The Affair – Staffel 4

In dieser 4. Staffel von The Affair beschlich mich zum ersten Mal das Gefühl, dass es nun abwärts geht mit dieser Serie, dass ihr Konzept einfach nicht mehr aufgeht. Das war noch bevor ich erfuhr, vor welcher Mammut-Aufgabe die Autoren in dieser Staffel standen: Weil eine/r der Hauptdarsteller/innen beschlossen hatte, die Serie zu verlassen, musste eine zentrale Figur herausgeschrieben werden.

Wäre das nicht gewesen, wäre sie mit Sicherheit ganz anders geworden diese Staffel. Schließlich hat sich Ende der 3. Staffel der Beginn einer wieder erblühenden Liebesgeschichte angedeutet, die nun keine Chance mehr bekommen hat. Stattdessen sehen wir: Vier Hauptcharaktere, die nicht weiter voneinander entfernt sein könnten, die nur noch so lose miteinander verbunden sind, dass nicht einmal mehr ein gemeinsames Geschehen vorhanden ist, dass es multiperspektivisch zu betrachten gäbe.

Nichts erinnert mehr an den Anfang. Das besondere Konzept, jede Folge aus zwei Perspektiven zu erzählen, geht nicht mehr auf, wenn jede Figur ihre ganz eigene Geschichte verfolgt. Erst am Ende, in den letzten beiden Folgen, hat es bei mir dann doch noch Klick gemacht. Hier schloss sich ein Kreis, hier fügte sich zusammen, was eigentlich längst nicht mehr zusammengehört. Ein großartiges Staffelfinale, das die Hoffnung zulässt, dass diese Serie vielleicht doch noch eine Staffel lang (Achtung: Großer Spoiler) ohne ihre weibliche Hauptfigur wird auskommen können. Weiterlesen „The Affair – Staffel 4“

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Gute Urlaubslektüre? Gelesen im Sommer

In den letzten Wochen wurde ich häufiger gefragt, ob ich ein gutes Buch für den Urlaub empfehlen könne. Ich empfahl Bücher, die mir zuletzt gut gefallen hatten und bekam zu hören: Die seien zu ernst oder zu nah dran am eigenen Leben. Auf die Frage, was denn nun gute Urlaubslektüre ausmache, habe ich keine zufriedenstellende Antwort bekommen.

Sollte es etwas möglichst Simples und Vorhersehbares sein (siehe Charlotte Link und Co.), um die grauen Zellen wenigstens im Urlaub zu schonen? Sollten es Bücher aus dem jeweiligen Urlaubsland sein, die das Urlaubsfeeling thematisch noch unterstreichen oder andersherum: genau das Gegenteil, um einem Lagerkoller vorzubeugen? Wann wenn nicht im Müßiggang der Ferienzeit sollte man genau die Bücher lesen, nach denen einem gerade der Sinn steht?

Ich widme mich diesen Fragen mit einem Blick auf meine eigene Sommerlektüre. Ich wurde in den Bann gezogen von Emma Clines The Girls, habe gelacht bei Marc-Uwe Klings Qualityland und geweint bei Anthony Doerrs Kurzgeschichtensammlung Die Tiefe.

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Anna Galkina: Das neue Leben

Buchcover: Das neue Leben von Anna Galkina
(c) Frankfurter Verlagsanstalt

Anna Galkina hat ein Buch geschrieben, das stellvertretend für die Erfahrungen sehr vieler Aussiedler und Migranten stehen könnte, die Anfang der 90er Jahre aus der zerfallenen Sowjetunion nach Deutschland kamen. Vom Abschied, Auffanglagern und Notunterkünften, von Vorurteilen und unerfüllten Träumen handelt Das neue Leben (2017), aber auch von der Hoffnung, vom zarten Zauber des Neuanfangs und nicht zuletzt von der ganz persönlichen Geschichte einer jungen Frau. Der heimatlosen Ich-Erzählerin Nastja, die der Leser schon aus Galkinas Erstlingswerk Das kalte Licht der fernen Sterne kennt und die auch hier wieder kein Blatt vor den Mund nimmt.

