Stranger Things – Staffel 2

Wenn eine gute Fortsetzung darin besteht, offene Fragen zu beantworten und Lücken zu schließen, ist Stranger Things 2, wie sich die 2. Staffel des Netflix-Serienhits in der Tradition der Fortsetzungen selbst bezeichnet, durchaus gelungen. Trotz dem Zeitsprung von einem Jahr, setzt die Serie genau dort an, wo sie aufgehört hat und liefert dem Zuschauer im Detail das nach, was am Ende der ersten Stranger Things Staffel offen blieb. Was geschah mit Elfie? Welche Verbindung hat Will noch zur Schattenwelt? Wie geht es mit dem Hawkings Labor weiter? Steht Nancy auf den Draufgänger Steve oder doch eher auf den introvertierten Jonathan? Akribisch greift die Fortsetzung diese Fragen auf und versucht dabei jedem seiner Protagonisten gerecht zu werden. Selbst Barb, die in der ersten Staffel als einzige unwiederbringlich dem Demogorgon zum Opfer fiel, wird hier noch nachträglich gerächt. Das ist nett, aber ist das noch spannend oder gar gruselig?
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Holy mother!

Wenn sich eine weibliche Filmfigur in einem großen, abgeschiedenen Haus wiederfindet, geht das selten gut aus. Läuft der Gatte nicht gerade Amok, wird sie entweder von satanischen Mächten oder einem Serienkiller heimgesucht. Mit dieser Erwartung ging ich jedenfalls ins Kino, um mother! zu sehen, Darren Aronofskys neustes, als Psychothriller getarntes Meisterwerk mit Jennifer Lawrence und Javier Bardem in den Hauptrollen. Auf das, was ich dort tatsächlich zu sehen bekam, war ich nicht vorbereitet.

Die menschliche Schöpfungsgeschichte in der Nussschale, in einem viktorianischen Haus genau genommen, in dem ,,Er“, der geniale Dichter aka Schöpfer, mit ihr zusammenlebt, der ,,Mutter“, die sich verzweifelt bemüht, den Frieden im Haus aufrecht zu erhalten und doch nicht verhindern kann, dass Krieg und Chaos einziehen. Mother! gehört zu den Filmen, die man sofort ein zweites Mal sehen will, allein um die vielen Indizien für den allegorischen Deutungsansatz besser einordnen zu können. Weiterlesen „Holy mother!“

Berlin Syndrom – Die Stadt frisst ihre Touris

 

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(c) MFA+

,,Frauen, reist bloß nicht allein“ oder ,,Augen auf beim One-Stand-Night“ –  so in etwa ließe sich die Botschaft von Berlin Syndrom (2017) banal auf den Punkt bringen. In dem Psychothriller von Cate Shortland gerät die australische Backpackerin Clare (Teresa Palmer), die in Berlin das Abenteuer sucht, an den denkbar schlechtesten Mann für eine Nacht; Soziopath Andi (Max Riemelt) lässt sie am Morgen danach einfach nicht gehen. Während Clare zunächst noch alles daran setzt, aus der Isolationshaft seiner Wohnung zu entkommen, muss sie sich nach und nach mit ihrem Peiniger arrangieren und entwickelt in Momenten der Schwäche fast schon so etwas wie Mitgefühl.

Stockholm-Syndrom nennt sich das Phänomen, wenn Opfer Zuneigung zu ihren Entführern entwickeln –  benannt nach einem Kriminalfall in der schwedischen Hauptstadt, bei dem die Geiseln sich nach mehrtägiger Geiselhaft mehr zu den Tätern als zu ihren Rettern hingezogen fühlten. Doch auch wenn der Filmtitel ein solches Verhältnis andeuten will, trifft es hier nur sehr entfernt zu. Als alle Ausbruchsversuche scheitern, versucht Clare weniger aus Sympathie als aus purem Überlebenswillen, sich mit Andi ,,gutzustellen“. Umso interessanter erscheint da der Filmtitel. Warum Berlin Syndrom? Was ist das berlinspezifische an dieser Geschichte, wo so etwas doch überall auf der Welt passieren könnte? Weiterlesen „Berlin Syndrom – Die Stadt frisst ihre Touris“

Filme, Serien: Was im Sommer geschah

Darf man sich eigentlich noch als Filmfan bezeichnen, wenn man seit Monaten keinen neuen Film mehr gesehen hat?! Ich hoffe schon, denn der Wille war da. Es mangelte nur an der konsequenten Umsetzung. Im Sommer musste die Fiktion hinter dem wahren Leben zurückstehen. Und das war schön, denn mit einem Kleinkind, das ungern vor Sonnenuntergang nach Hause geht, fühlt man sich selbst wieder wie ein Kind: Park, Eis essen, Freibad und endlich der langersehnte Urlaub, wo mich die Romane von Elena Ferrante komplett in Beschlag nahmen. Wenn ich dann doch mal vor der Flimmerkiste landete, dann für möglichst kurzweilige, sommerliche Filme, wenn das auch sicherlich nicht ganz auf diesen Film zutrifft; den wohl erschütterndsten, den ich zuletzt, wenn nicht gar überhaupt, gesehen habe.

