The Marvelous Mrs. Maisel und die Feelgood-Emanzipation

Mrs. Maisel im schwarzen Cocktailkleid verabschiedet sich von ihrem Publikum.
The Marvelous Mrs. Maisel, Season 1 (via Giphy)

Welch ein Glück, dass sich Amy Sherman-Palladinos Kreativität mit den Gilmore Girls nicht erschöpft hat. Ihre neue Serie The Marvelous Mrs. Maisel (zwei Staffeln auf Prime verfügbar) ist ästhetisch ein kleines Juwel und räumt gerade zurecht viele Preise ab.

Auch hier steht wieder eine starke, schnell sprechende Frau samt ihrer herrlich verschrobenen, privilegierten Familie im Mittelpunkt. Auch hier bevölkern wieder die skurrilsten Charaktere den Serienkosmos, während ein Hauch von Romantik in der Luft liegt. Vieles erinnert an Stars Hollow. Und doch ist alles anders. Größer, bunter, stylischer, gewagter. Es sind die 50er, es ist der Big Apple und es darf endlich geflucht werden was das Zeug hält.

Weiterlesen „The Marvelous Mrs. Maisel und die Feelgood-Emanzipation“

The Affair – Staffel 4

In dieser 4. Staffel von The Affair beschlich mich zum ersten Mal das Gefühl, dass es nun abwärts geht mit dieser Serie, dass ihr Konzept einfach nicht mehr aufgeht. Das war noch bevor ich erfuhr, vor welcher Mammut-Aufgabe die Autoren in dieser Staffel standen: Weil eine/r der Hauptdarsteller/innen beschlossen hatte, die Serie zu verlassen, musste eine zentrale Figur herausgeschrieben werden.

Wäre das nicht gewesen, wäre sie mit Sicherheit ganz anders geworden diese Staffel. Schließlich hat sich Ende der 3. Staffel der Beginn einer wieder erblühenden Liebesgeschichte angedeutet, die nun keine Chance mehr bekommen hat. Stattdessen sehen wir: Vier Hauptcharaktere, die nicht weiter voneinander entfernt sein könnten, die nur noch so lose miteinander verbunden sind, dass nicht einmal mehr ein gemeinsames Geschehen vorhanden ist, dass es multiperspektivisch zu betrachten gäbe. Weiterlesen „The Affair – Staffel 4“

Maudie – die Malerin und der Misanthrop

Filmplakat zu Maudie
(c) Filmladen

Maudie (2016) ist wie eine bunte Steppdecke, die sich wärmend um den Zuschauer legt. Eine außergewöhnliche Liebesgeschichte und ein Künstler-Biopic, das unter die Haut geht. Aisling Walsh verfilmte die Beziehungsgeschichte der kanadischen Künstlerin Maude Lewis (1903-1970) und ihres Mannes Everett mit Sally Hawkins und Ethan Hawke in den Hauptrollen.

Trotz rheumatoider Arthritis, die Maude ihr Leben lang behinderte, fand die Malerin in der Zurückgezogenheit mit dem misanthropischen Fischer ihr Glück und wurde später für ihre bunten, lebensfrohen Bilder berühmt. Ein wunderbarer Film, wie gemacht für diese magische Übergangszeit zwischen den Jahreszeiten. Unnötig zu erwähnen, dass ich am Ende in Tränen aufgelöst war. Weiterlesen „Maudie – die Malerin und der Misanthrop“

In den Gängen – zarte Romanze im Neonlicht des Großmarktes

Kinoplakat: In den Gängen
(c) Departures Film

Da musste ich erst wieder ins Kino gehen, um mich an die Magie des Films zu erinnern. Ich gebe zu, ich hatte sie in den letzten Monaten vergessen. Ins Kino zu gehen, sich einen ganzen Film von Anfang bis Ende anzusehen, ohne die Möglichkeit zu haben, ihn anzuhalten, ohne ihn in Häppchen einzuteilen, das bedeutet eben auch, sich einzulassen. Auf eine Welt, die vielleicht gerade so gar nichts mit der gegenwärtigen Stimmung zu tun hat, dafür aber neue Sichtweisen eröffnet, berührt, inspiriert, eine kleine Offenbarung bietet, die die eigene Welt für zwei Stunden auf den Kopf stellt.

