Haruki Murakami und ich

haruki_murakamiGroßes hatte ich erwartet von dem allseits hochverehrten Haruki Murakami: eine radikale, skandalträchtige Prosa, tiefschürfende Erkenntnisse, vielleicht sogar eine Erleuchtung. Was ich fand, war die Stimme eines einsamen Mannes, der immer wieder aufs Neue den bittersüßen Schmerz seiner Adoleszenz heraufbeschwört.

Das ist nicht unsympathisch und hat eine gewisse Anziehung, wirkt durch die Wiederholung der immer gleichen Motive (einsame Männer, Drinks, Musik und mysteriöse Frauen) jedoch schnell abgegriffen. Doch jeder Autor hat ja so sein Lebensthema und es muss schließlich auch jemanden geben, der sich der latenten Verzweiflung trauriger Männer widmet. Vielleicht habe ich aber auch rein zufällig, zwei Bücher gewählt, die sich in ihrer Thematik so sehr ähneln.

Ich las Marukamis Roman Südlich der Grenze, westlich der Sonne, der seinerzeit unter dem Titel Gefährliche Geliebte (2000) das Literarische Quartett um Marcel Reich-Ranicki gespalten haben soll, und anschließend den Erzählband Von Männern, die keine Frauen haben (2014). Nach allem was ich gehört hatte, konnte ich daran jedoch weder etwas Anstößiges noch etwas Weltbewegendes entdecken. Dafür eine surreale Doppelbödigkeit, der man sich nur schwer entziehen kann. Weiterlesen „Haruki Murakami und ich“

Reiselektüre: Westküste (USA)

Meinen Frust über den ausgebliebenen Frühling kompensiere ich mit dem Schwelgen in Urlaubserinnerungen. Der Kälte müde und des grauen Himmels überdrüssig, zehre ich in Gedanken von der Sonne Kaliforniens, von dem Licht Nevadas und den endlosblauen Himmeln Utahs und Arizonas.

Dabei sind meine Erinnerungen auch immer mit den wunderbaren Büchern verknüpft, die ich unterwegs gelesen habe und die wie geschaffen dafür sind, ein Gefühl für „das Land der Freiheit“ und den Westen im Besonderen zu bekommen. Weiterlesen „Reiselektüre: Westküste (USA)“

Johanna Adorján: Meine 500 besten Freunde

Meine 500 besten FreundeWer bei diesem Titel an den sozialen Größenwahn so mancher Digital Natives denkt, wird schnell eines besseren belehrt. In Meine 500 besten Freunde (2013) geht es Johanna Adorján weniger um die Oberflächlichkeit des Einzelnen, als vielmehr um die Oberflächlichkeit eines ganzen Berufsstandes. In kleinen, lose miteinander verbundenen Stories nimmt Adorján, selbst Journalistin und Feuilletonistin, auf kurzweilige Art und Weise den Kultur- und Medienbetrieb auseinander.

Dabei hätten ihre Protagonisten mit Sicherheit ganz beeindruckende Facebook-Profile vorzuweisen. Allesamt sind sie nach außen hin schillernde Persönlichkeiten, insofern, dass sie es irgendwie geschafft haben, einen Fuß in den Kulturbetrieb zu kriegen. Blickt man hinter die mühsam gepflegten Selbstdarstellungen findet man jedoch überwiegend Unsicherheit, Leere, Verzweiflung und die ganz normale Eitelkeit. Weiterlesen „Johanna Adorján: Meine 500 besten Freunde“

Gesehen und gelesen im November

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Es scheint kein Zufall zu sein, dass ich ausgerechnet im November auf die Serie Black Mirror gestoßen bin, fühlt es sich seit dem 8. November doch so an, als könnte die Realität genauso gut eine Folge daraus sein. Donald Trump als Präsident und mächtigster Mann der Welt?! Da erscheint es mir doch weniger absurd, dass der englische Premierminister mit einem Schwein kopulieren muss. Es gibt mit Sicherheit viel, was wir von dieser originellen Anthologie-Serie, die die Technologisierung der Gesellschaft auf die Spitze treibt, lernen können, aber da ich noch mittendrin bin, möchte ich im Moment auch nicht mehr darüber sagen. Außer, dass sie bisher sehr sehenswert ist. Außerdem habe ich letzen Monat reingeguckt in: Weiterlesen „Gesehen und gelesen im November“