13 Reasons Why – Staffel 2

Wie setzt man eine Geschichte fort, die eigentlich auserzählt ist? Wie schafft man eine würdige Fortsetzung für ein Format, das so viele kontroverse Diskussionen ausgelöst hat? Nicht indem man einfach eine neue hanebüchene Geschichte hinzudichtet – wie ich es für die Fortsetzung von  13 Reasons Why (Tote Mädchen lügen nicht) befürchtet hatte – sondern indem man all diesen Kontroversen einen eigenen Platz in der Geschichte einräumt und aus der Kritik an der ersten Staffel lernt.

Und was soll ich sagen, ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber die 2. Staffel der Netflix-Serie, die Hannahs Selbstmord im Rahmen einer Gerichtsprozesses aus verschiedenen Blickwinkeln reflektiert, gefiel mir sogar besser als die erste. Sie ist weniger plakativ, weniger durchgestylt, weniger genrefixiert – dafür aber um einiges tiefgehender, gründlicher und ja, auch spannender. Immerhin steht der Ausgang der Handlung nicht von vornherein fest. Weiterlesen „13 Reasons Why – Staffel 2“

Advertisements

Serien: Was im Winter geschah II

Ich weiß ja nicht, wie ihr das schafft, liebe Mitblogger, aber ich bin selten richtig up to date mit meinen Beiträgen. Vielleicht ist es auch ein unmögliches Unterfangen, inmitten von Job, Kind und Co. alles zu dokumentieren, was man so liest und schaut. Und natürlich ist es auch nicht gerade hilfreich, wenn man sich statt auf eine Sache gleich auf mehrere konzentriert. Aber so unvernünftig und ineffizient das auch ist, ich möchte mich nicht zwischen dem Buch- und dem Filmbloggen entscheiden. Dafür macht mir beides gerade einfach zu viel Spaß.

Konkret bedeutet das, alles wofür in den letzten Monaten keine Zeit war, wird eben kompakt zusammengefasst. Nach den Filmen des Winters sind nun die Serien an der Reihe. Die Auswahl (u. a. Fargo, Black Mirror, Riverdale) ist ziemlich netflixlastig, was mir zunehmend zu denken gibt. Vor ein paar Jahren wäre eine solche Abhängigkeit und damit ja auch Einschränkung des eigenen Sichtfeldes noch unvorstellbar gewesen (man stelle sich mal vor, man konsumiert nur noch Produktionen einer ganz bestimmten TV-App). Aber ganz so schlimm ist das nun doch nicht. Mit Mr. Robot entdecke ich gerade, dass auch Prime einiges zu bieten hat. Und außerdem sind die meisten Netflix-Serien leider nun mal verdammt gut.

skeet_ulrich_riverdale_giphy
via Giphy

Weiterlesen „Serien: Was im Winter geschah II“

Elena Ferrante: Die Geschichte des verlorenen Kindes

Elena Ferrante_Die Geschichte des verlorenen Kindes
(c) Suhrkamp

Je näher ich dem Ende kam, desto enttäuschter war ich. Vielleicht deshalb, weil es nun einfach zu Ende ging, vielleicht auch weil ich mir von Die Geschichte des verlorenen Kindes, dem vierten und letzten Band von Elena Ferrantes Neapel-Saga mehr versprochen hatte. Aber was eigentlich? Einen großen Höhepunkt, eine Aufklärung über Lilas Person oder zumindest über ihr Verschwinden? Am Ende geschah nichts dergleichen. Die Geschichte endet genau dort, wo sie beginnt. Mit dem Unterschied, dass wir nun das ganze Ausmaß des traurigen und letztlich doch unspektakulären Lebens der Verschwundenen kennen. Und vielleicht hinterlässt dieses für sich schon einen bitteren Beigeschmack. Die sich nicht erfüllende Hoffnung. Das Potential, das mit zunehmendem Alter versickert und nichts hervorbringt.

Was mir in Die Geschichte des verlorenen Kindes außerdem auffiel, ist, dass mir Ich-Erzählerin Elena, die uns die Geschichte ja immerhin erzählt, zunehmend unsympathischer wurde. Während sie mir besonders in Band 3 so nahe wie eine gute Freundin schien, mit deren Gedanken ich mich absolut identifizieren konnte, beginnt sie sich im 4. Band zunehmend im Kreis und damit überwiegend um sich selbst zu drehen. Hier vor allem um ihre Schriftstellerkarriere und den fast schon peinlichen Wunsch, unbedingt zur Elite zu gehören. Ein Wunsch, der sie am Ende ihre Freundschaft mit Lila kostet, und zwar ausgerechnet dann, als sie diese am nötigsten hat. So viel zu Solidarität unter Frauen – ihrem ewigen Mantra. Weiterlesen „Elena Ferrante: Die Geschichte des verlorenen Kindes“

