Oktober: Über das Glück

Oktober, das war Kinderwagenschieben durch goldenes Herbstlaub, das waren warme, weiche Croissants, liebe Besucher und eine tiefe Dankbarkeit. Für dieses idyllische Eckchen, in dem wir leben, für die Menschen, die uns zur Seite stehen. Dafür, dass die Strapazen und Sorgen der Geburt nun hinter uns liegen und das Leben mit zwei wunderbaren, gesunden Mädchen vor uns. Kleine und große Glücksmomente, die genauso schnell gingen wie sie kamen. Weil Glück nun mal kein Dauerzustand ist und sich spätestens dann verflüchtigt, wenn die Schlaflosigkeit überhand nimmt.

Glück, das war auch das Thema der meisten Filme, die ich diesen Monat gesehen habe. Das Suchen und Finden und das Immer-wieder-an-sich-selbst-scheitern.  Weiterlesen „Oktober: Über das Glück“

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The Path: Aaron Paul in der Sekte

Aaron Paul hat mit der Rolle des Eddie Lane in der hulu-Serie The Path (auf Prime verfügbar) die perfekte Nachfolgerolle für seine Zeit nach Breaking Bad gefunden. Denn Eddie Lane könnte genauso gut die erwachsene Version von Jesse Pinkman sein. Nicht nur weil er ständig flucht und gern Flanellhemden trägt (Zufall?). Sondern weil er ein gebrochener Mann ist, der nach einer langen Odyssee endlich ein Zuhause gefunden hat.

Dieses Zuhause ist die fiktive Meyerismus-Sekte, benannt nach ihrem Gründer, Guru Steven Meyer. Schwer traumatisiert von seiner Vergangenheit, hatte Eddie sich selbst schon fast aufgegeben, als er auf die selbsternannte Bewegung stieß, die ihren Mitgliedern dazu verhelfen soll, eine spirituelle Leiter zu erklimmen, um im Falle des bevorstehenden Weltuntergangs sicher in den „Garten“ zu gelangen.

Klingt absurd? Wirkt in dieser Serie aber durchaus glaubhaft. Zum einen weil The Path hochwertig produziert ist und eine Atmosphäre erzeugt, der man sich schwerlich entziehen kann. Zum anderen weil es großen Spaß macht, dieser hochkarätigen Besetzung dabei zuzusehen, wie sie in einen inneren Zwiespalt gerät (neben Aaron Paul: Michelle Monaghan, Hugh Dancy und in Nebenrollen: Melanie Griffith, Frieda Pinto und Vincent Kartheiser).

In drei Staffeln zeichnet The Path (2016 – 2018) Eddies Entwicklung in der Bewegung nach und beleuchtet dabei die Mechanismen, die in solchen Sekten vorherrschen. Was die Serie dabei vor allem auszeichnet, ist ihr Hang zur Ambivalenz. Die Bewegung, die Idee einer Gemeinschaft, die an etwas Höheres glaubt, entwickelt sich mit der Zeit zu einem eigenständigen Protagonisten, für den man Verständnis entwickelt. Denn klar bietet die Sekte den idealen Handlungsrahmen für Machtmissbrauch durch Möchtegern-Gurus. Doch sie stiftet auch Sinn, gibt Menschen Halt und muss folglich beschützt und nicht zuletzt finanziert werden.

The Path bezieht keine eindeutige Stellung, sondern beleuchtet verschiedene Seiten solcher Gemeinschaften, vergleicht sie mit anerkannten Religionen und politischen Vereinigungen – und behält sich dazu auch immer die Möglichkeit des tatsächlich Übernatürlichen vor: Was wenn es die „Leiter“ wirklich gibt?

Aus all diesen – zugegebenermaßen nicht immer harmonisch ineinander greifenden Elementen – ergibt sich eine solide Serie, irgendwo zwischen Familiendrama, psychologischem Thriller und Mystery. Und so ist es fast schade, dass nach nur drei Staffeln Schluss ist. Wenn es auch nicht überrascht, denn in der dritten und leider schwächsten Staffel scheint sich ein Kreis zu schließen, der kaum noch Handlungsspielräume offen lässt. Weiterlesen „The Path: Aaron Paul in der Sekte“

Filme, Serien: Was im Frühling geschah

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Der Film und ich, wir leben uns langsam auseinander, so scheint mir. Wie oft sitze ich vor Netflix und Co. und klick mich ewig durch das Angebot, nur um am Ende doch wieder die Folge einer Serie zu starten. Woran das liegt: Hauptsächlich am Mangel neuer, aber vor allem guter Filme. Denn entweder gibt es hier schon zig mal gesehene Blockbuster oder irgendwelche B-Ware, die scheinbar billig zu haben war und so fast immer enttäuscht.

Früher liebte ich es, die Videothek nach neuen Filmen zu durchstreifen. Heute gibt es in meiner Umgebung keine Videotheken mehr. Und ja Online-Videotheken mögen praktisch sein, aber es tut dann doch weh, für die einmalige Sichtung eines Filmes auf der heimischen Couch 5 Euro hinzublättern. Man nenne mich geizig, aber dann greife ich meistens doch lieber auf die magere Auswahl der Streaming-Dienste zurück…und werde enttäuscht. Ein Teufelskreis. Wie macht ihr das? Irgendwelche Tipps zur Filmauswahl im Online-Dschungel?

Im vergangenen Frühling gab es jedenfalls nur einen Film, der mich so richtig beeindruckt hat und das war Frances Ha. Selbst Lady Bird, das oscar-nominierte Regie-Erstlingswerk von Greta Gerwig, das ich vor kurzem im Open-Air-Kino sah, konnte es mit diesem leichtfüßigen Schwarz-Weiß-Film nicht aufnehmen.