Im Fall von In den Gängen (2018) ist diese Welt ein Großmarkt in der ostdeutschen Provinz, wo der wortkarge, introvertierte Ex-Knacki Christian (Franz Rogowski) versucht, sich durch einen Job in der Getränkeabteilung zu resozialisieren. Dabei findet er in Vorarbeiter Bruno (Peter Kurth) einen väterlichen Freund, (der die Wende nicht überwunden hat und ähnlich einsam ist wie er selbst) und in Marion aus der Süßwarenabteilung (Sandra Hüller aus Toni Erdmann) ein Sehnsuchtsobjekt, das seinem einsamen Dasein wieder Hoffnung gibt.

Weiterlesen „In den Gängen – zarte Romanze im Neonlicht des Großmarktes“

13 Reasons Why – Staffel 2

Wie setzt man eine Geschichte fort, die eigentlich auserzählt ist? Wie schafft man eine würdige Fortsetzung für ein Format, das so viele kontroverse Diskussionen ausgelöst hat? Nicht indem man einfach eine neue hanebüchene Geschichte hinzudichtet – wie ich es für die Fortsetzung von  13 Reasons Why (Tote Mädchen lügen nicht) befürchtet hatte – sondern indem man all diesen Kontroversen einen eigenen Platz in der Geschichte einräumt und aus der Kritik an der ersten Staffel lernt.

Und was soll ich sagen, ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber die 2. Staffel der Netflix-Serie, die Hannahs Selbstmord im Rahmen einer Gerichtsprozesses aus verschiedenen Blickwinkeln reflektiert, gefiel mir sogar besser als die erste. Sie ist weniger plakativ, weniger durchgestylt, weniger genrefixiert – dafür aber um einiges tiefgehender, gründlicher und ja, auch spannender. Immerhin steht der Ausgang der Handlung nicht von vornherein fest. Weiterlesen „13 Reasons Why – Staffel 2“

Ian McEwan: Am Strand // Kindeswohl

Am Strand von Ian McEwan gehört zu den Büchern, die man gerne mal in diesen Das-solltest-du-gelesen-haben-Listen findet. Und so stand der Autor von Abbitte (meine einzige Assoziation damit: Keira Knightley) schon seit einer Weile auf meiner Liste. Nach den zwei kurzen Romanen (Am Strand, Kindeswohl), mit denen ich mich ins neue Jahr gelesen habe, konnte ich mir ein Bild machen.

Ian McEwan ist ein expliziter Autor, der wenig der Assoziation oder Phantasie überlässt. Er schildert Situationen und Handlungen mit einem feinen Gespür für Details und liefert die kausalen, psychologischen Zusammenhänge gleich mit. Das macht seine Romane nicht gerade innovativ, aber auch nicht weniger ergreifend. Am Ende von Am Strand flossen die Tränen – und das in der überfüllten U8.

Sollte man dieses Buch oder diesen Autor deshalb unbedingt gelesen haben? Nun ja, in Mad Men habe ich mit Sicherheit mehr über die destruktive Prüderie der 60er Jahre gelernt. Nichtsdestotrotz, die dichte Atmosphäre einer Nacht, das Unausgesprochene zwischen zwei Menschen – in seiner Kürze ist Am Strand ein Meisterstück. Und auch Kindeswohl alles andere als Zeitverschwendung. Weiterlesen „Ian McEwan: Am Strand // Kindeswohl“

Jane Austen: Überredung / Anne Elliot

Jane Austen Überredung Reclam Buchcover
(c) Reclam

Zwei verschiedene Titel, ein und derselbe Roman. Wie ich peinlicherweise feststellen musste, nachdem ich auf der Suche nach der deutschen Ausgabe von Jane Austens Persuasion (1817) nicht nur Überredung, sondern auch Anne Elliot mit nach Hause brachte. Kannte ich schließlich beide noch nicht. Je mehr Jane Austen zu den Feiertagen, desto besser. Autsch. Böser Fauxpas. Auch wenn ich der Meinung bin, dass die Übersetzer zumindest was den Titel betrifft, einen Konsens finden sollten.

