T.C. Boyle: Die Terranauten

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(c) Hanser Literaturverlage

4 Frauen, 4 Männer – 2 Jahre zusammen eingeschlossen in einem ,,Megaterrarium“ mit künstlich geschaffener Biosphäre und ein paar Tieren zwecks Nahrungserzeugung. Nichts rein, nichts raus lautet das felsenfeste Motto dieses wissenschaftlichen Experiments, das für das Leben auf dem Mars vorbereiten soll, in diesem Roman von T.C. Boyle jedoch eher wie ein Reality TV-Format daherkommt. Ganz bewusst, könnte man meinen, widmet er sich in Die Terranauten (2017) mehr den kleinkarierten, menschlichen Rivalitäten als den großen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Und doch fragt man sich irgendwann leider: Besteht der Roman eigentlich nur aus heißer Luft?
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Der September in Filmen

Der Herbst war schneller da als erwartet und mit ihm das Bedürfnis, sich einzuigeln. Wenn nicht gerade eine Folge Mad Men (aktuell Staffel 4 und es ist die pure Freude), musste es ein zur Stimmung passender Film sein. Ein paar Filme sind im September also zusammengekommen: ein Filmklassiker aus den 70ern, was fürs Herz, zwei Blödelfilme für die kopflose Unterhaltung, zwei bewegende Musiker-Dokus und neben Berlin Syndrom sogar noch ein weiterer aktueller Film, der obwohl vielversprechend, leider ein Reinfall war.

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2001: Odyssee im Weltraum (1968)

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Quelle

Endlich habe auch ich es geschafft, diese gewaltige Filmbildungslücke zu schließen, die sich 2001: Odyssee im Weltraum nennt. Zurecht ist Stanley Kubricks Sci-Fiction-Oper ein Klassiker, über den man heute noch spricht. Allerdings haben mich neuere Sci-Fiction-Filme á la Insterstellar (die sich natürlich auch an 2001 orientieren), so vorgeprägt, dass es mir bei diesem Klassiker von 1968 eindeutig an Spannung fehlte.

Ein Masterpiece der Filmkunst

Und so bin ich bei der Wertung dieses Films, der 2008 zum besten Sci-Fiction-Film aller Zeiten gewählt wurde, zwiegespalten zwischen objektiver und subjektiver Wahrnehmung. Ohne Frage ist dieser Film ein Geniestreich, der Filmstudenten zurecht als Musterbeispiel der Filmkunst vorgeführt wird. Allein diese gewaltige Musik-Bild-Komposition, die opernhafte Dimensionen annimmt, erscheint einmalig. Genau wie die geniale Idee, einen Sci-Fiction-Film mit der Geburtstunde der menschlichen Gewaltherrschaft beginnen zu lassen: bei den Menschenaffen, die entdecken, dass man einen Knochen auch als Waffe benutzen kann.

In einem der wohl berühmtesten Schnitte der Filmgeschichte (das durfte auch ich in einem Medienseminar lernen) folgen wir diesem in den Himmel geschleuderten Knochen und landen im Weltall, wo er Millionen Jahre später die Form eines Raumschiffes annimmt. Im Jahre 2001 haben die Menschen ihre Überlegenheit so weit ausgebaut, dass sie selbst den Weltraum beherrschen. Die Technik – das deutete die welterste Waffe bereits an – hat jedoch beträchtliche Schattenseiten. Die beklemmende Auseinandersetzung zwischen der Besatzung der Jupiter-Mission und dem Boardcomputer HAL zeigt: der Mensch hat seine Macht komplett an das Werkzeug / die Maschine abgetreten und ist nun kaum mehr als ihr Spielball. Weiterlesen „2001: Odyssee im Weltraum (1968)“

And the Oscar goes to…: Filme im Februar

Spätestens als der von Alter und Krankheit gezeichnete Michael J. Fox aus seinem DeLorean stieg, um zusammen mit Seth Rogen (in Nike-Powerlatschen) einen Preis zu präsentieren, wusste ich, warum ich mich von diesem Spektakel jedes Jahr aufs Neue einfangen lasse. Die Oscars mögen zu weiß sein, zu selbstverliebt, zu eintönig, zu mainstreamig – am Ende feiern sie doch immer auch die Kinoliebe. Dieses Jahr fühlte ich mich besonders gut unterhalten. Vielleicht weil die Academy sich angesichts des amtierenden US-Präsidenten besondere Mühe gab, vielfältig und politisch korrekt zu sein (einzig Matt Damon hatte einen schweren Stand). Vielleicht auch, weil ich es tatsächlich geschafft habe, einige der Filme im Vorfeld zu sehen.