An guten Serien mangelte es dagegen wieder mal nicht. Bad Banks und die 2. Staffel von 13 Reasons Why waren da nur die Spitze des Eisbergs. Letztere wird meiner Meinung nach zu Unrecht so hart kritisiert. Wer hier noch „Victim Blaming“ oder Gewaltverherrlichung unterstellt (wie zum Beispiel hier gelesen), der hatte bei der Serie Augen und Ohren geschlossen. Womit ich es im Frühling noch so zu tun hatte… Weiterlesen „Filme, Serien: Was im Frühling geschah“

Filme: Was im Winter geschah

…oder auch: die Liste mit der (fast) schlechtesten Filmauswahl ever. Zumindest bis zum Ende dieses Winters, wo es dank ein bisschen Output von außen (vielen Dank, Frau Roeper) dann doch ein paar filmische Perlen gab (Three Billboards Outside Ebbing, Mississippi und Raum). Besonders letzterer hat mich ziemlich mitgenommen und tagelang nicht mehr losgelassen. Bis dahin war die Auswahl aber eher lustlos und auf Wohlfühl-Filme ausgelegt, ganz nach dem Motto ,,Wenn wir nicht mehr können, schau’n wir uns ’ne Romcom an.“

Ein Motto, mit dem ich leider kein gutes Händchen bewiesen habe. Mit wenigen Ausnahmen waren die meisten Filme, von denen ich mir ein bisschen Unterhaltung erhofft hatte, leider Mist. Warum diese Bequemlichkeit und nur ein minimales Interesse für die Filmkunst oder die diesjährigen Oscar-Favoriten? Ich habe eine ziemlich gute Ausrede: Der Klops bekommt Verstärkung. Dementsprechend habe ich mich hormongesteuert und schläfrig durch den Winter geschleppt. Man möge Nachsicht mit mir haben. Aber seht selbst.

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Feiertagsbingewahn: Downton Abbey // This is Us

Es gibt Serien, die schleift man so mit. Serien, die zu schade sind, um sie aufzugeben. Bei denen der Funke aber einfach nicht überspringen will oder schnell erloschen ist. Downton Abbey und This is Us waren für mich im letzten Jahr solche Serien. Zwischen den Festlichkeiten begab es sich aber zufällig, dass ich einen ganzen Tag lang einfach mal dem Nichtstun frönen konnte. Allein mit einem Fernseher und einem Streamingdienst habe ich die Gelegenheit genutzt, um damit abzuschließen. Und siehe da, in dieser seltsamen Zeit zwischen den Jahren brannte das Feuer wieder lichterloh.

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Filme, Serien: Was im Herbst geschah

Bevor mich der Feiertagstrubel vollends erfasst, noch eine kleine filmische Abrechnung mit dem Herbst, der bei mir dieses Jahr ganz im Zeichen von Mad Men stand. Nachdem ich für die ersten zwei und halb Staffeln über zwei Jahre gebraucht habe, ist am Ende der 3. Staffel der Knoten geplatzt, so dass ich an den dunklen Herbstabenden eigentlich nichts anderes brauchte als diese grandiose Serie. Sie ist schuld daran, dass ich beschämend wenig gelesen habe und meine Film- und Serienbilanz darüber hinaus recht random ist. Aber der Listenneurotiker in mir möchte sie nun mal trotzdem festhalten.

 

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Nicolas Vanier: Das Schneekind

Nicolas Vanier_Das Schneekind
(c) Piper Verlag

Und schon ist sie da, die Adventszeit. Ich sitze mit diesem Buch im Warmen und stelle mir vor, wir wären in einer eingeschneiten Blockhütte an einem Bergsee in Kanada. Tagsüber gehen wir Fischen und machen Ausflüge mit dem Hundeschlitten, abends sitzen wir vor dem Ofen, nähen Kleidung, die Temperaturen um die -40 Grad standhält, und lesen uns in den Schlaf. In Wirklichkeit bin ich ganz schön verweichlicht in Sachen Outdoor-Abenteur und noch nicht einmal ein großer Camping-Fan, aber Nicolas Vanier erzählt mit so viel Begeisterung von seinen Erlebnissen im hohen Norden Kanadas, dass man gar nicht anders kann, als sich nach der Unmittelbarkeit der Natur zu sehnen.

Der französische Abenteurer, seit jeher fasziniert von den Eis- und Schneewelten des Nordens, wagte 1995 nämlich etwas, was für die meisten Eltern, mich eingeschlossen, vollkommen unvorstellbar wäre. Zusammen mit seiner Frau und der 18 Monate alten Tochter Montaine bricht er auf zu einem einjährigen Trip von Kanada bis hoch nach Alaska. Zunächst zu Pferd, reitet die kleine Familie wochenlang unter widrigen Bedingungen entlang der Rocky Mountains, bevor sie sich schließlich an einem einsamen Bergsee niederlässt, um bis zum Wintereinbruch eine Blockhütte zu bauen, in der sie 5 Monate lang überwintern wird. 5 Monate, in denen sie sich vom Jagen, Fischen und Sammeln ernährt, Tiere beobachtet und sich gegen Grizzly-Bären zur Wehr setzt. Schließlich der Höhepunkt der Reise: Auf einem Hundeschlitten bricht Vanier mit Frau und Kind zu einem dreimonatigen Trip auf dem gefrorenen Fluss auf – drei Monate lang schutzlos der Kälte, den Blizzards und dem Packeis ausgeliefert, und das mit einem zweijährigen Kind an Bord.
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