Netflix: Gypsy – eine feministische Serie?

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(c) Netflix

Wer bei Gypsy, der von Netflix als Psychothriller verkauften Naomi Watts Serie, Nervenkitzel erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Denn dabei zuzusehen, wie Naomi Watts eine frustrierte Vorstadt-Ehefrau spielt, die als Therapeutin die Distanz zu ihren Patienten verliert, dürfte wohl kaum als Psychothriller durchgehen. Dafür passiert hier entschieden zu wenig – wenn man einmal von den allzu sehr gewollten Fummelszenen absieht (Fifty Shades Regisseurin Sam Taylor-Wood war am Werk).

Nichtsdestotrotz gibt die Serie einige interessante Denkanstöße. Denn womit kämpft die Hauptfigur denn im Grunde die ganze Zeit? Mit der sozialen Rolle, die ihr als Ehefrau und Mutter automatisch zugeschrieben wird, selbst wenn ihre Persönlichkeit mit dieser Rolle nicht kompatibel ist. Und so erscheint hier der Versuch, sich trotz Ehe und Kind ,,nicht selbst zu verlieren“ als pathologisch. Naomi Watts verstrickt sich in ein vermeintlich zerstörerisches Doppelleben. Weiterlesen „Netflix: Gypsy – eine feministische Serie?“

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F. Scott Fitzgerald: Der grosse Gatsby

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(c) Suhrkamp / Insel

Gatsby glaubte an das grüne Licht, an die orgastische Zukunft, die Jahr für Jahr vor uns zurückweicht. Auch damals entzog sie sich uns, aber darauf kommt es nicht an – morgen laufen wir schneller und strecken die Arme weiter aus…Und eines schönen Morgens…

So stemmen wir uns voran, in Booten gegen den Strom, und werden doch immer wieder zurückgeworfen ins Vergangene. (F. Scott Fitzgerald: Der grosse Gatsby)

Was für ein phänomenaler letzter Satz für einen Roman. Sätze wie diese, von einer so poetischen Wucht, machen es unmöglich, F. Scott Fitzgerald nicht zu mögen. Auch wenn er als Schriftstellerpersönlichkeit auf mich eher unsympathisch wirkt, zumindest aus feministischer Perspektive. Genau wie Hemingway repräsentiert auch er diesen arrogant zur Schau getragenen männlichen Egozentrismus, neben dem es die Frau nur als labiles Ding, hübsches Beiwerk oder Sehnsuchtsobjekt eines Mannes geben kann.

Das ist auch schon der einzige Kritikpunkt, den ich an diesem ansonsten großen Roman habe. Denn zum Glück ist das nur eine von vielen Ebenen, die Der grosse Gatsby (1925) aufmacht. Im Zentrum dieser vermeintlichen Liebesgeschichte im New York der Roaring Twenties steht nicht so sehr die Beziehung Gatsbys zu seiner angebeteten Daisy, sondern vielmehr das verzweifelte Streben eines Mannes danach, einem Ideal zu entsprechen, das nicht existiert. Das grüne Licht als Symbol all dessen, was unerreichbar bleibt, so sehr man auch danach greift. Weil man mit Geld nicht ändern kann, wer man ist, weil man die Vergangenheit nicht ändern kann. Und weil das, wonach man strebt, nur eine verkommene Illusion ist. Eine unerhörte Absage an den American Dream, laut dem doch angeblich alles möglich ist. Weiterlesen „F. Scott Fitzgerald: Der grosse Gatsby“

Goodbye, Barry!

barry-netflixDie Tage von Obamas Präsidentschaft sind gezählt und angesichts seines Nachfolgers stellt sich bei mir schon jetzt eine große Wehmut ein. Dieses Gefühl hat mich wohl dazu bewogen, mir Barry (2016) anzusehen. Ein von Netflix produziertes Biopic, das Obamas Studienzeit in New York zum Thema hat.

Obama als Dichter und Denker

New York City, 1981. Barack Obama (Devon Terrell), von allen nur Barry genannt, ist ein verträumter Student, der seine Zeit mit Schreiben, Lesen und Basketballspielen zubringt und auch gerne mal einen Joint durchzieht. Noch weit entfernt von einer politischen Karriere, philosophiert er schon jetzt leidenschaftlich über demokratische Werte und die soziale Verantwortung des Staates.