Ich gebe zu, ich war kritisch mit Galkinas erstem Roman. Doch ab sofort bezeichne ich mich gerne als ihr Fan. Das neue Leben hat mich getroffen. Und das obwohl oder gerade weil es weniger sprachgewaltig ist als ihr Debut. War mir die Gegenüberstellung von Zartheit und Brutalität hier zu radikal, konnte ich mich in ihrem zweiten Roman schon besser darauf einlassen. Denn Humor, Ironie und harte Realität wirken hier nicht künstlich nebeneinander gestellt, sondern erscheinen viel mehr als zwei natürliche Seiten einer Medaille.

Und so habe ich gelacht, geweint und Nastjas Erfahrungen immer wieder mit meinen eigenen (leicht verklärten Kindheitserinnerungen an die ersten Monate in Deutschland) abgeglichen.

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The Path: Aaron Paul in der Sekte

Aaron Paul hat mit der Rolle des Eddie Lane in der hulu-Serie The Path (auf Prime verfügbar) die perfekte Nachfolgerolle für seine Zeit nach Breaking Bad gefunden. Denn Eddie Lane könnte genauso gut die erwachsene Version von Jesse Pinkman sein. Nicht nur weil er ständig flucht und gern Flanellhemden trägt (Zufall?). Sondern weil er ein gebrochener Mann ist, der nach einer langen Odyssee endlich ein Zuhause gefunden hat.

Dieses Zuhause ist die fiktive Meyerismus-Sekte, benannt nach ihrem Gründer, Guru Steven Meyer. Schwer traumatisiert von seiner Vergangenheit, hatte Eddie sich selbst schon fast aufgegeben, als er auf die selbsternannte Bewegung stieß, die ihren Mitgliedern dazu verhelfen soll, eine spirituelle Leiter zu erklimmen, um im Falle des bevorstehenden Weltuntergangs sicher in den „Garten“ zu gelangen.

Klingt absurd? Wirkt in dieser Serie aber durchaus glaubhaft. Zum einen weil The Path hochwertig produziert ist und eine Atmosphäre erzeugt, der man sich schwerlich entziehen kann. Zum anderen weil es großen Spaß macht, dieser hochkarätigen Besetzung dabei zuzusehen, wie sie in einen inneren Zwiespalt gerät (neben Aaron Paul: Michelle Monaghan, Hugh Dancy und in Nebenrollen: Melanie Griffith, Frieda Pinto und Vincent Kartheiser).

In drei Staffeln zeichnet The Path (2016 – 2018) Eddies Entwicklung in der Bewegung nach und beleuchtet dabei die Mechanismen, die in solchen Sekten vorherrschen. Was die Serie dabei vor allem auszeichnet, ist ihr Hang zur Ambivalenz. Die Bewegung, die Idee einer Gemeinschaft, die an etwas Höheres glaubt, entwickelt sich mit der Zeit zu einem eigenständigen Protagonisten, für den man Verständnis entwickelt. Denn klar bietet die Sekte den idealen Handlungsrahmen für Machtmissbrauch durch Möchtegern-Gurus. Doch sie stiftet auch Sinn, gibt Menschen Halt und muss folglich beschützt und nicht zuletzt finanziert werden.

The Path bezieht keine eindeutige Stellung, sondern beleuchtet verschiedene Seiten solcher Gemeinschaften, vergleicht sie mit anerkannten Religionen und politischen Vereinigungen – und behält sich dazu auch immer die Möglichkeit des tatsächlich Übernatürlichen vor: Was wenn es die „Leiter“ wirklich gibt?

Aus all diesen – zugegebenermaßen nicht immer harmonisch ineinander greifenden Elementen – ergibt sich eine solide Serie, irgendwo zwischen Familiendrama, psychologischem Thriller und Mystery. Und so ist es fast schade, dass nach nur drei Staffeln Schluss ist. Wenn es auch nicht überrascht, denn in der dritten und leider schwächsten Staffel scheint sich ein Kreis zu schließen, der kaum noch Handlungsspielräume offen lässt. Weiterlesen „The Path: Aaron Paul in der Sekte“

Filme, Serien: Was im Frühling geschah

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Der Film und ich, wir leben uns langsam auseinander, so scheint mir. Wie oft sitze ich vor Netflix und Co. und klick mich ewig durch das Angebot, nur um am Ende doch wieder die Folge einer Serie zu starten. Woran das liegt: Hauptsächlich am Mangel neuer, aber vor allem guter Filme. Denn entweder gibt es hier schon zig mal gesehene Blockbuster oder irgendwelche B-Ware, die scheinbar billig zu haben war und so fast immer enttäuscht.