Hätte ich mehr Ahnung gehabt, hätte ich natürlich gewusst, dass es sich bei Überredung und Anne Elliot nur um ein und denselben Roman handeln kann. Denn Anne Elliot ist die Hauptprotagonistin von Persuasion (einigen wir uns mal darauf). Die Elisabeth, die Emma dieser Aschenputtel-Story. Mit dem Unterschied, dass Anne kein junges, stolzes Mädchen ist, sondern 27 Jahre alt. Und damit im alten England schon auf dem Abstellgleis, eine alte Jungfer, deren Schönheit bereits verwelkt ist, wie es hier so nüchtern heißt. Letzte Chance für Anne also, die Fehler der Vergangenheit wieder gut zu machen und ihrer lieblosen Familie durch eine Heirat den Rücken zu kehren – dem selbstverliebten Vater, der die adlige Familie mit seiner Verschwendungssucht in den Ruin treibt und den zwei hochnäsigen Schwestern, die Anne wie eine Hausangestellte behandeln.

Weiterlesen „Jane Austen: Überredung / Anne Elliot“

Feiertagsbingewahn: Downton Abbey // This is Us

Es gibt Serien, die schleift man so mit. Serien, die zu schade sind, um sie aufzugeben. Bei denen der Funke aber einfach nicht überspringen will oder schnell erloschen ist. Downton Abbey und This is Us waren für mich im letzten Jahr solche Serien. Zwischen den Festlichkeiten begab es sich aber zufällig, dass ich einen ganzen Tag lang einfach mal dem Nichtstun frönen konnte. Allein mit einem Fernseher und einem Streamingdienst habe ich die Gelegenheit genutzt, um damit abzuschließen. Und siehe da, in dieser seltsamen Zeit zwischen den Jahren brannte das Feuer wieder lichterloh.

Weiterlesen „Feiertagsbingewahn: Downton Abbey // This is Us“

Claus Stephani: Blumenkind

Buchcover Claus Stephani Blumenkind
(c) SchirmerGraf Verlag

Eine schöne junge Frau ohne Mann gehört niemandem, und dann manchmal auch allen. Das ist ihr Schicksal. Sie ist wie ein Blatt am Weg. Jeder Windstoß kann es fortblasen, jeder Mensch, der vorbeikommt, kann drauftreten. (Claus Stephani: Blumenkind)

Was das bedeutet, erfährt die junge Jüdin Beila in den 1930er Jahren in ihrem rumänischen Dorf am eigenen Leibe. Als ihr Ehemann den ,,Wölfen“ zum Opfer fällt und die Männer anfangen, nachts an ihre Tür zu klopfen, ist sie gezwungen, fortzugehen.

In einer Zeit, in der schon das Jüdischsein an sich das Leben gefährdet, gerät Beilas Weggang aus dem Dorf zu einer jahrelangen Flucht, die sie und ihre aus einer Affäre hervorgegangene Tochter Maria  – ein Blumenkind, wie man uneheliche Kinder in Rumänien nennt – bis in die östlichen Karpaten und schließlich in das abseitige Marmatien führt, eine Gegend in der Deutsche (Siebenbürger Sachsen), Juden und Rumänen Seite an Seite leben bis die Entwicklungen in Hitler-Deutschland das ländliche Idyll zunichte machen. Hier findet Beila ihre letzte Ruhe und hier forscht ihre Tochter 20 Jahre später, im sozialistischen Rumänien nach deren Verbleib. Wobei sie, das Blumenkind, sich in ein anderes Blumenkind verliebt – ohne zu wissen, dass sie mit diesem verwandt ist.

Weiterlesen „Claus Stephani: Blumenkind“

Die 5 BESTEN am Donnerstag #51: Sommerfilme

Sommerfilme mag ich. Das Timing ist perfekt. Zeit, mal wieder bei Goranas 5 BESTEN am Donnerstag mitzumachen. Und weil man den Sommer als Kind noch am intensivsten erlebt hat und dazu noch viel Zeit zum Filmegucken hatte, fallen mir zum Thema Sommerfilme spontan erstmal ein paar Kinder- bzw. Jugendfilme ein. Die nämlich, die auf mich auch heute noch eine magische Wirkung haben. Hauptsächlich wegen der Erinnerungen an sechs ewig lange Ferienwochen. Hier also meine 5 besten Sommerfilme.
Weiterlesen „Die 5 BESTEN am Donnerstag #51: Sommerfilme“