Sven Regener: Wiener Strasse

Sven Regener_Wiener Strasse
(c) Kiepenheuer & Witsch

P. Immel, Kacki, Dr. Votz – so heißen sie, die Protagonisten, die in diesem neuen Sven Regener Roman den Mikrokosmos von Frank Lehmann bewohnen  die Wiener Strasse in Kreuzberg, im Schatten der Mauer Anfang der 80er Jahre. Kommt man ersteinmal über diese gnadenlos albernen Namen hinweg, amüsiert man sich köstlich über diese nicht minder albernen Figuren, die den ganzen Tag so vor sich hin sinnieren und dabei ganz nebenbei die Frage danach stellen, was eigentlich Kunst ist.

Da ist der leicht geisteskrank wirkende H. R., der gerne mit Kettensäge und Mistgabel durch die Gegend rennt und selbst eine einzige Performance ist. Da ist P. Immel, der Anführer der ArschArt Gruppe, der unter dem Deckmantel der Kunst gerne den Diktator spielt. Kacki, der sentimentale Österreicher, der wirklich gerne „zusammen leben, lieben, Kunst machen“ würde und doch von niemandem ernst genommen wird. Und natürlich die alten Bekannten aus der Herr Lehmann Trilogie (Herr Lehmann, Neue Vahr Süd, Der kleine Bruder): Karl Schmidt, der seine Metallskulpturen an den Mann bringen will, der griesgrämige aber doch warmherzige Erwin, der sich darauf vorbereitet Vater zu werden, und natürlich Frank Lehmann, der nicht oft genug betonen kann, dass man über Menschen nicht in der dritten Person spricht, wenn diese dabei sind. Weiterlesen „Sven Regener: Wiener Strasse“

Stranger Things – Staffel 2

Wenn eine gute Fortsetzung darin besteht, offene Fragen zu beantworten und Lücken zu schließen, ist Stranger Things 2, wie sich die 2. Staffel des Netflix-Serienhits in der Tradition der Fortsetzungen selbst bezeichnet, durchaus gelungen. Trotz dem Zeitsprung von einem Jahr, setzt die Serie genau dort an, wo sie aufgehört hat und liefert dem Zuschauer im Detail das nach, was am Ende der ersten Stranger Things Staffel offen blieb. Was geschah mit Elfie? Welche Verbindung hat Will noch zur Schattenwelt? Wie geht es mit dem Hawkings Labor weiter? Steht Nancy auf den Draufgänger Steve oder doch eher auf den introvertierten Jonathan? Akribisch greift die Fortsetzung diese Fragen auf und versucht dabei jedem seiner Protagonisten gerecht zu werden. Selbst Barb, die in der ersten Staffel als einzige unwiederbringlich dem Demogorgon zum Opfer fiel, wird hier noch nachträglich gerächt. Das ist nett, aber ist das noch spannend oder gar gruselig?
Weiterlesen „Stranger Things – Staffel 2“

Der September in Filmen

Der Herbst war schneller da als erwartet und mit ihm das Bedürfnis, sich einzuigeln. Wenn nicht gerade eine Folge Mad Men (aktuell Staffel 4 und es ist die pure Freude), musste es ein zur Stimmung passender Film sein. Ein paar Filme sind im September also zusammengekommen: ein Filmklassiker aus den 70ern, was fürs Herz, zwei Blödelfilme für die kopflose Unterhaltung, zwei bewegende Musiker-Dokus und neben Berlin Syndrom sogar noch ein weiterer aktueller Film, der obwohl vielversprechend, leider ein Reinfall war.

Weiterlesen „Der September in Filmen“

Gilmore Girls: A Year in the Life

Die letzten vier Worte, mit denen Serienschöpferin Amy Sherman-Palladino die Gilmore Girls seit jeher hatte enden lassen wollen, haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Nach einem sechsstündigen Serienmarathon, der seine Höhen und Tiefen hatte, ließen uns diese wie aus dem Nichts kommenden Worte völlig verdattert und kein bisschen befriedigt zurück. Denn was sollte das eigentlich anderes sein als Effekthascherei? Weder passte diese Wendung zur vorangegangen Story, noch brachte sie einen richtigen Abschluss. Das einzige, was man dieser Circle-of-Life Idee zugute halten kann, ist dass sie viele Spekulationen möglich macht. Aber ist es wirklich das, was man sich von einem Serienende wünscht: noch mehr Fragen und Spekulationen? Weiterlesen „Gilmore Girls: A Year in the Life“