Früher liebte ich es, die Videothek nach neuen Filmen zu durchstreifen. Heute gibt es in meiner Umgebung keine Videotheken mehr. Und ja Online-Videotheken mögen praktisch sein, aber es tut dann doch weh, für die einmalige Sichtung eines Filmes auf der heimischen Couch 5 Euro hinzublättern. Man nenne mich geizig, aber dann greife ich meistens doch lieber auf die magere Auswahl der Streaming-Dienste zurück…und werde enttäuscht. Ein Teufelskreis. Wie macht ihr das? Irgendwelche Tipps zur Filmauswahl im Online-Dschungel?

Im vergangenen Frühling gab es jedenfalls nur einen Film, der mich so richtig beeindruckt hat und das war Frances Ha. Selbst Lady Bird, das oscar-nominierte Regie-Erstlingswerk von Greta Gerwig, das ich vor kurzem im Open-Air-Kino sah, konnte es mit diesem leichtfüßigen Schwarz-Weiß-Film nicht aufnehmen.

An guten Serien mangelte es dagegen wieder mal nicht. Bad Banks und die 2. Staffel von 13 Reasons Why waren da nur die Spitze des Eisbergs. Letztere wird meiner Meinung nach zu Unrecht so hart kritisiert. Wer hier noch „Victim Blaming“ oder Gewaltverherrlichung unterstellt (wie zum Beispiel hier gelesen), der hatte bei der Serie Augen und Ohren geschlossen. Womit ich es im Frühling noch so zu tun hatte… Weiterlesen „Filme, Serien: Was im Frühling geschah“

13 Reasons Why – Staffel 2

Wie setzt man eine Geschichte fort, die eigentlich auserzählt ist? Wie schafft man eine würdige Fortsetzung für ein Format, das so viele kontroverse Diskussionen ausgelöst hat? Nicht indem man einfach eine neue hanebüchene Geschichte hinzudichtet – wie ich es für die Fortsetzung von  13 Reasons Why (Tote Mädchen lügen nicht) befürchtet hatte – sondern indem man all diesen Kontroversen einen eigenen Platz in der Geschichte einräumt und aus der Kritik an der ersten Staffel lernt.

Und was soll ich sagen, ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber die 2. Staffel der Netflix-Serie, die Hannahs Selbstmord im Rahmen einer Gerichtsprozesses aus verschiedenen Blickwinkeln reflektiert, gefiel mir sogar besser als die erste. Sie ist weniger plakativ, weniger durchgestylt, weniger genrefixiert – dafür aber um einiges tiefgehender, gründlicher und ja, auch spannender. Immerhin steht der Ausgang der Handlung nicht von vornherein fest. Weiterlesen „13 Reasons Why – Staffel 2“

Filme: Was im Winter geschah

…oder auch: die Liste mit der (fast) schlechtesten Filmauswahl ever. Zumindest bis zum Ende dieses Winters, wo es dank ein bisschen Output von außen (vielen Dank, Frau Roeper) dann doch ein paar filmische Perlen gab (Three Billboards Outside Ebbing, Mississippi und Raum). Besonders letzterer hat mich ziemlich mitgenommen und tagelang nicht mehr losgelassen. Bis dahin war die Auswahl aber eher lustlos und auf Wohlfühl-Filme ausgelegt, ganz nach dem Motto ,,Wenn wir nicht mehr können, schau’n wir uns ’ne Romcom an.“

Ein Motto, mit dem ich leider kein gutes Händchen bewiesen habe. Mit wenigen Ausnahmen waren die meisten Filme, von denen ich mir ein bisschen Unterhaltung erhofft hatte, leider Mist. Warum diese Bequemlichkeit und nur ein minimales Interesse für die Filmkunst oder die diesjährigen Oscar-Favoriten? Ich habe eine ziemlich gute Ausrede: Der Klops bekommt Verstärkung. Dementsprechend habe ich mich hormongesteuert und schläfrig durch den Winter geschleppt. Man möge Nachsicht mit mir haben. Aber seht selbst.

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