Filme, Serien: Was im Frühling geschah

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Der Film und ich, wir leben uns langsam auseinander, so scheint mir. Wie oft sitze ich vor Netflix und Co. und klick mich ewig durch das Angebot, nur um am Ende doch wieder die Folge einer Serie zu starten. Woran das liegt: Hauptsächlich am Mangel neuer, aber vor allem guter Filme. Denn entweder gibt es hier schon zig mal gesehene Blockbuster oder irgendwelche B-Ware, die scheinbar billig zu haben war und so fast immer enttäuscht.

Früher liebte ich es, die Videothek nach neuen Filmen zu durchstreifen. Heute gibt es in meiner Umgebung keine Videotheken mehr. Und ja Online-Videotheken mögen praktisch sein, aber es tut dann doch weh, für die einmalige Sichtung eines Filmes auf der heimischen Couch 5 Euro hinzublättern. Man nenne mich geizig, aber dann greife ich meistens doch lieber auf die magere Auswahl der Streaming-Dienste zurück…und werde enttäuscht. Ein Teufelskreis. Wie macht ihr das? Irgendwelche Tipps zur Filmauswahl im Online-Dschungel?

Im vergangenen Frühling gab es jedenfalls nur einen Film, der mich so richtig beeindruckt hat und das war Frances Ha. Selbst Lady Bird, das oscar-nominierte Regie-Erstlingswerk von Greta Gerwig, das ich vor kurzem im Open-Air-Kino sah, konnte es mit diesem leichtfüßigen Schwarz-Weiß-Film nicht aufnehmen.

An guten Serien mangelte es dagegen wieder mal nicht. Bad Banks und die 2. Staffel von 13 Reasons Why waren da nur die Spitze des Eisbergs. Letztere wird meiner Meinung nach zu Unrecht so hart kritisiert. Wer hier noch „Victim Blaming“ oder Gewaltverherrlichung unterstellt (wie zum Beispiel hier gelesen), der hatte bei der Serie Augen und Ohren geschlossen. Womit ich es im Frühling noch so zu tun hatte… Weiterlesen „Filme, Serien: Was im Frühling geschah“

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Filme: Was im Winter geschah

…oder auch: die Liste mit der (fast) schlechtesten Filmauswahl ever. Zumindest bis zum Ende dieses Winters, wo es dank ein bisschen Output von außen (vielen Dank, Frau Roeper) dann doch ein paar filmische Perlen gab (Three Billboards Outside Ebbing, Mississippi und Raum). Besonders letzterer hat mich ziemlich mitgenommen und tagelang nicht mehr losgelassen. Bis dahin war die Auswahl aber eher lustlos und auf Wohlfühl-Filme ausgelegt, ganz nach dem Motto ,,Wenn wir nicht mehr können, schau’n wir uns ’ne Romcom an.“

Ein Motto, mit dem ich leider kein gutes Händchen bewiesen habe. Mit wenigen Ausnahmen waren die meisten Filme, von denen ich mir ein bisschen Unterhaltung erhofft hatte, leider Mist. Warum diese Bequemlichkeit und nur ein minimales Interesse für die Filmkunst oder die diesjährigen Oscar-Favoriten? Ich habe eine ziemlich gute Ausrede: Der Klops bekommt Verstärkung. Dementsprechend habe ich mich hormongesteuert und schläfrig durch den Winter geschleppt. Man möge Nachsicht mit mir haben. Aber seht selbst.

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Mad Men: Staffel 1-7

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(c) Art of the Title

Nach 7 Staffeln Mad Men bin ich um eine Lieblingsserie reicher, um einiges weiser und doch so trübsinnig wie nur Don Draper es sein kann. Das wars nun. Keine Abende mehr mit Antiheld Don, Powerfrau Peggy oder Spaßvogel Roger. Es sei denn, ich fange noch einmal von vorne an, was ich ernsthaft in Erwägung ziehe. Denn das traurigste an diesem Serienende ist, dass eine so herausragende Serie so bald wohl nicht wieder um die Ecke kommt.

Eine Serie, bei der man sich darauf verlassen kann, dass jede Folge ein Genuss ist. Bei der es nicht darum geht, die Handlung künstlich voranzutreiben oder in die Länge zu ziehen, sondern einzig um die Entwicklung der Charaktere, die sich zunächst langsam und dann umso schneller vollzieht und fast wie von selbst packende Wendungen hervorbringt – gespickt mit genialen Dialogen und absurd komischen Momenten. Und vor allem auch eine Serie, die sich ästhetisch meisterlich einem ganzen Jahrzehnt widmet – den glamourösen 60er Jahren, die so viele einschneidende Veränderungen hervorgebracht haben. Zu sagen, dass die Serie von einer Werbeagentur in den 60er Jahren handelt, wäre deshalb zu kurz gegriffen. Vielmehr ist Mad Men

  • …eine Geschichte des Mannes in der Identitätskrise.
  • …eine Geschichte von der Emanzipation der Frau.
  • …ein Sittengemälde der 60er Jahre.
  • …eine Serie, die nach nichts weniger fragt als dem Sinn des Lebens.