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Resteverwertung: Mein Frühling in bewegten Bildern

Wenn schon Medienreflexion, dann richtig. Und so müssen auch die Filme und Serien thematisiert werden, die man nur halbherzig konsumiert hat oder die allein dem Zweck dienten, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Nach der filmintensiven Award-Season  war meine Filmauswahl in den letzten Monaten jedenfalls eher bequem und nostalgisch motiviert. Nur wenige neue, und noch weniger aktuelle Filme schafften es ins Abendprogramm. Dafür entdeckte ich die ein oder andere alte Perle wieder.

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Lionel Shriver: Wir müssen über Kevin reden

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Ist es die Schuld der Eltern, wenn das Kind Amok läuft? Wird ein Mensch bösartig geboren oder ist es das Umfeld, das ihn dazu macht? Diese Frage wurde wahrscheinlich selten so drastisch gestellt wie im Roman Wir müssen über Kevin reden (We need to talk about Kevin, 2003) von Lionel Shriver.

Bei mir persönlich, die ich vor nicht allzu langer Zeit selbst Mama geworden bin, hat dieses Thema jedenfalls einen Nerv getroffen und mich so beschäftigt, dass ich mir gleich die Verfilmung zum Roman ansehen musste. Nicht weil mein Kind so böse ist, ganz im Gegenteil, halte ich meine Tochter natürlich für das liebste und süßeste Geschöpf der Welt – nach der Lektüre dieses Romans umso mehr – aber hätte ich theoretisch auch ein Kind bekommen können, das ich nicht mag, so wie es Eva in Wir müssen über Kevin reden ergangen ist? Die Antwort auf diese Frage ist eine gewaltige Grundsatzdiskussion, was diesen Roman zu mehr macht als einem fesselnden Psychothriller, der stellenweise an Horror grenzt.

Worum es geht

Wenige Tage vor seinem 16. Geburtstag wird Kevin zum Amokläufer und tötet 9 Menschen an seiner High-School. Im Fokus des Romans steht jedoch nicht Kevin selbst, sondern seine Mutter Eva, die etwa zwei Jahre später in Form von Briefen an ihren abwesenden Ehemann Franklin versucht, das Geschehene aufzuarbeiten. Sie erzählt, wie es ihr als Ausgestoßene in der Gesellschaft ergeht, rekonstruiert das Leben mit Kevin und fragt sich immer wieder, warum? Wie konnte es soweit kommen und was hätte sie als Mutter anders machen können? Weiterlesen „Lionel Shriver: Wir müssen über Kevin reden“

Herbstzeit ist Serienzeit

Ich bin ein Herbsttyp. Nicht nur weil mir Braun so gut steht und ich gern Tee trinke, sondern weil im Herbst die neue Seriensaison beginnt. Schon im Frühjahr, wenn ein Staffelfinale das nächste jagt und ein Cliffhanger mich fassungslos zurücklässt (ich meine dich, The Walking Dead), freue ich mich wieder auf die goldene Jahreszeit. Und siehe da, waren es gerade noch drei endlos scheinende Monate, ist er doch wieder sehr schnell da: der Serienherbst.

Ich gebe zu, in den letzten Jahren ist die Vorfreude leicht zurückgegangen. Denn wer braucht eigentlich noch die großen amerikanischen Sender um seine Seriensucht zu stillen, wenn Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime & Co. einem fast wöchentlich neue Serien ins Haus liefern? Mit Stranger Things und Master of None habe ich diesen Sommer tatsächlich auch zwei der besten Serien seit Langem gesehen – und das ohne jede Woche auf eine neue Folge warten zu müssen. Aber was soll ich sagen: die Freude auf den Serienherbst hat sich über die Jahre hinweg in mein System gebrannt und ich lege Wert auf Traditionen.

Dieses Jahr gibt es leider nicht allzu viele Formate, auf die ich mich so richtig freue, weil einige von ihnen über die Jahre hinweg ganz schön verschlissen wurden. Aber dafür sind finale Staffeln dabei, was immer spannend ist. Und außerdem steht auch noch das größte Serien-Event ever an – die Wiederkehr der Gilmore Girls im November (auch wieder Netflix sei Dank). Die Uhren stehen auf Countdown. Weiterlesen „Herbstzeit ist Serienzeit“