Privat hadert der zukünftige Präsident damit, seinen Vater nie richtig kennengelernt zu haben. Als Sohn eines Kenianers und einer Weißen kommt zudem die Identitätsproblematik hinzu. Weder zu den Schwarzen noch zu den Weißen fühlt der junge Obama sich wirklich zugehörig. Der Film spielt diesen Identitätskonflikt sehr eindringlich an Obamas Beziehung mit einer weißen Mitstudentin durch. Barrys Suche „nach dem richtigen Weg“ ist am Ende des Films noch lange nicht abgeschlossen, aber sie endet versöhnlich. Er erkennt, dass es ein amerikanisches Privileg ist, sich nicht für eine Seite seiner Identität entscheiden zu müssen. Weiterlesen „Goodbye, Barry!“

The Get Down: ein schrilles Hip Hop Märchen

 

Ich mag Hip Hop und ich mag Baz Luhrmann (Romeo & Julia, Moulin Rouge, Der Große Gatsby). Als ich hörte, dass besagter Regisseur eine Serie über die Ursprünge des Hip Hop für Netflix produziert, war ich interessiert. Vor allem da Nas (If I Ruled the World) und Grandmaster Flash an der Entwicklung beteiligt waren. Liegt ja auch nah, dass Luhrmanns erste Serie Hip Hop zum Thema hat. Schließlich wirkte schon der, meiner Meinung nach sehr gelungene, Große Gatsby stellenweise wie ein Jay-Z Video. Aber schon die erste Folge von The Get Down war ernüchternd. Statt ernsthaft den Ursprung des Hip Hops zu beleuchten, gerät die Serie leider zu einem schrillen Märchen, in dem nichts so recht zusammen passen will. Und von der im Hip Hop so wichtigen Credibility keine Spur. Dabei hätte es so interessant werden können.

Worum es geht

New York City, 1996. Ein Rapper, der sich verdächtig nach Nas anhört, betritt die große Bühne, wo er von Tausenden von Menschen gefeiert wird, und erzählt seine Geschichte. Diese führt ihn zurück in das Jahr 1977, als die Kriminalitätsrate auf dem Höhepunkt und New York noch gefährlich war.In einer Montage aus dokumentarischen Bildern sehen wir Polizeiautos, korrupte Politiker, abgeführte Gangster, brennende Gebäude und trostlose Trümmer. Einen Ort voller Ruinen, in dem die Hoffnung keimt, die Hoffnung namens Hip Hop – ein Begriff, den es damals noch nicht gab. So weit so gut, die Ausgangssituation ist interessant, die Ästhetik cool. Weiterlesen „The Get Down: ein schrilles Hip Hop Märchen“

Maggie’s Plan – Die Frau, ein Kontrollfreak

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Wirklich gute romantische Komödien sind in den letzten Jahren rar gesät. Umso schöner ist es, in diesem Genre noch positiv überrascht zu werden. Maggie’s Plan von Rebecca Miller und mit Greta Gerwig, Ethan Hawke und Julianne Moore ist intelligent, ungekünstelt und erfrischend kurzweilig. Und obwohl die RomCom in New Yorker Intellektuellenkreisen spielt und leicht an Woody Allen erinnert, kommt sie bei Weitem nicht so verkopft daher wie man auf den ersten Blick annehmen würde.

Worum es geht

Die junge, etwas schrullige, zur Kontrollsucht neigende Uni-Dozentin Maggie (Greta Gerwig) will Mutter werden. Da sie weiß, dass sie es nie lange genug mit einem Mann aushält, nimmt sie das Projekt Kind dank Samenspender selbst in die Hand und setzt einen Termin zur Selbstbesamung an. Just in diesem Moment klingelt es an der Tür: es ist John (Ethan Hawke), der hochintelligente, leider verheiratete ,,Bad Boy“ aus dem Anthropologie-Fachbereich, der genug von seiner egozentrischen Frau Georgette (Julianne Moore) hat und Maggie seine Liebe gesteht. Weiterlesen „Maggie’s Plan – Die Frau, ein Kontrollfreak“

