadtehefrauendasein. Ihre einzige Bedingung ist, dass Benjamin nicht mit Elaine (Katharine Ross) ausgeht, ihrer Tochter, die genau in seinem Alter ist und in Berkeley studiert. Ben verspricht es und verliebt sich doch auf den ersten Blick in Elaine, was Mrs. Robinson natürlich gar nicht gefällt. Das Drama nimmt seinen Lauf. Weiterlesen „Die Reifeprüfung – Generationenclash im Schlafzimmer“

Bridget Jones‘ Baby – Musste das sein?

bridget_jones_filmplakat
copyright by universal pictures

Manche Filme sind wie gute Freunde. Wenn man sie braucht, geben sie einem ein warmes, heimeliges Gefühl und machen die Welt damit ein bisschen schöner. So ein Film ist für mich Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück. Der Moment, in dem Bridget zum ersten Mal auf Mark Darcy im Rentier-Pulli trifft, ist für mich so feierlich, dass ich ihn mir jedes Jahr aufs Neue zu den Feiertagen ansehen kann. Umso mehr ärgert es mich, wenn der gute, alte Freund zur Cashcow gemacht wird. Anders kann ich mir die Fortsetzung von Bridget Jones leider nicht erklären, so uninspiriert kommt dieser Film daher.

Worum es geht

Bridget Jones (Renée Zellweger) wird 43 und befindet sich noch immer in derselben Situation wie vor über einem Jahrzehnt: Single und unglücklich. Zwar hat sie einen tollen Job, aber was nützt der, wenn alle um sie herum Kinder bekommen und Ex Mark Darcy inzwischen verheiratet ist. Um ihrem vermeintlichem Alte-Jungfer-Status zumindest vorübergehend ein Ende zu setzen, lässt sie es an ihrem Geburtstag auf einem Festival krachen. Das Ergebnis: ein One-Night-Stand mit Folgen. Bridget ist schwanger. Aber ist wirklich der attraktive Jack (Patrick Dempsey) der Vater oder ist es doch Mark Darcy (Colin Firth), mit dem es zwischendurch dann doch nochmal zu einem Rückfall kommt? Als geübter Zuschauer von 08/15 Romanzen kann man die Antwort schnell erahnen, hofft aber doch noch überrascht zu werden. Die Männer jedenfalls lassen sich zunächst darauf ein, im Ungewissen zu tappen und Bridget gemeinsam durch die Schwangerschaft zu begleiten.

Weiterlesen „Bridget Jones‘ Baby – Musste das sein?“

The Big Short – die Finanzkrise als Komödie

the-big-short_media-paramount-de
copyright by paramount

„Truth is like poetry. And most people fucking hate poetry.“ (Overheard at a Washington, D.C. bar) (The Big Short)

Weil an dieser Erkenntnis vermutlich was dran ist, eignet sich ein Film wohl am besten, um uns die Augen für die Bodenlosigkeit der Finanzwelt zu öffnen. Und das ist es, was The Big Short (2015) eindeutig will. Dafür schlüpft er unter den Deckmantel  der Komödie, greift zu kurzweiligen Montage-Techniken, die sich immer wieder über die Handlung erheben und setzt gleich auf mehrere von Hollywoods begehrtesten Schauspielern: Christian Bale, Ryan Gosling, Brad Pitt und Steve Carell. Das Konzept geht auf. The Big Short ist ein bemerkenswerter Film, der ein komplexes Thema unterhaltsam verpackt und ein mulmiges Gefühl hinterlässt, eine Ahnung davon, auf wie viel Dreistigkeit und Dummheit das Finanzsystem basiert, von dem wir alle abhängen.

Worum es geht

Die Finanzkrise, die 2007 durch die platzende Immobilienblase in den USA eingeleitet wurde und sich 2008 zu einer Weltwirtschaftskrise hochschaukelte, traf viele Menschen unvorbereitet. Einige wiederum sahen sie bereits seit Jahren kommen und schlossen sogar Wetten darauf ab, mit denen Sie das Geschäft ihres Lebens machten. Um genau jene Menschen geht es in The Big Short. Weiterlesen „The Big Short – die Finanzkrise als Komödie“