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Über die Besinnlichkeit: Gesehen im Dezember

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Quelle: fanpop.com

Weihnachten ist vorbei und damit auch die Zeit im Jahr, die explizit für Familie und „Besinnlichkeit“ reserviert ist. 3 Tage, in die all das passen soll, wofür im restlichen Jahr kaum Zeit bleibt. Warum eigentlich, fragte ich mich, nachdem wir in einem Besuchermarathon all unsere Verwandtschaft abgeklappert hatten, verteilen wir solche Familientreffen nicht besser auf das ganze Jahr? Und warum eigentlich können wir nicht das ganze Jahr über einfach mal besinnlich sein?

Besinnlichkeit ist eine stimmungsvolle Zeit, in der Menschen zum Nachdenken und Innehalten kommen.

So sagt es das Lexikon und schlägt Synonyme wie Gelassenheit, Ausgeglichenheit, Bedachtsamkeit, Muße und sogar Coolness vor. Leitlinien, an denen man sich durchaus mal orientieren kann, wie ich finde. Und so habe ich den ganzen Monat lang versucht, Besinnlichkeit zu üben, was mal mehr und mal weniger gut geklappt hat (klammerndes Kleinkind und wiederkehrende grippale Infekte können der Besinnlichkeit schon mal einen Abbruch tun).

Hauptsächlich ging es mir dabei darum, mal eine Pause vom ständigen Müssen zu machen, das sich mittlerweile auch in den Freizeitbereich eingeschlichen hat. Das Bloggen hier macht mir großen Spaß und ich wundere mich, dass ich nicht schon viel früher damit angefangen habe, aber auch das ist mit einem gewissen Ehrgeiz verbunden. Hat man ein gutes Buch gelesen oder einen guten Film gesehen, glaubt man der Vollständigkeit halber darüber schreiben zu müssen. Ähnlich verhält es sich mit Netflix und anderen Streamingdiensten – eine Bereicherung ohne Frage – aber auch ein großer Zeitfresser (wie oft klickt man sich durch das riesige Angebot, ohne am Ende tatsächlich etwas zu gucken?). Von Facebook & Co. ganz zu schweigen. Ich habe mir letzen Monat also vorgenommen, mich von den Technologien in meinem Leben nicht mehr unter Druck setzen zu lassen. Back to the roots – in meinem Fall zu den Büchern oder wenn zu Film und Serien, dann doch erstmal zu heißgeliebten Wiederholungen. Mehr Wertschätzung und weniger Masse. Schließlich sind es die Filme und Serien, die wir immer wieder gerne sehen, die uns am meisten geben. Weiterlesen „Über die Besinnlichkeit: Gesehen im Dezember“

Gesehen und gelesen im November

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Es scheint kein Zufall zu sein, dass ich ausgerechnet im November auf die Serie Black Mirror gestoßen bin, fühlt es sich seit dem 8. November doch so an, als könnte die Realität genauso gut eine Folge daraus sein. Donald Trump als Präsident und mächtigster Mann der Welt?! Da erscheint es mir doch weniger absurd, dass der englische Premierminister mit einem Schwein kopulieren muss. Es gibt mit Sicherheit viel, was wir von dieser originellen Anthologie-Serie, die die Technologisierung der Gesellschaft auf die Spitze treibt, lernen können, aber da ich noch mittendrin bin, möchte ich im Moment auch nicht mehr darüber sagen. Außer, dass sie bisher sehr sehenswert ist. Außerdem habe ich letzen Monat reingeguckt in: Weiterlesen „Gesehen und gelesen im November“

Stranger Things – eine Hommage an die Filme unserer Kindheit

Schon der Schriftzug des Serientitels weckt Nostalgie-Gefühle. Kein Wunder, scheinen die Buchstaben direkt einem Stephen King Buchcover entsprungen zu sein. Hört man dann die düsteren Synthesizer-Klänge der Titelmelodie, weiß man, man hat sich nicht getäuscht, hier legt es jemand bewusst drauf an, uns in die 80er Jahre zurückzubefördern. In die Zeit als Horrorfilme wie Poltergeist und Nightmare on Elm Street  noch schockten und es gleichzeitig diese wunderbaren Coming-of-Age Filme wie Stand by me – Das Geheimnis eines Sommers, Die Goonies oder E.T. – Der Außerirdische gab, in denen Freundschaft und der Zauber der kindlichen Phantasie über alles gingen. Die Science-Fiction-Mystery Serie Stranger Things, ein Netflix Original, das derzeit in aller Munde ist, ist ein Konglomerat all dieser Filme.

Die Serienschöpfer (Matt und Ross Duffer, Jahrgang 84) scheinen ganz bewusst das Beste aus diesem Mystery-Genre der 80er Jahre herausgepickt zu haben, um es mit viel Liebe neu zusammenzusetzen. Stranger Things ist wie eine Mischung aus einem Stephen King Roman und einem Steven Spielberg Film, im Retro-Look der 80er, mit viel Grusel, Magie und kindlichem Charme – und Winona Ryder, einem längst verglühten Hollywood-Stern, der hier passenderweise sein Comeback feiert. Weiterlesen „Stranger Things – eine Hommage an die Filme unserer Kindheit“