Master of None – Generation Y wird erwachsen

Man kann über den Begriff der Generation Y streiten oder ihn für kompletten Blödsinn halten, ein Musterexemplar dieser Gattung erkennt man sofort. Der indischstämmige New Yorker Dev in der erfrischend entspannten Comedy-Serie Master of None ist so ein Musterexemplar. Ein Großstädter um die 30, mit einem Smartphone als erweitertes Körperteil und überdurchschnittlich viel Freizeit, die er mit seinen Freunden in Restaurants oder Bars verbringt – auf der Suche nach der großen Liebe und/oder einem anderen Lebenssinn.

Bereits in der allerersten Szene wird diese Digital Natives Spaßkultur auf die Spitze getrieben: Dev ist mit einer Frau im Bett und das Kondom platzt. Sofort holen beide ihre Smartphones raus, um zu googeln, ob eine Pille danach nötig ist. Anschließend bestellt Dev ein Uber, das sie drei Minuten später zur Apotheke bringt. Eine komfortable Situation und eine peinliche noch dazu, wenn man bedenkt, dass die beiden sich erst wenige Stunden vorher in einer Bar kennengelernt haben.

Und so zweischneidig ist es hier oft, das hippe Leben im digitalen Zeitalter. Dating-Apps machen das Daten noch komplizierter, Restaurant-Bewertungen im Internet führen dazu, dass so lange nach dem richtigen Laden gesucht wird, bis dieser geschlossen hat und Skype-Castings in Cafés können schon mal in Erregung öffentlichen Ärgernisses ausarten. Ganz abgesehen davon, dass es angesichts der vielen Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten, unmöglich erscheint, sich auf einen Weg und einen Lebenspartner festzulegen, wie die Eltern oder Großeltern es noch getan haben. Weiterlesen „Master of None – Generation Y wird erwachsen“

Tallulah – wie Juno, nur ganz anders

Es scheint als habe Netflix sich darauf spezialisiert, beliebte Formate wieder aufleben zu lassen. Full House, Scream, die Gilmore Girls und nun Tallulah – ein Film, bei dem die Erfolgsformel von Juno zum Einsatz kommt, einem der erfolgreichsten Filme 2007. Laut dieser Formel nehme man also die wunderbare Ellen Page und lasse sie einen erfrischenden, unkonventionellen Charakter verkörpern. Als Konterpart setze man ihr die etwas verstockt wirkende, aber witzige Allison Janney entgegen und füge noch das Thema Mutterschaft und oder ein Baby hinzu. Fertig ist ein Film, der es schafft, sowohl anrührend und dramatisch als auch witzig und leicht zu sein. Weil ich Juno so liebe, war ich sehr gespannt darauf, was mich bei Tallulah erwartet.

 Worum es geht

Tallulah (Ellen Page) ist ein freiheitsliebendes, wildes Mädchen, das in frühen Jahren von ihrer Mutter ausgesetzt wurde. Sie zieht in ihrem zugemüllten Van von Ort zu Ort und hält sich mit kleinen Diebstählen über Wasser. Als ihr Freund sie verlässt, weil er dieses Vagabundenleben nicht länger mitmachen will, folgt sie ihm nach New York. In einem Hotel, wo sie sich am Essen der Gäste bedient, stolpert sie zufällig in das Zimmer von Carolyn (Tammy Blanchard), einer zugedröhnten High-Society-Tussi, die mit ihrer etwa einjährigen Tochter vollkommen überfordert ist. Statt sich um das Kind zu kümmern, interessiert sie sich nur für ihr Äußeres und dafür, ob sie von ihrem Date am Abend flach gelegt wird oder nicht. Froh das Baby für einen Abend los zu sein, lässt sie es einfach bei Tallulah, die sich eher widerwillig darum kümmert. Später am Abend kehrt sie volltrunken zurück, nur um bewusstlos ins Bett zu fallen. Tallulah fackelt nicht lange und nimmt das schreiende Kind kurzerhand mit. Weiterlesen „Tallulah – wie Juno, nur ganz anders“