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T.C. Boyle: Die Terranauten

T.C. Boyle_Die Terranauten
(c) Hanser Literaturverlage

4 Frauen, 4 Männer – 2 Jahre zusammen eingeschlossen in einem ,,Megaterrarium“ mit künstlich geschaffener Biosphäre und ein paar Tieren zwecks Nahrungserzeugung. Nichts rein, nichts raus lautet das felsenfeste Motto dieses wissenschaftlichen Experiments, das für das Leben auf dem Mars vorbereiten soll, in diesem Roman von T.C. Boyle jedoch eher wie ein Reality TV-Format daherkommt. Ganz bewusst, könnte man meinen, widmet er sich in Die Terranauten (2017) mehr den kleinkarierten, menschlichen Rivalitäten als den großen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Und doch fragt man sich irgendwann leider: Besteht der Roman eigentlich nur aus heißer Luft?
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Reiselektüre: Westküste (USA)

Meinen Frust über den ausgebliebenen Frühling kompensiere ich mit dem Schwelgen in Urlaubserinnerungen. Der Kälte müde und des grauen Himmels überdrüssig, zehre ich in Gedanken von der Sonne Kaliforniens, von dem Licht Nevadas und den endlosblauen Himmeln Utahs und Arizonas.

Dabei sind meine Erinnerungen auch immer mit den wunderbaren Büchern verknüpft, die ich unterwegs gelesen habe und die wie geschaffen dafür sind, ein Gefühl für „das Land der Freiheit“ und den Westen im Besonderen zu bekommen. Weiterlesen „Reiselektüre: Westküste (USA)“

And the Oscar goes to…: Filme im Februar

Spätestens als der von Alter und Krankheit gezeichnete Michael J. Fox aus seinem DeLorean stieg, um zusammen mit Seth Rogen (in Nike-Powerlatschen) einen Preis zu präsentieren, wusste ich, warum ich mich von diesem Spektakel jedes Jahr aufs Neue einfangen lasse. Die Oscars mögen zu weiß sein, zu selbstverliebt, zu eintönig, zu mainstreamig – am Ende feiern sie doch immer auch die Kinoliebe. Dieses Jahr fühlte ich mich besonders gut unterhalten. Vielleicht weil die Academy sich angesichts des amtierenden US-Präsidenten besondere Mühe gab, vielfältig und politisch korrekt zu sein (einzig Matt Damon hatte einen schweren Stand). Vielleicht auch, weil ich es tatsächlich geschafft habe, einige der Filme im Vorfeld zu sehen.

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Goodbye, Barry!

barry-netflixDie Tage von Obamas Präsidentschaft sind gezählt und angesichts seines Nachfolgers stellt sich bei mir schon jetzt eine große Wehmut ein. Dieses Gefühl hat mich wohl dazu bewogen, mir Barry (2016) anzusehen. Ein von Netflix produziertes Biopic, das Obamas Studienzeit in New York zum Thema hat.

Obama als Dichter und Denker

New York City, 1981. Barack Obama (Devon Terrell), von allen nur Barry genannt, ist ein verträumter Student, der seine Zeit mit Schreiben, Lesen und Basketballspielen zubringt und auch gerne mal einen Joint durchzieht. Noch weit entfernt von einer politischen Karriere, philosophiert er schon jetzt leidenschaftlich über demokratische Werte und die soziale Verantwortung des Staates.

Privat hadert der zukünftige Präsident damit, seinen Vater nie richtig kennengelernt zu haben. Als Sohn eines Kenianers und einer Weißen kommt zudem die Identitätsproblematik hinzu. Weder zu den Schwarzen noch zu den Weißen fühlt der junge Obama sich wirklich zugehörig. Der Film spielt diesen Identitätskonflikt sehr eindringlich an Obamas Beziehung mit einer weißen Mitstudentin durch. Barrys Suche „nach dem richtigen Weg“ ist am Ende des Films noch lange nicht abgeschlossen, aber sie endet versöhnlich. Er erkennt, dass es ein amerikanisches Privileg ist, sich nicht für eine Seite seiner Identität entscheiden zu müssen. Weiterlesen „Goodbye, Barry!“